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Nachhaltigkeit Schokolade ist fair, wenn sie unter gerechten Bedingungen produziert wurde. Darüber informieren Jugendliche in Schermbeck am Niederrhein. Auch dafür erhielten sie die Auszeichnung „Faires Jugendhaus“.

Gerechtigkeit

Mit Schokolade und Banane auf die Straße

Jugendliche sammeln abgelegte Handys, sie tauschen Kleidung und informieren kreativ über den fairen Handel. Dafür gibt es jetzt das Label „Faires Jugendhaus“ der Evangelischen Jugend im Rheinland. Die ersten Zertifikate gingen an den Niederrhein.

Mit Plüschohr und gelbem Kostüm werben Jugendliche in Wesel für fairen Handel. Ein Grund für die Auszeichnung. Mit Plüschohr und gelbem Kostüm werben Jugendliche in Wesel für fairen Handel. Ein Grund für die Auszeichnung.

„Es ist egal, was du anziehst, deine Persönlichkeit ist wichtiger“ – ein oft gebrauchter Erwachsenenspruch, wenn es darum geht, den Kleidungskonsum bei Jugendlichen einzudämmen. „Wenn wir bei Freizeiten in schwedischen Wäldern unterwegs sind, greift diese Maxime sogar“, sagt Dieter Skusa, Leiter des Jugendhauses Katakomben der Evangelischen Kirchengemeinde Wesel. Nicht jedoch bei einer Jugendreise nach Berlin: „Bevor es ins Olympiastadion geht, brezeln sich alle hübsch auf.“ Und das sei auch vollkommen in Ordnung – so lange für die Bekleidung kein Mensch unterbezahlt und unter Gefahren für seine Gesundheit gearbeitet habe.

Alternativen zu solch einer ungerechten Textilproduktion hat Pädagoge Skusa den Jugendlichen dann übrigens in Berlin gezeigt: „In den Secondhand-Läden der Hilfsorganisation Oxfam entdeckten sie zu ihrer Begeisterung schicke Abendkleider für drei Euro.“

Nachhaltigkeit, gerechter Handel und faire Produktion: Im Weseler Jugendhaus Katakomben stehen diese Themen auf der Tagesordnung. Hier sammeln Jugendliche abgelegte Handys fürs Recycling und informieren über deren Rohstoffe, hier gibt es unter anderem Klamotten-Tauschbörsen und fair gehandelte Schokolade. Für dieses Engagement gab es jetzt das Label „Faires Jugendhaus“ der Evangelischen Jugend im Rheinland (EJiR). Mit ihm werden ab sofort die Jugendeinrichtungen auszeichnet, die jungen Menschen eine gerechte Wirtschaftspolitik nahebringen, in denen Jugendliche den fairen Handel unterstützen und mit kreativen Aktionen auf ihn aufmerksam machen.

Faire Schokolade und heimischer Mangold

Zwei Mal ist das Siegel bereits vergeben worden: Bei der Delegiertenkonferenz der EJiR in Altenkirchen erhielt es neben dem Jugendhaus Katakomben im niederrheinischen Wesel auch die evangelische Jugendeinrichtung YOU im 20 Kilometer entfernten Schermbeck. Im YOU gibt es unter anderem ein regelmäßiges Repair-Café und Mahlzeiten mit regionalen Produkten.

„Wenn eine Banane und ein Hase gemeinsam die Bühne betreten, dann erregt das Aufsehen“, erzählt Lena Amerkamp von der Preisverleihung in Altenkirchen. Die 17-Jährige aus Wesel gehört zur Eine-Welt-Jugendgruppe im Jugendhaus Katakomben und nahm mit zwei Mitstreiterinnen samt Weltkugel, Plüschohren und gelbem Kostüm das Zertifikat entgegen. In dieser Verkleidung sorgen die 12- bis 17-Jährigen der Eine-Welt-Jugendgruppe auch in Wesel regelmäßig für Aufmerksamkeit: Dann verteilen sie Bananen und Osterhasen aus fairem Handel und informieren über deren Anbau, Ernte und Verkauf.

Auf solch einer Informationstour sind auch die Jugendlichen des YOU in Schermbeck regelmäßig unterwegs. Dafür haben sie ihr „FairtradeFiets“ – ein Fahrrad, an den ein Verkaufsstand für faire Süßigkeiten angebaut worden ist. Die Resonanz darauf sei im Ort jedes Mal sehr groß, sagt YOU-Leiter und Sozialarbeiter Patrick Bönki. Großen Zuspruch fänden ebenso die Mahlzeiten im YOU mit den Produkten aus Schermbecker Hobbygärten: „Meist mögen Jugendliche keinen Mangold, doch als Römischer Spinat im Blätterteigmantel selbst zubereitet wird das Gemüse zum Renner.“

Keine Coca-Cola, das gilt auch für Erwachsene

„Du kannst etwas verändern und bist nicht ohnmächtig angesichts der Ungerechtigkeit in der Welt“ – das erlebten Jugendliche, wenn sie sich für fairen Handel einsetzten, sagt der Weseler Jugendleiter Dieter Skusa. „Wo andere Sportpokale sammeln, hängen bei uns im Jugendzentrum die Zertifikate fürs soziale Engagement.“ Der Einsatz der jungen Menschen sei erfolgreich und werde gewürdigt: „Bürgermeisterin Ulrike Westkamp kennt mittlerweile alle Mitglieder unserer Eine-Welt-Jugendgruppe persönlich.“ Immerhin waren die jungen Menschen maßgeblich daran beteiligt, das Wesel eine zertifizierte Fairtrade-Town mit einer Realschule als ebenso ausgezeichneter Fairtrade-School ist.

Und statt abgegriffener Erwachsenensprüche ist beim Einsatz für den fairen Handel eher die Vorbildfunktion angesagt: Weil die Coca-Cola-Company ihre Gewinne mit Umweltzerstörung und Menschenrechtsverletzungen erwirtschafte, gebe es das Getränk im Jugendtreff nicht, erklärt Skusa. „Und selbstredend dann natürlich auch nicht bei Gemeindefesten oder der Weihnachtsfeier des Presbyteriums.“

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ekir.de / Text: Sabine Eisenhauer / Fotos: YOU-Schermbeck, Ev. Kgde Wesel / Michaela Leyendecker / 21.03.2017



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