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Unsichtbar, weil hinter Schloss und Riegel: NRW will die Betreuung muslimischer Häftlinge ausbauen. Gefängnistrakt in Köln: NRW will die Betreuung muslimischer Häftlinge ausbauen.

Nordrhein-Westfalen

Radikalisierung von Häftlingen im Gefängnis verhindern

Nordrhein-Westfalen will verhindern, dass muslimische Häftlinge im Gefängnis radikalisiert werden. Dazu strebe das Land die Einrichtung einer Bund-Länder-Arbeitsgruppe an, deren Leitung NRW übernehmen wolle, kündigte Justizminister Thomas Kutschaty (SPD) an. 

In dieser Arbeitsgruppe könnten die Bundesländer Erfahrungen und Erkenntnisse austauschen und konkrete Maßnahmen planen. Kutschaty setzt auch auf einen Ausbau der religiösen Betreuung muslimischer Gefangener in NRW. Derzeit gebe es landesweit rund hundert vom Verfassungsschutz überprüfte muslimische Seelsorger, die in 30 der 36 Haftanstalten tätig seien.

Für die Mitarbeiter der Gefängnisse des Landes soll es künftig mehr Schulungen zum Thema Radikalisierung geben. Darin sollen Bedienstete auch arabische Sprachkenntnisse erwerben, um "ein harmloses Gespräch von ersten Radikalisierungstendenzen zu unterscheiden", sagte der Justizminister.

Ergänzend will das Land auch verstärkt Vollzugsbedienstete mit Migrationshintergrund einstellen. "Wer andere Kulturen besser versteht, kann frühzeitig Entwicklungen erkennen und Gegenmaßnahmen einleiten", sagte Kutschaty. Auch falle es Häftlingen leichter, sich einem Mitarbeiter anzuvertrauen, wenn dieser ihre Sprache spreche.

Nach Angaben des Ministers stehen von den landesweit rund 15.750 Häftlingen zurzeit lediglich 22 Inhaftierte im Verdacht, Mitglieder oder Unterstützer einer islamistisch-terroristischen Organisation zu sein. Dabei handele es sich um einen Strafgefangenen und 21 Untersuchungshäftlinge. Diese Gefangenen seien auf mehrere Haftanstalten verteilt.

Erkenntnisse, dass sich Gefangene zusammenschlössen, um islamistische Ziele zu verfolgen, gebe es derzeit nicht, sagte Kutschaty. Es sei aber zu erwarten, dass die Zahl islamistischer Inhaftierter in der nächsten Zeit steigen werde.

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epd, Foto: ekir.de-Archiv / 05.03.2015



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