EKiR von A-Z
EKiR von A-Z Themen, Arbeitsfelder, kirchliche Einrichtungen von A-Z mehr

Trauer und Gedenken brauchen eine Ort. Trauer und Gedenken brauchen einen Ort, ein Ort, an dem die Hinterbliebenen auch Blumen oder Kränze als Zeichen ihrer Verbundenheit ablegen können.

Ewigkeitssonntag

Evangelische Friedhöfe sind konkrete Orte der Trauer

Weil Gott Menschen bei ihrem Namen gerufen hat, gibt es auf einem evangelischen Friedhof keine anyome Bestattung, sagt Cornelia Böhm, Juristin und Referentin für Friedhofswesen der Evangelischen Kirche im Rheinland.  Ein Interview.

Cornelia Böhm Cornelia Böhm

In Bremen können ab dem kommenden Jahr Angehörige die Asche ihrer Verstorbenen auf ihrem privaten Grundstück verstreuen, so denn das Gesetzesvorhaben alle parlamentarischen Hürden nimmt. Welche Folgen hat ein solches Gesetz für die Trauerkultur?

Bestattungsgesetze unterscheiden sich zwar von Bundesland zu Bundesland, nehmen aber sehr wohl Bedürfnisse und Angebote im Bereich der Bestattungskultur auf. Asche auf einer Wiese oder auf See zu verstreuen, ist ein neuer Trend, eine Form von anonymer Bestattung, die auch gern von Angehörigen aufgegriffen wird, die keinen Bezug zum christlichen Glauben haben. Tod, Bestattung und Trauer werden so zu einer rein privaten und unpersönlichen Angelegenheit. Die Bremer Regelung ist ein weiterer Schritt in diese Richtung. Auf evangelischen Friedhöfen sind anonyme Bestattungen nicht üblich, da Gott nach biblischem Verständnis einen jeden Menschen bei seinem Namen gerufen hat und daher aus theologischen Gründen auch der Name einer verstorbenen Person kenntlich sein sollte.

Manche wünschen sich eine anonyme Bestattung, weil sie ihren verbliebenen Angehörigen nicht zur Last fallen wollen.

Anonyme Bestattungen auf einer Wiese werden immer häufiger als Alternative zu einer traditionellen Grabstätte gewählt. So möchten Eltern beispielsweise ihren entfernt lebenden Kindern die Grabpflege ersparen. Angehörige haben so allerdings keinen konkreten Ort mehr, an dem sie trauern und Blumen oder Kränze als Zeichen ihrer Verbundenheit ablegen können. Die evangelischen Friedhofsträger bieten deshalb Lösungen an, die die Veränderungen in der Bestattungskultur aufnehmen und den Wunsch der Angehörigen nach einem Trauerort berücksichtigen. Dazu gehören pflegefreie Gemeinschaftsgrabstellen, wie zum Beispiel besonders gestaltete Felder mit einer ansprechenden Bepflanzung, einer Skulptur und einem kleinen Platz zur Ablage von Erinnerungsstücken.

Die Kirchen haben in der Vergangenheit mit ihren Friedhöfen die Bestattungskultur maßgeblich
geprägt. Kirchengemeinden fällt es seit einiger Zeit jedoch immer schwerer, ihre Friedhöfe zu halten. Vor welchen Herausforderungen stehen sie in den nächsten Jahren?

Nicht nur Kirchengemeinden, sondern auch Kommunen fällt es zunehmend schwer, Friedhöfe wirtschaftlich zu führen. Die bisher vorgehaltenen Flächen sind nicht mehr erforderlich, weil die Feuerbestattungen zunehmen und immer mehr Kolumbarien, zum Beispiel auch in entwidmeten Kirchen, eröffnet werden. Kirchengemeinden werden deshalb ihre Friedhöfe verkleinern und zunehmend pflegefreie Alternativen zu herkömmlichen Grabstätten anbieten. Auch mit der Bildung von Kompetenzzentren dürften evangelische Friedhöfe auf Dauer wirtschaftlich geführt werden können. Darüber hinaus muss Kirche deutlich machen, dass sie mit ihren seelsorglichen Angeboten Sterbenden und Trauernden beisteht – eine Arbeit, die außerhalb wirtschaftlicher Bilanzierung steht.

Auch die digitale Welt ist längst auf dem Friedhof eingezogen. Auf ersten Grabsteinen gibt es bereits QR-Codes. Ist das auch auf evangelischen Friedhöfen möglich?

Grundsätzlich wäre dies denkbar. Dazu müsste allerdings zunächst ein entsprechender Antrag bei der zuständigen Kirchengemeinde als Friedhofsträgerin gestellt werden, die darüber zu entscheiden hätte. QR-Codes bieten Chancen und Risiken. So können Friedhofsbesucherinnen und -besucher zum Beispiel per Smartphone einen Gruß an die Angehörigen in einem Kondolenz-Forum verfassen oder ein Foto der oder des Verstorbenen abrufen. Andererseits ist das Verfahren anfällig für Missbrauch, etwa, wenn der QR-Code zu unlauteren Internetseiten weiterleitet. Welche sicheren Verfahren es gibt, die Würde einer verstorbenen Person und seiner Hinterbliebenen zu wahren sowie dem christlichen Glauben Rechnung zu tragen, wird derzeit in der evangelischen Kirche diskutiert. 

Facebook, Twitter und Google+ einschalten
Seite drucken Seite versenden

 

ekir.de / wb / 20.11.2014



© 2017, Evangelische Kirche im Rheinland - EKiR.de
Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung nur mit Genehmigung.