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Cornelia Füllkrug-Weitzel ist Präsidentin von Brot für die Welt und Diakonie-Katastrophenhilfe. Foto: Hermann Bredehorst / Brot für die Welt Cornelia Füllkrug-Weitzel ist Präsidentin von Brot für die Welt und Diakonie-Katastrophenhilfe. Foto: Hermann Bredehorst / Brot für die Welt

Klimapilgern

Ihre Stimme hat Gewicht

Die Stimme der Kirchen und die Überzeugungskraft der Mitpilgernden wird beim Weltklimagipfel in Paris gehört werden, da ist sich Brot-für-die-Welt-Präsidentin Cornelia Füllkrug-Weitzel sicher. Ein ekir.de-Interview über Klimawandel und extreme Armut.

Sie werden in Bonn beim Klimapilgerweg vor dem UN-Klimasekretariat demonstrieren, zusammen mit dem Trierer Bischof Ackermann und den anderen Klimapilgern. "5 vor 12" heißt die Andacht dort. Inwiefern ist es Fünf vor Zwölf?

Unsere Generation ist die erste, die in der Lage ist, Hunger und extreme Armut weltweit zu überwinden. Sie ist aber auch die letzte, der es noch gelingen kann, die durch Treibhausgase verursachte Erderwärmung auf unter 2 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen und damit eine nicht mehr kontrollierbare Verschärfung des Klimawandels zu verhindern.
Die Bekämpfung der Armut und die Eindämmung des menschengemachten Klimawandels müssen miteinander in Einklang gebracht werden und fordern gleichermaßen hier und heute unser entschiedenes Handeln.

Welche Lösungen sind nötig? Wer muss handeln?

Zunächst muss es darum gehen, dass die Staaten, die in Paris über ein weltweites Klimaabkommen verhandeln, die Emissionslücke schließen. Die bisher angebotenen Emissionsminderungsziele reichen bei weitem nicht aus, um die globale Erwärmung auf unter 2 Grad zu begrenzen. Wir bewegen uns derzeit auf dem 3- bis 4-Grad-Pfad. Auch die EU sollte ihr Reduktionsziel bis 2030 auf mindestens 55 Prozent anheben. Weltweit wird es notwendig sein, die Weichen für den Einstieg in eine kohlenstoffarme und klimafreundliche Wirtschaftsweise zu stellen. Bei uns heißt das vor allem: so schnell wie möglich raus aus der Kohle. Gleichzeitig müssen wir aber auch die armen Staaten dabei unterstützen, die bereits nicht mehr vermeidbaren Folgen des Klimawandels bewältigen zu können.

Was trägt Brot für die Welt zum besseren Klima weltweit bei?

Wir setzen uns gemeinsam mit Klimazeugen aus aller Welt seit vielen Jahren bei den Klimagipfeln der Vereinten Nationen für eine ambitionierte Klimaschutzpolitik und ein verbindliches Klimaabkommen ein, das vor allem die ärmsten Bevölkerungsgruppen schützt, die besonders von den Folgen des Klimawandels betroffen sind. Viele unserer Partnerorganisationen arbeiten zudem an Lösungen, wie sich die Menschen auf zunehmende Wetterextreme, Meeresspiegelanstieg und Grundwasserversalzung einstellen können. Brot für die Welt ist auch Gesellschafter der Klima-Kollekte: Durch Kompensation von Emissionen bei uns kann in ärmeren Regionen in den Ausbau einer klimafreundlichen Energieversorgung investiert werden.

Auto stehen lassen, aufs Fliegen verzichten - viele Menschen finden es persönlich gar nicht so einfach, sich klimaverträglich zu verhalten. Kennen Sie das selbst?

Selbstverständlich bin auch ich manchmal in der Zwickmühle, dass Aufgabenfülle und Termindruck einer klimaverträglichen Reiseart entgegenstehen. Ich versuche, so oft als möglich die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen – innerhalb Berlins ohnehin, aber auch bei Terminen innerhalb Deutschlands. Wir haben auch Dienstfahrräder bei Brot für die Welt, allerdings gebe ich zu, dass ich zu dienstlichen Terminen in Berlin dann doch lieber Bus oder Bahn nutze.

Welche Chancen und Erfolge messen Sie dem "Ökumenischen Pilgerweg für Klimagerechtigkeit" zum Klima-Gipfel in Paris bei?

Brot für die Welt wirkt im Trägerkreis des Ökumenischen Pilgerwegs mit und unterstützt den Pilgerweg auch finanziell. Die Organisationen, die sich an diesem Pilgerweg beteiligen, treten für ein faires und verbindliches Klimaabkommen ein und bekennen mit ihrer Pilgerschaft, einen persönlichen Beitrag für mehr Klimaschutz leisten zu wollen. Die Stimme der Kirchen und die moralische Überzeugungskraft derer, die sich auf den Weg machen, um für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung ein Zeichen zu setzen, hat durchaus Gewicht und wird auch von den Verhandlungsdelegationen in Paris gehört werden.

"Geht doch!"

Mitmachen beim Ökumenischen Pilgerweg für Klimagerechtigkeit ist jederzeit möglich. Einsteigen im Gebiet der Evangelischen Kirche im Rheinland bietet sich an. Dafür sollte man sich im Kalender Ende Oktober Platz schaffen. Die genauen Daten und Orte sowie alle Hintergrundinformationen zur Aktion Klimapilgern stehen auf ekir.de/klimapilgern.

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ekir.de / Anna Neumann / 25.09.2015



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