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Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt

"Griechische Wirtschaft braucht mehr Hilfe"

Der Strukturwandel im Ruhrgebiet kann nach Ansicht des Duisburger Sozialpfarrers Jürgen Widera als Vorbild für das krisengeschüttelte Griechenland dienen. "Wir haben hier den Strukturwandel vernünftig gemeistert, weil es Strukturhilfe von EU, Bund und Land gab."

Weiter sagte der Pfarrer vom Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt Duisburg/Niederrhein (KDA) dem Evangelischen Pressedienst (epd), ohne diese Investitionen und Finanzmittel wäre der soziale Umbruch in der Region dagegen "fürchterlich geworden". Der Duisburger Theologe hat mit einer 16-köpfigen Delegation für fünf Tage die zweitgrößte griechische Stadt, Thessaloniki, besucht und sich bei Unternehmen, Gewerkschaften und Vertretern der Regierungspartei Syriza über die aktuelle Situation informiert.

Widera fordert eine stärkere finanzielle Unterstützung der griechischen Wirtschaft. Die bislang gewährten Kredite seien zu etwa 90 Prozent in die Rettung von Banken geflossen und zu wenig zur Rettung von Betrieben und Unternehmen genutzt worden, mahnte er. Rund 1.800 Fabriken in Griechenland lägen brach, viele kleine und mittelständische Unternehmen seien pleitegegangen. Breite Bevölkerungsschichten seien durch den Sparkurs der vergangenen Jahre verarmt.

Seifenfabrik in Eigenregie

Dabei gebe es auf lokaler und regionaler Ebene durchaus Initiativen, die einen Betrieb trotz größter Schwierigkeiten weiterführten, sagte Widera. So besuchten die KDA-Vertreter etwa eine Seifenfabrik, die nach einer Pleite in Eigenregie betrieben wird. Hier wolle man Kontakte zu einer Schiffswerft im Duisburger Stadtteil Ruhrort vermitteln, die nach einer Insolvenz ebenfalls durch die Selbstverwaltung der Belegschaft überlebt.

Neben den Finanztransfers ist Widera zufolge aber auch eine Verwaltungsreform dringend geboten. Die Bürokratie in Griechenland sei ein "Riesenhemmnis" für Unternehmensgründungen und Investitionen, kritisierte der Sozialpfarrer. Die neue, linke Syriza-Regierung werde von vielen Bürgern als "letzte Chance" angesehen. Was das Land jetzt brauche, sei eine Perspektive für Wachstum und Beschäftigung. Eine Politik, die sich nur auf Aufrufe zur Sparpolitik beschränke, helfe dem Land nicht mehr weiter, so Widera.

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epd / 01.06.2015



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