EKiR von A-Z
EKiR von A-Z Themen, Arbeitsfelder, kirchliche Einrichtungen von A-Z mehr

Idyllischer Garten: das Gelände von Familienbildungsstätte, Jugendpfarramt und Melanchthon-Akademie in der Kölner Südstadt. Idyllischer Garten: das Gelände von Familienbildungsstätte, Jugendpfarramt und Melanchthon-Akademie in der Kölner Südstadt.

Gartentrend: Steine verdrängen Pflanzen

Stauden statt Steine, Gräser statt Kies

Überall grünt und blüht es in diesen Tagen. In mehr als 20 Millionen Gärten in Deutschland wird gepflanzt, gegossen und gejätet. Gärtnern ist beliebt - und doch werden immer mehr Vorgärten schlicht mit Steinen gefüllt. Kritiker sprechen von "Steinwüste" und "Verschotterung der Landschaft". 

"Wir finden diese Spezies mittlerweile überall zwischen Flensburg und München", sagt Karla Krieger, die als Denkmalpflegerin arbeitet und Mitglied der Gesellschaft zur Förderung der Gartenkultur ist. Das Wort "Garten" will sie für die sogenannten Kiesgärten nicht in den Mund nehmen, sondern spricht von "gestalterischen Unorten", die ökologisch wertlos seien.

Reiner Hauck von der Garten- und Landschaftsbaufirma Hauck in der Westpfalz schätzt, dass der Trend zum vermeintlich pflegeleichten Steingarten vor rund sieben Jahren angefangen habe. Er hängt nach seiner Einschätzung damit zusammen, dass mit der Zeit Splitte in unterschiedlichen Farben angeboten wurden.

Als Garten- und Landschaftsbauer habe er viele Kunden unterschiedlichen Alters, aus der Stadt und vom Land, die bei ihm nach einer Gestaltung ihres Vorgartens mit Kies und Schotter fragen. "Das Thema ist so verbreitet", sagt Hauck, "dass die Leute das wünschen." Aber er versuche, mit Ziergehölzen wie Buchs, Azalee oder Hortensie im Stil japanischer Gärten "etwas Farbe in die Steine" zu bringen. Denn als Gärtner wolle auch er verhindern, dass es "zu einer bloßen Gesteinslandschaft" komme.

Weder botanisch noch ästhetisch wertvoll

Wie viele der rund 17.000 Firmen des in Bad Honnef ansässigen Verbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau solche Steingärten anbieten, vermag der zuständige Sprecher Wolfgang Groß nicht zu sagen. Allerdings werde das Thema vermehrt in Fachzeitschriften behandelt und der Beratungsbedarf habe sich erhöht.

Groß betont, dass die neuerdings modischen Steingärten meist nicht den botanisch und ästhetisch wertvollen Kiesgärten entsprächen, die entweder vom alpinen Raum oder von japanischen Zen-Gärten inspiriert seien. "Vielfach sehen wir keine Gärten", sagt Groß, "sondern eher ausgekippte Steinbeutel."

"Furchtbare Verschotterung"

Auch Gabriele Schabbel-Mader, Präsidentin der Gesellschaft zur Förderung der Gartenkultur, findet die "Verschotterung wirklich furchtbar". Die Landschaftsplanerin aus Bargteheide bei Hamburg weist darauf hin, dass es ein Trugschluss sei, dass diese Flächen pflegeleicht seien.

"Laub zu harken ist schwierig", sagt Schabbel-Mader und erklärt, dass der bei den Deutschen so beliebte Laubpuster auch nicht eingesetzt werden könnte, weil dann die Kiesel und Steine durch die Gegend fliegen. Und wenn sich das Laub zwischen den Steinen erst zu Humus zersetzt habe, sei es noch mühsamer, das dort keimende Unkraut zu entfernen.

Gegenbewegung mit Samentüten

Wenn dieser Bewuchs zwischen den Steinen zu groß geworden sei, dann, so die Hoffnung von Werner Ollig von der Deutschen Gartenbau-Gesellschaft von 1822, "werden diese Geröllhalden hoffentlich wieder abgebaut". Nicht nur sein Verband versucht, mehr Pflanzenvielfalt in den Gärten zu erreichen.

So gibt beispielsweise die Aktionsgemeinschaft "Blühende Landschaft Lippe" 2.500 Samentüten für je zehn Quadratmeter aus, mit 14 unterschiedlichen Blühpflanzen. Damit will sie eine "wirksame Gegenbewegung gegen eine ausgeräumte und sterile Stadt- und Dorflandschaft" anstoßen.

Ökologisch sinnvolle und schöne Alternativen

In München wacht seit 1996 die Freiflächengestaltungssatzung darüber, dass die "angemessene Durchgrünung und Gestaltung der Baugrundstücke" sichergestellt wird. Und in Bochum lässt die SPD-Ratsfraktion prüfen, inwieweit es einer Satzung bedarf, um Wohnungsbesitzer daran zu hindern, in der Bochumer Innenstadt immer mehr Vorgärten in Parkplätze oder Schotterwüsten umzuwandeln.

Es gebe zahlreiche Alternativen, die pflegeleicht und zugleich ansprechend seien, betonen Gartenexperten: "Mein Vorschlag wäre eine standortgerechte, dichte, immergrüne bodendeckende Bepflanzung", sagt Schabbel-Mader von der Gesellschaft zur Förderung der Gartenkultur. Und Werner Ollig von der Deutschen Gartenbau-Gesellschaft plädiert für das Anpflanzen von Stauden, Farnen und Gräsern. "Die sind einfach und machen wenig Arbeit", erklärt Ollig und ergänzt: "Vor allem sind sie ökologisch sinnvoll - und schön."

Facebook, Twitter und Google+ einschalten
Seite drucken Seite versenden

 

epd / Darijana Hahn, Foto ekir.de / 21.04.2016



© 2017, Evangelische Kirche im Rheinland - EKiR.de
Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung nur mit Genehmigung.