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Platz in der Mitte: Die Landessynode der rheinischen Kirche ist zu rund einem Drittel mit Frauen besetzt. Platz in der Mitte: Die Landessynode der rheinischen Kirche ist zu rund einem Drittel mit Frauen besetzt.

EKD-Gleichstellungsatlas

"Bei der Gleichstellung bleibt noch vieles zu tun"

Am Sonntag ist Internationaler Frauentag - zu diesem Tag veröffentlicht die EKD den "Gleichstellungsatlas". Wie es um die Gleichstellung von Frauen und Männern in der Evangelischen Kirche im Rheinland bestellt ist, erläutert die Soziologin Beate Ludwig im Interview.

Beate Ludwig arbeitet als Soziologische Referentin in der Gender- und Gleichstellungsstelle der Evangelischen Kirche im Rheinland. Beate Ludwig arbeitet als Soziologische Referentin in der Gender- und Gleichstellungsstelle der Evangelischen Kirche im Rheinland.

Das Titelbild des ersten evangelischen Gleichstellungsatlasses zeigt eine Landkarte der Gleichstellung. Die rheinische Kirche erscheint in kräftigem Violett. Das ist ein solider Platz in der Mitte...

...und bezieht sich auf den Anteil der Männer in den Landessynoden. Bei uns im Rheinland liegt er bei 65 Prozent. Es gibt in Deutschland nur eine einzige Landessynode, in der Männer und Frauen so gut wie gleichauf vertreten sind. Insofern spiegelt das Titelbild die Grundtendenz. Der Atlas zeigt: Bis zur Gleichstellung der Frauen bleibt bei uns noch vieles zu tun.

Wo liegen wir im Rheinland gut?

Bei den Presbyterien. Da ist es wunderbar: fifty fifty. Das ist perfekt. Aber es müsste auf den nächsten Ebenen weitergehen. In den Kreissynoden beträgt der Frauenanteil 40 Prozent, in der Landessynode 35 Prozent. Je höher die Ebene, desto größer der Männeranteil.

Wie sieht es bei den Pfarrstellen aus?

Die Pfarrerinnen machen heute ein gutes Drittel aus. Allerdings arbeiten 45 Prozent der Pfarrerinnen im Teildienst. Schwach sind wir - und das passt zum EKD-weiten Befund - auf mittlerer Leitungsebene. Ich meine die Leitung der 38 Kirchenkreise. Wir haben nur acht Superintendentinnen.

Alles gut bei den kirchlichen Beschäftigten jenseits des Pfarramts?

Nun, auch wenn wir im Vergleich mit anderen Landeskirchen relativ gut da stehen, ich finde die Quote der Frauen bei den geringfügig Beschäftigten zu hoch. Fast ein Fünftel der Frauen betrifft das. Ich rede hier vor allem von Küster- und Kirchenmusikdiensten in den Gemeinden, hier scheint die Tendenz zu bestehen, versicherungspflichtige Arbeit abzubauen.

Über die Landessynode sprachen wir, wie steht darüber hinaus die landeskirchliche Ebene da?

Schaut man auf die Verteilung bei den hauptamtlichen Kirchenleitungsmitgliedern, sieht es von außen sehr unausgewogen aus: fünf Männer, nur eine Frau. Aber eine Position ist zurzeit unbesetzt, außerdem darf man nicht nur auf die Köpfe sehen, sondern muss auch in sie schauen – und da ist viel Genderbewusstsein. In der Kirchenleitung insgesamt sitzen acht Männer und sieben Frauen. Im Kollegium haben wir exakt je zur Hälfte Frauen und Männer.

Dort haben auch die stellvertretende Abteilungsleitenden Sitz und Stimme - und das sind viele Frauen.

Frauen schaffen es offensichtlich meistens nur in die zweite oder dritte Reihe.

Warum?

Die erste Reihe ist für Frauen oft nicht attraktiv, Abteilungsleitung und hauptamtliche Kirchenleitungsposition bedeuten eine sechzig- bis siebzig-Stunden-Woche. Es gibt weitere Aspekte: Menschen halten an Traditionen fest und besonders in Kirche gilt: „Gleich und gleich gesellt sich gern“, das heißt die Mehrheit der Männer in einer Kreissynode hat vielleicht gar nicht im Blick, dass auch eine Frau für das Superintendentenamt geeignet sein könnte. Dann könnte sich ja womöglich auch der Kommunikations- und Führungsstil ändern... Außerdem wissen wir: Für Frauen ist es besonders schwer, in ein Gremium als einzige Frau zu gehen. Erfahrungsgemäß braucht es ein Drittel Frauen in einem Gremium, dann werden die Beiträge der Frauen nicht mehr als Meinung der Frau, sondern als Position der Person wahrgenommen.

Der Atlas erscheint zum Internationalen Frauentag - wie geht es dann weiter?

Alle Landessynodalen erhalten ein Exemplar. 70 Seiten schönes buntes Papier und dann legen sie es zur Seite? Nein. Im April wird die Kirchenleitung die Themen des Atlasses beraten. Das Ziel ist, die Ergebnisse des Gleichstellungsatlasses auf allen Ebenen unserer Landeskirche zu diskutieren und zum Beispiel den Frauenanteil in Leitungsgremien zu erhöhen.

Wie kann das gehen?

Ich denke, wir müssen auf Spielräume schauen und eine Kultur des Wechsels entwickeln. Manchmal helfen veränderte Spielregeln. Aus einem unserer Kirchenkreise kommt der Antrag, wie die EKD ein Gremienbesetzungsgesetz einzuführen. Über die Genderfrage hinaus wissen wir, beste Ergebnisse erzielen möglichst diverse Teams. Das heißt, wir brauchen insgesamt mehr Vielfalt, wir brauchen in den Gremien auch Menschen unter vierzig, wir brauchen mehr junge Berufstätige - nicht nur aus Kirche und Diakonie. Unsere Gremien sollten die Buntheit der Gemeinden und der Gesellschaft widerspiegeln.

Der Gleichstellungsatlas, zu dessen Mitherausgeberinnen Beate Ludwig gehört, wurde erarbeitet vom Studienzentrum der EKD für Genderfragen in Kirche und Theologie und der Konferenz der Frauenreferate und Gleichstellungsstellen in den Gliedkirchen der EKD.

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ekir.de / Anna Neumann / 06.03.2015



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