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Der rheinische Vizepräsident und Mitglied des Exekutivausschusses der Generalversammlung Dr. Johann Weusmann trifft Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier beim Willkommensgottesdienst in der Leipziger Nikolaikirche.  Der rheinische Vizepräsident und Mitglied des Exekutivausschusses der Generalversammlung Dr. Johann Weusmann trifft Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier beim Willkommensgottesdienst in der Leipziger Nikolaikirche.

Weltbund Reformierter Kirchen

Erneuern und verwandeln

Die Generalversammlung der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen tagt zurzeit in Leipzig. Beschlossen wurden unter anderem ein  Appell an den G-20-Gipfel zum Klimaabkommen und der Aufruf zur Zulassung der Frauenordination. Am Mittwoch steht der Beitritt zur „Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre“ auf dem Programm.

Die G20, die Gruppe der zwanzig wirtschaftlich stärksten Länder, die am Freitag und Samstag in Hamburg tagen werden, sollen das Pariser Klimaabkommen unterstützen, fordert die Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen in einem Beschluss bei ihrer noch bis Freitag dauernden Generalversammlung in Leipzig.

Das Pariser Abkommen ist maßgeblich für das Leben aller Menschen wie auch für Gottes Schöpfung, erläuterte ein US-Delegierter der Generalversammlung den Grund des Appells. Die Generalversammlung bezieht damit auch Stellung gegen den Ausstieg aus dem Pariser Abkommen seitens der USA durch ihren Präsidenten Donald Trump.

In großem Konsens hat die Generalversammlung ihre Mitgliedskirchen dazu aufgerufen, die Frauenordination zuzulassen - 37 von 225 Mitgliedskirchen haben das bisher nicht getan. Und auch jetzt gab es aus der Mitte der Generalversammlung, die in Leipzig tagt, einige blaue Karten.

Die Versammlung entscheidet durch "discernment"

Die Generalversammlung tagt an runden Tischen. Bild-LupeDie Generalversammlung tagt an runden Tischen.

Blaue Karten?! Die Generalversammlung entscheidet nicht auf dem Weg von Abstimmungen, sondern in einem besonderen Entscheidungsverfahren, englisch „discernment“. Es umfasst Anhörungssitzungen im Plenum, Diskussionsphasen in Gruppen von 24 Delegierten sowie eine Entscheidungsphase wiederum im Plenum, bei der ein Konsens durch zwei alternative Karten ausgelotet wird. Orange Karten stehen für Wärme und Zustimmung, blaue für Kühle und damit Abstand zum Beschlussvorschlag.

„Lebendiger Gott, erneuere und verwandle uns“ lautet das biblische Wort, unter das sich die Versammlung gestellt hat. Am Mittwoch wird die Generalversammlung, an der aus der Evangelischen Kirche im Rheinland als Mitglieder des Exekutivausschusses Vizepräsident Dr. Johann Weusmann, der Schatzmeister der Weltgemeinschaft, und Pfarrer i.R. Peter Bukowski (Wuppertal) teilnehmen, von Leipzig nach Wittenberg reisen.

Beitritt zur „Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre“

Das Ziel: neue ökumenische Schritte anlässlich des 500. Reformationsjubiläums. In einem Ökumenischen Gottesdienst in der Stadtkirche werden zwei Erklärungen unterzeichnet: der Beitritt zur „Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre“ sowie das „Wittenberg Zeugnis“. Das heißt, die Reformierten schließen sich der Erklärung an, die 1999 römisch-katholische Kirche und Lutherischer Weltbund verfasst hatten, und der 2006 auch die Methodisten beitraten.

Die Generalversammlung, an der insgesamt rund tausend Menschen aus hundert Länder teilnehmen, war bereits am Sonntag außerhalb Leipzigs: Im Berliner Dom feierte sie einen von ZDF ausgestrahlten Gottesdienst, geleitet unter anderem von der EKD-Auslandsbischöfin Petra Bosse-Huber. Der Präsident der Weltgemeinschaft, der südafrikanische Theologe Jerry Pillay, beklagte die ungelösten Konflikte weltweit und die vielen Opfer wirtschaftlicher und politischer Unrechtssysteme. Deshalb „wenden wir uns an Gott“.

Nach dem Gottesdienst wurden die Teilnehmenden aus Afrika, Asien, Amerika, Australien und Europa im Weltsaal des Auswärtigen Amts empfangen, das zu den Institutionen gehört, die das Zustandekommen der Generalversammlung durch Zuschüsse ermöglicht hat.

Bundespräsident nimmt am Willkommensgottesdienst teil

Im Willkommensgottesdienst in der Leipziger Nikolaikirche war prominentester Teilnehmer Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. „Freiheit ist die schönste Frucht reformierten Glaubens“, erklärte der Bundespräsident in seiner Ansprache nach dem Gottesdienst, in dem an die Bedeutung der Friedensgebete in der Nikolaikirche erinnert wurde. „Freiheit, Freiheit, Freiheit…“ – Originaltonmitschnitte aus dem Herbst 1989 erklangen, bereitgestellt von der Gedenkstätte Museum „Runde Ecke“. Eingespielt wurde auch der Popsong „Wind of Change“: Tänzerinnen und Tänzer gaben den Tönen und Worten zusätzlichen starken Ausdruck.

Leipzig steht für die gewaltlose Revolution, erklärte der Wuppertaler Pfarrer Martin Engels in seinem Amt als Moderator (Vorsitzender) des Reformierten Bundes in Deutschland. Der Generalsekretär des Ökumenischen Rats der Kirchen (ÖRK), Pastor Dr. Olav Fykse Tveit, sagte, Weltgemeinschaft und ÖRK gingen Seite an Seite auf dem Pilgerweg für Gerechtigkeit und Frieden. 

Humorvoll rückte der Geschäftsführende Präsident der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE), Dr. Gottfried Locher, andere Reformatoren ins Licht, indem er aufrief, den Luther-Teebeuteln und Luther-Shirts, die im Jubiläumsjahr in Wittenberg Absatz finden, Calvin-Bier und John-Knox-Burger hinzuzufügen.

Die Plenarsitzungen können hier im Livestream verfolgt werden. (4., 6. und 7. Juli ab 8.30 Uhr, Pausen werden angegeben). Geplant ist, auch am 5. Juli aus Wittenberg live zu streamen, der Ökumenische Gottesdienst beginnt um 10 Uhr.

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ekir.de / neu, Fotos: Anna Siggelkow / 04.07.2017



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