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Triumph des Heiligen Geistes: Prof. Dr. Christine Globig. Triumph des Heiligen Geistes: Prof. Dr. Christine Globig.

Pionierinnen im Pfarramt (4)

Frauen am Altar. Das war Häresie

Beim Festtag sprach Prof. Dr. Christine Globig (Wuppertal) über "Frauenordination - zur theologischen Begründung einer kirchlichen Entscheidung", Kirchenrätin Dr. Dagmar Herbrecht über "Der lange Weg der Frauen ins Pfarramt. Ein Blick in die Kirchengeschichte". 

Ein so ernstes Thema wie die theologische Begründung der Frauenordination kann auch durchaus unterhaltsam angepackt werden. Das bewies beim Festtag Professorin Christine Globig. Die Theologin der Kirchlichen Hochschule Wuppertal-Bethel zeigte als Ausgangspunkte erst mal zwei Fotos: eins von einer Vorlesung der Bekennenden Kirche in den 1930er Jahren, wo verschreckte junge Frauen mit weißen Blusen und bravem Mittelscheitel am Rande mithören durften.

Der Theologe Peter Brunner habe damals in aller Härte von der Unterordnung der Frau in der Evangelischen Kirche doziert. „Frauen im Dienst am Altar wären für ihn Häresie gewesen“, erläuterte Globig und zeigte das Kontrastfoto von der frisch eingeführten Bischöfin Maria Jepsen 1992. „Und auch da ging der konzentrierte Widerstand konservativer Theologen gegen Frauen im kirchlichen Amt noch einmal so richtig los“, erinnerte Globig.

„Den ökumenischen Dialog nicht ungebührlich belasten“

Was waren eigentlich die Argumente, mit denen die EKD damals die Klage über die angebliche Widerrechtlichkeit weiblicher Amtsträgerschaft zurückwies? Die Amtskirche habe erstens mit Hinweis auf das allgemeine Priestertum widersprochen, und zweitens damit, dass die vorherige Abwehr gegen Frauen auf der Kanzel hauptsächlich zeitbedingt war, so Globig. Die EKD habe betont, ein Amt dürfe drittens in der Kirche nicht für nur ein Geschlecht reserviert werden. Und dann zog die Professorin viertens noch den EKD-Satz von 1992 aus der Tasche: „Der ökumenische Dialog wird durch die Wahl einer Bischöfin nicht ungebührlich belastet.“

Das Argument vom Priestertum aller Getauften sei für sie ein entscheidendes in der Diskussion, sagte die Wuppertaler Theologin in die allgemeine Erheiterung hinein. Dazu sei die reformatorische Grundposition zum Pfarr- und Bischofsamt allein in der richtigen Verkündigung verankert, die ja wohl genauso Frauen realisierten. Quintessenz? Frauen verkündeten Gottes Wort ebenso verbindlich wie Männer. „Die Frauenordination ist also der Triumph des Heiligen Geistes. Mehr gibt es nicht zu sagen“, so Globig. 

Kirchenrätin Dr. Dagmar Herbrecht beim Festtag Kirchenrätin Dr. Dagmar Herbrecht beim Festtag "Pionierinnen im Pfarramt"

Steiniger Weg ins Pfarramt

Wobei Kirchenrätin Dr. Dagmar Herbrecht dann noch einmal den langen und steinigen Weg der Frauen ins Pfarramt nachzeichnete und die Vorkämpferinnen würdigte. So unglaublich das heute klinge: Erst einmal hätten Frauen 1908 in Preußen den Zugang zu den Universitäten erstreiten müssen, so Herbrecht.

Und dann habe das noch nicht einmal geheißen, dass die Kirchen ihnen Abschlüsse erlaubt hätten: Es gab also zuerst nur einen Magister der Theologie zu erlangen, berichtete die Leitende Dezernentin für Theologie und Verkündigung im Landeskirchenamt. Nach dem Ersten Weltkrieg sei dann nach Entlastung für die Pfarrer gesucht worden.

Und erste Frauen konnten 1929 ihr Theologisches Examen abschließen – um nur in Krankenstationen, Mädchenhäusern und Kindergottesdiensten tätig werden zu können. Von da bis zu Bischöfin Maria Jepsen waren also noch viele Hindernisse zu überwinden. Und, wie die Vorrednerin Globig dargelegt hatte: Auch 1992 waren noch lange nicht alle Kritiker verstummt. 

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ekir.de / Ebba Hagenberg-Miliu, Fotos Anna Siggelkow / 20.11.2015



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