Würdigung

Vorkämpferin und Wegweiserin

Alt-Präses Manfred Kock vertritt die rheinische Kirche bei der heutigen Beerdigung der evangelischen Theologin Ilse Härter. Die Pfarrerin in Ruhe starb Ende Dezember im Alter von 100 Jahren.

Ilse Härter (1912-2012), hier im Archivbild bei ihrer Dankesrede bei der Verleihung der Ehrendoktorwürde in der Kirchlichen Hochschule in Wuppertal. LupeIlse Härter (1912-2012), hier im Archivbild bei ihrer Dankesrede bei der Verleihung der Ehrendoktorwürde in der Kirchlichen Hochschule in Wuppertal.

Als „Vorkämpferin und Wegweiserin für spätere Generationen“ würdigt Präses Nikolaus Schneider die – wie jetzt erst bekannt wurde - am 28. Dezember im Alter von 100 Jahren verstorbene evangelische Theologin Ilse Härter (1912-2012). Die ihrer Evangelischen Kirche im Rheinland stets kritisch verbundene Pfarrerin hatte in der Nazi-Zeit den Eid auf den „Führer“ verweigert, ebenso einen „Ariernachweis“. Zu den Verdiensten der Verstorbenen, zu deren 100. Geburtstag vor fast einem Jahr Freundinnen und Freunde die Festschrift „Auf Gegenkurs“ verfassten, gehören ihr Einsatz für die Frauenordination und ihre bis zuletzt „unermüdliche Mitwirkung an der Aufarbeitung der dunklen Zeiten“ auch in der Geschichte der rheinischen Kirche, so Präses Schneider.

Am 12. Januar 1912 in Asperden am Niederrhein geboren, studierte Ilse Härter Theologie in Göttingen, Tübingen, Königsberg und Bonn. Die beiden theologischen Examina legte sie vor dem Prüfungsausschuss der Bekennenden Kirche ab, 1936 das erste, 1939 das zweite. Allerdings: Nach dem Himmler-Erlass 1937 war der Bekennenden Kirche jegliche Prüfungstätigkeit verboten. Dass die Bekennende Kirche dennoch aktiv war, kam heraus – und die junge Theologin Ilse Härter wurde in die Gestapo-Zentrale zum Verhör vorgeladen und mit einem Prozess bedroht.

Auf vollgültiger Ordination bestanden

Auf den Tag an ihrem 31. Geburtstag, am 12. Januar 1943, hatte Ilse Härter erreicht, dass ihr die volle pfarramtliche Tätigkeit erlaubt wurde. Mit anderen Worten: In wenigen Tagen, am 12. Januar 2013, hätte die Theologin ihr 70. Ordinationsjubiläum feiern können. Die Bekennende Kirche der altpreußischen Union hatte für Frauen eine eingeschränkte Ordination zu einem „besonderen Frauenamt“ beschlossen. Aus Protest gegen diese Beschlüsse ordinierte Kurt Scharf die Vikarinnen Ilse Härter und Hannelotte Reiffen am 12. Januar 1943 in Sachsenhausen ohne Einschränkungen.

Die Ordination zur Verkündigung in Wort und Sakrament für die damalige Evangelische (Bekennende) Kirche der altpreußischen Union galt für die heutige Evangelische Kirche im Rheinland. Ilse Härter hatte sich mit einer Einsegnung zufrieden geben sollen, bestand aber auf der vollberechtigten Ordination.

Schul- und Berufsschulpfarrerin in Leverkusen und Elberfeld

Härters berufliche Stationen führten sie nach Berlin-Wannsee und Fehrbellin, Württemberg und in die Mark Brandenburg. Nach Ende von Nationalsozialismus und Zweitem Weltkrieg arbeitete die Theologin als Schul- und Berufsschulpfarrerin in Leverkusen und Elberfeld. Sie war Gründungsmitglied einer „Übersynodalen Arbeitsgemeinschaft“ (ÜSAG), die von 1954 bis 1969 den Aufbau des Evangelischen Religionsunterrichts insbesondere an berufsbildenden Schulen begleitete, die Unterrichtsinhalte fortentwickelte und sich für die fachgerechte Fortbildung von Religionslehrkräften einsetzte.

Schon im Jugendalter wurde ihr ökumenisches Interesse geweckt, das ab 1945 zu eigenem ökumenischen Engagement führte. Ilse Härter organisierte Jugendbegegnungen mit Großbritannien, sie ließ ihre Schülerinnen und die Mitglieder des von ihr gegründeten ökumenischen Jugendkreises u.a. an ihren Kontakten in die Niederlande, die Schweiz und die USA teilhaben.

"Kämpfe und Krämpfe"

2006 erhielt Ilse Härter die Ehrendoktorwürde der heutigen Kirchlichen Hochschule Wuppertal/Bethel für ihr Engagement im Kirchenkampf und um den gleichberechtigten Zugang der Frauen ins Pfarramt sowie ihre wissenschaftliche Arbeit zu diesen beiden Themen seit ihrer Pensionierung. Damals sagte die Theologin, sie werte die Ehrendoktorverleihung als "positives Zeichen für uns Frauen". Nach vielen „Kämpfen und Krämpfen" habe sich doch einiges bewegen lassen. In ihrer eigenen Kirche habe die Gleichberechtigung der Frauen im Blick aufs Pfarramt allerdings "etwas reichlich lange gedauert".

„Auf Gegenkurs“ heißt die Fest- und Dankesschrift zum 100. Geburtstag von Pfarrerin Dr. h.c. Ilse Härter. Das Buch spiegelt Leben und Wirken Ilse Härters in aller Vielfalt, so Herausgeber Dr. Hartmut Ludwig (Schöneiche bei Berlin). Bischöfin i.R. Maria Jepsen schreibt im Grußwort: „Ilse Härter ist eine der großen evangelischen Theologinnen in Deutschland und weltweit.“ Den Druck der Festschrift hatte u.a. die rheinische Kirche gefördert.

Ilse Härter war seit 1972 pensioniert und lebte wieder am Niederrhein. Dort ist sie auch gestorben. Ihre Beerdigung wird am Tag ihres Geburtstags und ihrer Ordination stattfinden.

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Donnerstag, 3. Januar 2013. Die letzte Aktualierung erfolgte am Samstag, 12. Januar 2013. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

ekir.de / neu, he / 03.01.2013



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