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Diskutierten über ihre Erfahrungen mit ökumenischen Gemeindepartnerschaften: evangelische und katholische Gemeinde-Vertreterinnen und -Vertreter. Diskutierten über ihre Erfahrungen mit ökumenischen Gemeindepartnerschaften: evangelische und katholische Gemeinde-Vertreterinnen und -Vertreter.

Ökumenische Gemeindepartnerschaften

Neue Initiative für das Miteinander der Konfessionen

Mehr als fünfzig Vertreter innen und Vertreter aus katholischen, evangelischen und freikirchlichen Gemeinden diskutierten am Samstag in Düsseldorf über ihre Erfahrungen mit ökumenischen Gemeindepartnerschaften. 

Volker Meißner, Ökumene-Referent im Bistum Essen, und Oberkirchenrätin Barbara Rudolph. Volker Meißner, Ökumene-Referent im Bistum Essen, und Oberkirchenrätin Barbara Rudolph.

Auf Einladung der fünf katholischen Bistümer und der drei evangelischen Landeskirchen in NRW waren sie im FFFZ, dem Tagungshaus der Evangelischen Kirche im Rheinland, zusammengekommen, um über neue Impulse für das Miteinander der Konfessionen nachzudenken. Der Titel: „Ökumenische Gemeindepartnerschaften 2.0“. Anlass, so die rheinische Oberkirchenrätin Barbara Rudolph, waren die Vorbereitungen auf das Reformationsjubiläum im Jahr 2017, das in NRW und der ganzen Evangelischen Kirche im Rheinland deutlich ökumenische Akzente erhalten soll. 

Volker Meißner, der Ökumene-Referent des Bistums Essen: „Mit dem Projekt ‚Ökumenische Gemeindepartnerschaften 2.0‘ möchten wir dazu beitragen, dass der 500. Jahrestag der Reformation zu einem Ausgangspunkt für eine neue Ökumene der Sendung wird.“

Dr. Hans-Georg Link, ehemaliger Ökumene-Pfarrer in Köln. Dr. Hans-Georg Link, ehemaliger Ökumene-Pfarrer in Köln.

Erste Gemeindepartnerschaft 1999

An die erste Gemeindepartnerschaft in NRW erinnerte der langjährige evangelische Ökumenepfarrer in Köln, Dr. Hans-Georg Link. Er selbst hatte das Modell Ende der 1980er Jahre in England kennen gelernt und 1999 mit den Gemeinden in Köln-Neubrück umgesetzt. „Mit einer Partnerschaftsvereinbarung erhält die Zusammenarbeit eine neue Qualität“, so Link. Oft gerate die Zusammenarbeit in eine Krise, wenn Personen wechseln oder Pfarr- und Gemeindegrenzen neu gezogen werden. Gerade dann könne eine schriftliche Vereinbarung zur Stabilität in der Ökumene vor Ort beitragen. 

Prof. em. Dr. Karl Gabriel von der Universität Münster Prof. em. Dr. Karl Gabriel von der Universität Münster

Ökumene hat Christentum von innen heraus revolutioniert

Der Münsteraner Religionssoziologe Prof. em. Dr. Karl Gabriel kam in seiner Analyse zu dem Ergebnis, dass die Ökumene in den vergangenen fünfzig Jahren das Christentum von innen heraus revolutioniert habe. Darüber hinaus sei die Ökumene auch zentral für die Entwicklung einer neuen christlichen Identität in einer Zeit gesellschaftlicher und kirchlicher Umbrüche. Den Kirchenleitungen empfahl Gabriel daher, das Modell der Gemeindepartnerschaften noch mehr als in der Vergangenheit zu unterstützen. 

Dr. Sandra Bils Dr. Sandra Bils

Dass Christinnen und Christen gerade bei der Suche nach neuen Ausdruckformen des christlichen Glaubens konfessionsübergreifend zusammenarbeiten, machte Pastorin Dr. min. Sandra Bils mit Beispielen aus der Bewegung Kirche2 deutlich. So finden sich in der Gemeinschaft „Exodus“ in Hannover vorwiegend junge katholische und evangelische Christinnen und Christen, die sich in den traditionellen Gemeinden nicht beheimatet fühlen, an wechselnden Orten zu modernen Gottesdiensten zusammen und versuchen, Glauben und Leben intensiver miteinander zu verbinden. 

Verschriftlichung kann für Stabilität sorgen. Verschriftlichung kann für Stabilität sorgen.

Ökumenische Gemeindepartnerschaften sind ein Zukunftsmodell

Am Ende des Tages nahmen die ehrenamtlichen und hauptberuflichen Vertreter innen und Vertreter der Gemeinden aus den Gesprächsrunden und den Vorträgen nicht nur viele Ideen und Anregungen mit nach Hause, sondern auch eine große Bestätigung für ihr Engagement, formulieren Volker Meißner und Barbara Rudolph gemeinsam. Rudolph, Leiterin der Abteilung Ökumene im Düsseldorfer Landeskirchenamt, sagt, auch im Namen der Verantwortlichen in Bistümern und Landeskirchen: "Ökumenische Gemeindepartnerschaften sind kein Auslauf-, sondern ein Zukunftsmodell."

Ökumenische Gemeindepartnerschaften sind schriftlich fixierte Vereinbarungen, in denen in der Regel evangelische und katholische Nachbargemeinden eine verbindliche Zusammenarbeit vereinbaren. Sie legen fest, welche Gottesdienste und Veranstaltungen gemeinsam durchgeführt werden und formulieren Ziele für die Zusammenarbeit über die Konfessionsgrenzen hinweg. Je nach örtlichen Gegebenheiten können auch freikirchliche oder orthodoxe Gemeinden in die Partnerschaft eingebunden werden. Auch die gemeinsame Nutzung von kirchlichen Gebäuden kann Inhalt von Partnerschaftsvereinbarungen sein.

Neue Initiative für 2017 in Planung

Im Zentrum der jetzigen Tagung standen die NRW-Gemeindepartnerschaften, wegen der Kooperation mit den beiden anderen Landeskirchen ging es diesmal um die nördliche Region. Gut zu wissen: Im Süden der Evangelischen Kirche im Rheinland, die ja über NRW hinaus Gemeinden im Saarland, in Rheinland-Pfalz und in Teilen von Hessen hat, gibt es mehr als zwanzig Gemeindepartnerschaften.

2005 haben die Bistümer Paderborn und Münster mit der Evangelischen Kirche von Westfalen und der Lippischen Landeskirche Rahmenleitlinien für ökumenische Gemeindepartnerschaften veröffentlicht. Es folgte eine Rahmenvereinbarung in der ACK Südwest. Für das Jahr 2017 planen alle nordrhein-westfälischen Bistümer und Landeskirchen eine neue Initiative zur Förderung der Gemeindepartnerschaften. Schon in der kommenden Woche trifft sich Oberkirchenrätin Barbara Rudolph mit den Ökumenereferenten der Bistümer um weiterzuplanen.

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ekir.de / vis, Fotos: Sergej Lepke / 07.03.2016



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