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Präses Manfred Rekowski (r.) diskutierte mit über die sog Große Transformation. Präses Manfred Rekowski (r.) diskutierte mit über die sog Große Transformation.

Große Transformation

Eine moralische Revolution?

Hoher thematischer Anspruch, niedrige Temperaturen: "Die große Transformation als moralische Revolution?" lautete der Titel der Vortrags- und Diskussionsveranstaltung in der Basilika St. Laurentius in Wuppertal, an der u.a. der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski, teilnahm.

Der Präsident des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie, Prof. Dr. Uwe Schneidewind, erklärte zu Beginn: "Phasen des massiven Umbruchs fordern Orientierungsbedarf. Dem wollen wir uns mit dieser Diskussionsveranstaltung stellen." Er umriss in seiner Einführung das Thema: Der Umgang mit der Herausforderung von Klimawandel und Nachhaltigkeit könne als die große anstehende "moralische Revolution" des 21. Jahrhunderts verstanden werden - mit der Einlösung einer globalen und generationenübergreifenden Verantwortungsübernahme.

"Dabei kommt Kirchen und Glaubensgemeinschaften eine besondere Bedeutung zu", so Schneidewind weiter. Die Veranstaltung solle Raum bieten, die Frage der Großen Transformation und die Rolle der Glaubensgemeinschaften mit Blick auf das Reformationsjubiläum 2017 zu diskutieren. Neben dem Wuppertal Institut hatten die Deutsche Bundesstiftung Umwelt, die Katholische Kirche Wuppertal, das Katholische Bildungwerk Wuppertal/Solingen/Remscheid und der Evangelische Kirchenkreis Wuppertal zu dem Abend eingeladen.

Abkehr vom Überfluss

Im ersten Impulsreferat skizzierte Dr. Dagmar Nelleßen-Strauch die päpstliche Enzyklika "Laudato Si" als Gesprächsangebot des Papstes an alle Menschen auf diesem Planeten. Nelleßen-Strauch leitet bei der Deutschen Bischofskonferenz kommissarisch den Bereich Kirche und Gesellschaft. Eigentlich sei "Laudato Si" eine Sozialenzyklika, denn die zentrale sozio-ökologische These des Papstes sei: "Die Armen leiden!"

Niemals sei die Schöpfung so schlecht behandelt worden wie in den letzten Jahren, so Nelleßen-Strauch. Deshalb sei die Botschaft der ganzheitlichen Ökologie des Papiers die Aufforderung zur Umkehr. Der Papst setze dabei mit der Warnung vor blindem Vertrauen und mit der Abkehr vom Überfluss auf die Fähigkeit des Menschen zur Umkehr.

Aufbruch aus Erstarrung und Resignation

Präses Rekowski skizzierte in seinem Impulsreferat den Umgang mit dem Thema in der rheinischen Kirche und verwies auf die zentrale Botschaft des Glaubens: "Vieles kann neu werden. Erstarrung und Resignation werden aufgebrochen, auch religiöse und moralische Mauern können eingerissen werden."

Mit Blick auf die erste der 95 Thesen Martin Luthers und dem Ruf zu Buße und Umkehr sagte er: "Der Glaube führt zur Transformation: Der Mensch wird frei, aber er bleibt in der Pflicht gegenüber dem Nächsten gebunden." Dies schließe die Verantwortung gegenüber dem fernen Nächsten ein, auch für den zukünftigen Nächsten, also die nächsten Generationen.

Dem Wort von der moralischen Revolution könne er insofern etwas abgewinnen, als sich darin ausdrücke, dass es nicht nur um strukturelle oder ordnungspolitische Veränderungen gehe. Sondern um die Haltung, die Einstellung, die innere Ausrichtung von Menschen.

Bestehendes ist nicht alternativlos

In jedem Gottesdienst bringen Christinnen und Christen vor Gott, was sie bewegt, was die Welt erschüttert, was herausfordert, erklärte der Präses weiter. "Wir beten: Dein Reich komme, dein Wille geschehe! Das heißt doch: Bestehendes ist nicht alternativlos." So würden bestehende Verhältnisse zu Auslaufmodellen erklärt. Das sei "mindestens die Ansage einer Transformation", habe zugleich immer auch etwas Revolutionäres.

Im Blick auf die fünfte These der Barmer Theologischen Erklärung sagte der Präses: "Vielmehr soll im Gottesdienst das Gewissen des Einzelnen geschärft werden und auch die öffentliche Wahrnehmung: ,Die Kirche erinnert an Gottes Reich, an sein Gebot und seine Gerechtigkeit'." In diesem Sinne seien Gottesdienste Orte der reformierenden Spiritualität. Sein Schluss: "Kirche bewegt, hält die Zukunft offen und macht Mut zur Umkehr."

Eine Frage der Genügsamkeit

In der anschließenden Diskussion in der kalten, weil ungeheizten Basilika ging es u.a. um die Genügsamkeit als zentrales Thema der Transformation. So forderte Lambert T. Koch, Rektor der Bergischen Universität Wuppertal, mehr Diskurs und Interdisziplinarität in Forschung und Lehre. "Neben materiellem Wohlstand geht es heute um ressourceneffizientes Wirtschaften."

Die große neue Herausforderung bestehe, neue Beteiligte ins Gespräch über die gemeinsame Sache zu bringen. Hier sieht Koch auch eine zentrale Aufgabe der Kirchen: "Sie sollten die Wissenschaft mehr fordern, die Zeichen der Zeit zu erkennen."

Die "Große Transformation" hat die Landessynode, also das oberste rheinische Entscheidungsgremium, auf ihrer Tagung im Januar 2016 beschäftigt. Prof. Schneidewind hielt dazu den Vortrag. Außerdem gab es ein Podiumsdiskussion.

 

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evangelisch-wtal.de / Werner Jacken / 31.01.2017



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