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Minsk Eine Gruppe mit dem ehemaligen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck bei der Gedenkreise für die Opfer des Nationalsozialismus in Weißrussland.

Gedenkreise

Erinnerung an nationalsozialistische Verfolgung

Zum Gedenken unter dem Motto "Nie wieder Krieg" ist eine Gruppe mit rheinischer Beteiligung ins weißrussische Trostenez gereist. Dort befand sich im Zweiten Weltkrieg ein Vernichtungslager der Nationalsozialisten.

Die fünftägige Gedenkreise vom 1. bis 5. Mai wurde vom Internationalen Bildungs- und Begegnungswerk (IBB) Dortmund organisiert. Die Reisegruppe trifft rund 30 Zeitzeugen aus Weißrussland sowie hochrangige Vertreter der jüdischen Gemeinden und der orthodoxen und katholischen Kirchen des Landes. Die Evangelische Kirche im Rheinland wird von Kirchenrat Dr. Stefan Drubel und Ulrike Zuda-Tietjen, Jugendreferentin im Kirchenkreis Saar-Ost, vertreten.

Von der Begegnung mit Irina Bochnerowa berichtet Kirchenrat Drubel: „Frau Bochnerowa hat mir erzählt, dass sie im Lager Trostenez geboren wurde. Als sie ungefähr zwei Wochen alt war, schmuggelte ein Häftling sie aus dem Lager." Der Häftling sei täglich zum Arbeitseinsatz nach Minsk gebracht worden. Dort habe er die kleine Irina einer Bekannten übergeben, die sie dann aufnahm und großzog. „Von ihren Eltern hat sie nie wieder etwas gehört. Man muss aber davon ausgehen, dass sie umgebracht wurden, wie fast alle Häftlinge dort“, so Drubel.

Der Häftling, der sie aus dem Lager gebracht hat, hatte Irinas neuer Mutter noch zweimal geschrieben, dann brach der Kontakt ab. "Er war ein deutscher Antifaschist und deshalb im Lager", erzählte Irina Bochnerowa. Sie meint, er habe später in Duisburg gelebt, ist sich aber nicht sicher. "Ihm verdanke ich mein Leben."

Ausstellung über den Vernichtungsort Trostenez

Die rund 100 Teilnehmenden der Gedenkreise stammen unter anderem aus Nordrhein-Westfalen, Hessen, Hamburg, Bremen und Brandenburg. Aus diesen Bundesländern waren in den 1940er Jahren jüdische Mitbürger nach Minsk deportiert und in Trostenez ermordet worden. Auch Angehörige von Opfern aus Tschechien, Israel und der Schweiz gehören zu der Gruppe.

Auf dem Programm steht die Besichtigung von Gedenkstätten zur Erinnerung an die Spuren der Judenverfolgung. Das IBB organisiert derzeit eine multimediale Ausstellung über den Vernichtungsort Trostenez. Dafür hat das Bildungswerk bis Anfang des Jahres mehr als eine Million Euro als deutschen Anteil zu den Baukosten gesammelt. Trostenez war der größte Vernichtungsort in Belarus während der deutschen Besatzungszeit. Zwischen 1941 und 1944 wurden dort – je nach Schätzungen – zwischen 50.000 und über 200.000 Menschen umgebracht.

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ekir.de / epd, rtm / 04.05.2015



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