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Gedenken 8. Mai Mitwirkende beim Gottesdienst zum Weltkriegsgedenken (vl.): Christuskirchenpfarrerin Bettina Klünemann, Kirchenpräsident Volker Jung, Kardinal Karl Lehmann, Kirchenpräsident Christian Schad, Vizepräses Christoph Pistorius.

Rheinland-Pfalz

Gedenken an die Opfer des Krieges und der Gewaltherrschaft

Vor 70 Jahren endete der Zweite Weltkrieg. Das Land Rheinland-Pfalz gedachte mit den Kirchen des Bundeslandes in der Mainzer Christuskirche der Opfer, dankte für die Befreiung und betete für den Frieden.

Die zentrale Gedenkveranstaltung des Landes Rheinland-Pfalz zum Ende des Zweiten Weltkrieges vor 70 Jahren ist am 8. Mai in Mainz von Kirchenvertretern mit einem Gottesdienst eröffnet worden. In der Feier in der evangelischen Christuskirche gedachten der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Dr. Volker Jung (Darmstadt), der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche der Pfalz, Christian Schad (Speyer), sowie der Vizepräses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Christoph Pistorius (Düsseldorf), der Opfer. Sie erinnerten aber auch an die Befreiung am 8. Mai vor 70 Jahren und beteten für den Frieden in der Welt. Nach Worten von Kirchenpräsident Volker Jung ließen einen bis heute die Gräuel ratlos zurück. „Das Erschrecken bleibt und die Erkenntnis: Der Mensch ist fähig zu abgrundtief Bösem“, so Jung. Daraus erwachse aber auch die Verpflichtung, „dem Bösen zu widerstehen“. Dazu gehörten heute beispielsweise Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, sagte Jung.

In Tränen liegt der Weg zur Versöhnung

Kirchenpräsident Christian Schad und Vizepräses Christoph Pistorius brachten in einer Textcollage mit Zeilen aus dem biblischen Buch der Klagelieder auch die Hoffnung auf die Überwindung von unbegreiflichem Leid zum Ausdruck. So fordere nach Schad die Bibel dazu auf, das Schwere im Leben vor Gott zu bringen. „Lass deine Tränen fließen wie einen Fluss bei Tag und in der Nacht“ und „schütte dein Herz aus wie Wasser vor dem Angesicht Gottes“, heiße es in den Klageliedern, so Schad. Dies kann nach Worten von Pistorius dazu beitragen, Wunden vernarben zu lassen. Pistorius: „In Tränen liegt der Weg zur Versöhnung. Und im Erinnern.“

Das Böse mit Gutem besiegen

Bei der Feier hielt der Bischof des Bistums Mainz, Karl Kardinal Lehmann, die Predigt. Auch er ging darin den Spuren des Bösen in der Welt nach und legte seinen Gedanken einen Vers aus dem neutestamentlichen Römerbrief des Apostels Paulus zugrunde: „Vergeltet niemand Böses mit Bösem! Seid allen Menschen gegenüber auf Gutes bedacht! Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern besiege das Böse durch das Gute!“

Katastrophe von Menschenhand

Bei der anschließenden Gedenkstunde bezeichnete die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer es als herausragende staatliche und gesellschaftliche Aufgabe, Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft zu gedenken. Bei der zentralen Gedenkveranstaltung des Landes zum Ende des Zweiten Weltkrieges vor 70 Jahren sagte die Ministerpräsidentin: „Deutschland steuerte in den Krieg und hat die halbe Welt in diese Katastrophe von Menschenhand gerissen. 60 Millionen getötete Menschen, die Shoa als schlimmste Form der Unmenschlichkeit, unser Land am moralischen Tiefpunkt, ein Kontinent in Schutt und Trümmern, dies war die Bilanz von knapp sechs Kriegsjahren. Das Gedenken daran darf niemals aufhören. Denn wer die Erinnerung verliert, der verliert auch das Ziel aus den Augen, dass sich so etwas nie wiederholen darf.“

Befreiung vom Joch der Diktatur

„Der 8. Mai 1945 war eine Befreiung vom Joch der Diktatur, vom Elend des Krieges und vom Geist des übersteigerten Nationalismus. Dazu kam das Glück, dass die Alliierten die richtigen Konsequenzen gezogen und Deutschland als Teil einer Völker- und Wertegemeinschaft neu verortet haben“, so die Ministerpräsidentin. Die gelungene Demokratisierung und Westbindung Deutschlands und das Zusammenwachsen Europas seien Voraussetzungen dafür gewesen, dass das Land seinen Weg erfolgreich gehen konnte. „Gerade deshalb wissen wir heute um den Wert offener Grenzen und das Zusammenwachsen Europas. Nach der Katastrophe des Krieges war und ist das die Erfolgsgeschichte unseres Kontinents“, sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer

Ordnung der Zivilisation ist zerbrechlich

„Im Gedenken an den 8. Mai 1945 werden wir uns bewusst, wie zerbrechlich die Ordnung unserer Zivilisation ist. Deutschland konnte sich nicht von alleine aus den Fesseln der Diktatur befreien. Es bedurfte des massiven Eingreifens der Alliierten. Solidarität mit den Schwachen, Frieden, Demokratie - es ist eine Illusion zu glauben, dieser Zivilisationsprozess sei unumkehrbar. Die Lehren, die wir aus dem Zweiten Weltkrieg gezogen haben - Demokratie, Solidarität mit den Schwachen, Frieden, Vertrauen und Zusammenhalt – welche Richtung geben sie uns vor in Hinblick auf die europäische Flüchtlingspolitik? Das Gedenken an den Zweiten Weltkrieg schärft uns das Bewusstsein für Gefährdungen, Gefährdungen, denen das menschliche Miteinander fortwährend ausgesetzt ist, auch heute und morgen“, so Landtagspräsident Joachim Mertes.

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ekir.de / EKHN / Foto: EKHN/Nicole Weisheit-Zens / 11.05.2015



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