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Ako Haarbeck (1932 - 2017)

Die Bibel war sein Lebensthema

Zum Dienst kam Dr. Ako Haarbeck häufig mit dem Fahrrad. Symbole der Macht blieben dem langjährigen Landessuperintendenten der Lippischen Landeskirche immer fremd. Das Evangelium sei glaubwürdig, erläuterte er einmal. "Die Kirche nicht so ohne weiteres." Am Montag ist der aus dem Rheinland stammende Theologe gestorben.

Haarbeck wurde am 20. Januar 1932 in Hoerstgen bei Moers geboren. Er stammte aus einer reformiert-pietistischen Predigerdynastie am Niederrhein. Den verkürzten Vornamen Ako übernahm er von einem Vorfahren, der den christlichen Neukirchener Abreißkalender begründete.

Haarbeck promovierte mit einer Untersuchung über den schwäbischen Pietisten Ludwig Hofacker. Sein Pfarrberuf führte ihn in die Westerwald-Gemeinde Dierdorf, später in die Grafschaft Bentheim. 1979 wählte ihn die Lippische Landessynode zum Landessuperintendenten.

Der amtierende lippische Landessuperintendent Dietmar Arends würdigte seinen Amtsvorgänger als verständnisvollen Seelsorger und leidenschaftlichen Prediger: "Ako Haarbeck hatte eine besondere Gabe, die biblische Botschaft für die Menschen seiner Zeit zur Sprache zu bringen."

Pietistisch und politisch

Haarbecks Lebensthema war in der Tat die Heilige Schrift. "Ich halte die Bibel und ihre Botschaft für die entscheidende Quelle der Menschenwürde", sagte er einmal. Weggefährten charakterisieren ihn in Gegensätzen: In seinem Dienst war er sowohl pietistisch als auch politisch, intellektuell und zugleich bodenständig, deutlich in der Sache und doch tolerant im Umgang.

Die Bibel stehe für ihn nicht auf einem Sockel, sondern habe nach seiner Überzeugung mitten ins Leben geholt werden müssen, erklärte vor Jahren die Deutsche Bibelgesellschaft in Stuttgart, deren Vorsitzender Haarbeck von 1987 bis 1999 war.

Prediger, Seelsorger, Lehrer

Er engagierte sich ab 1980 auch im Vorstand des Reformierten Bundes und war von 1985 bis 1994 Mitglied im Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Als Vorstandsvorsitzender bestimmte er zudem von 1992 bis 1998 den Kurs des Gemeinschaftswerks der Evangelischen Publizistik (GEP) in Frankfurt am Main.

"Ich bin Prediger, Seelsorger und sehr gerne Lehrer", betonte Haarbeck bereits bei seiner Vorstellung für das Amt des Lippischen Landessuperintendenten. "Und dies möchte ich auf jeden Fall bleiben."

Gott, der Leben für alle will

Haarbeck stand aber auch für eine Kirche, die angesichts von Krieg und Ungerechtigkeit Stellung bezieht. Wenn nötig, müsse Kirche auch "biblisch begründeten Ärger" machen, war er überzeugt. Atomare Abschreckung, Aufrüstungsspirale und Militarismus geißelte er als "eine Lästerung des Gottes, der das Recht und das Leben für alle will".

Als er wegen seiner öffentlichen Kritik am Golfkrieg von 1991 angegriffen wurde, entgegnete er: "Da der Krieg Sünde ist, muss man dagegen reden." Der Krieg am Golf sei "weder heilig noch gerecht, er ist mindestens so schmutzig wie andere Kriege auch".

Kirche als Friedensbewegung Gottes

Die Kirche hingegen sah Haarbeck als "Friedensbewegung Gottes" in der Verantwortung, "intensiver und radikaler über die Bedingungen des Friedens nachzudenken". Zur Theologie brachten Haarbeck "die Nazi-Zeit und der Krieg, aber auch das Erlebnis der Gemeinschaft glaubender Christen", wie er einmal berichtete.

Mit dem späteren Bundespräsidenten Johannes Rau verband ihn eine gemeinsame Schulzeit in Wuppertal. Als Ministerpräsident überbrachte Rau zu Haarbecks 60. Geburtstag in Lippe persönlich Glückwünsche. Haarbeck war Vater von drei erwachsenen Kindern und lebte zuletzt mit seiner Frau in Bonn.

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ekir.de / epd, neu / 04.10.2017



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