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Familie Gabra lebt seit kurzem in Essen. Familie Gabra lebt seit kurzem in Essen.

Deutsch-ägyptisches Theologenpaar

Vom Roten Meer ins Ruhrgebiet

Von der Touristenseelsorgerin im ägyptischen Badeort Hurghada zur Gemeindeseelsorgerin im Ruhrpott - die rheinische Pfarrerin Eva Gabra ist vor kurzem mit ihrer Familie zurück nach Deutschland gekommen. 

Über eine erste Bilanz nach knapp 100 Tagen muss Eva Gabra nicht lange nachdenken: „Das Leben in Ägypten ist anstrengend, weil vieles nicht funktioniert“, sagt sie, “in Deutschland ist alles gut organisiert, aber wenn mal etwas nicht funktioniert, ist das auch stressig – ein anderer Stress eben.“

Beispiel Stromausfall. Wenn der in Hurghada mal ausfiel, wurde eben improvisiert oder man trank erstmal einen Tee. Wenn jetzt in ihrer neuen Gemeinde im Essener Weigle-Haus Sonntagmorgens der Strom ausfallen würde, wäre das wohl schwieriger: kein Mikrofon, keine Liedtexte per Videobeamer, kein Keyboard.

Drei Jahre Auslandspfarrerin gewesen

„Allgemein sind die Ansprüche hier anders, es muss immer alles klappen“, beschreibt Eva Gabra ihre neue Sicht auf die alte Heimat, die sie stellenweise als eine Art Kulturschock erlebt: „Man vermisst immer, was man gerade nicht hat. Dabei bin ich eigentlich selbst Perfektionistin.“

Drei Jahre hat Eva Gabra als Auslandspfarrerin der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) eine Gemeinde in der Touristenhochburg Hurghada betreut, zu der vor allem deutsche Urlauber, Abenteurer, Geschäftsleute oder Rentner und Frauen gehören, die mit Ägyptern verheiratet sind – interkulturelle Ehen wie ihre eigene. Die 32-jährige Theologin aus Remscheid ist seit 2009 mit David Gabra verheiratet, Pfarrer der Evangelischen Kirche von Ägypten, der eine einheimische Gemeinde in Hurghada aufgebaut hat.

In Kairo kennengelernt

Beide haben sich beim Studium in Kairo kennengelernt und sind jetzt gemeinsam mit dem zweijährigen Sohn und der familienfreundlichen Golden Retriever-Hündin vom Roten Meer ins Ruhrgebiet übersiedelt, wo sie eine sonnige Dachgeschosswohnung im Essener Süden bezogen haben. Der Grund für den Umzug war nicht, dass das Leben in Hurghada zu gefährlich oder beschwerlich gewesen wäre, auch wenn der Tourismus stark eingebrochen ist.

Vielmehr wird Eva Gabra ihre Ausbildung in der rheinischen Kirche hier abschließen. So arbeitet sie jetzt als „Pfarrerin zur Anstellung“ noch ein Jahr im Weigle-Haus: „Eine tolle Arbeit! Ich mag keinen Dienst nach Vorschrift und liebe neue Herausforderungen.“

Lage in Äypten weiter konfliktreich

Die anhaltenden Konflikte in Ägypten jedoch sind für das deutsch-ägyptische Theologenpaar auch in Essen präsent. Denn David Gabra stammt aus einer Familie in der Provinzhauptstadt Al Minya in Mittel-Ägypten, die besonders unter der Gewalt fanatischer Muslime gegen die christliche Minderheit leidet.

„Unsere Stadt war ein Hotspot bei den Angriffen am 16. August 2013, als viele Kirchen im ganzen Land angezündet wurden. Meine Familie musste hinaus auf die Felder fliehen, um das nackte Leben zu retten“, erzählt der 34-jährige Theologe. Zeitungen berichteten damals von einem Blutbad, dem mehr als 600 Menschen zum Opfer fielen.

Gewalt geht weiter

Und die Gewalt geht weiter. Erst vor kurzem ist ein zwölfjähriges Mädchen in Kairo bei einer Hochzeit getötet worden, als eine Schießerei ausbrach. „Anfangs haben wir große Hoffnungen in die Revolution gesetzt“, erzählt David Gabra. Seine Kirche hat sich für die Demokratisierung eingesetzt und war auch auf dem Tahrir-Platz präsent: „Aber es waren unrealistische Hoffnungen, die Revolution ist zum Albtraum geworden.“

In den kommenden Tagen wird in der Familie Gabra auch die Erinnerung an das letzte Osterfest in Hurghada lebendig sein, das Osterfeuer und das Warten auf das Licht des Morgens und der Auferstehung. „Ich habe von den Menschen in der deutschen und der ägyptischen Gemeinde sehr viel darüber gelernt, was es heißt, auch in tiefster Dunkelheit an der Hoffnung festzuhalten, dass es besser wird“, sagt Eva Gabra.

Jobs verloren, aber nicht Gott

Viele Menschen hätten neue Projekte, neue Gerichte in den Restaurants oder andere Ideen entwickelt, um Urlauber anzulocken und ihre bedrohte Existenz zu sichern. David Gabra über die 250 Mitglieder seiner Gemeinde: „Viele haben ihre Jobs verloren oder mussten ihre Geschäfte schließen und wissen nicht, wie sie ihre Kinder ernähren sollen.“

Zugleich hat er miterlebt: "Aber wir sind in dieser Zeit zusammengewachsen, wir haben uns gegenseitig geholfen und daran geglaubt, dass Gott uns nicht fallen lässt – und so war es auch.“

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Dienstag, 15. April 2014. Die letzte Aktualierung erfolgte am Donnerstag, 17. April 2014. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

ekir.de / Bettina von Clausewitz, Foto: Sarah Vecera / 19.04.2014



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