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Haiti-Projekt Erstmals besuchen Jean-Rene Simon, Marie Milca Dieujuste und Jean Romain Avril (v.l.) ihre Projektpartnerinnen und -partner in Kempen.

Haiti-Projekt

Aus der Karibik an den Niederrhein

„Mein Kopf ist ganz voll, so viel habe ich schon gelernt“, sagt Jean-Rene Simon. Der Haitianer besucht erstmals die Menschen eines Kempener Hilfsprojekts, die in seinem Land seit 2011 beim Wiederaufbau nach dem Erdbeben helfen. Am 28. August gibt es einen gemeinsamen Gottesdienst in Kempen.

Fast 8000 Kilometer haben die drei Gäste aus Haiti zurückgelegt, um zum ersten Mal ihre Freundinnen und Freunde im niederrheinischen Kempen zu besuchen. Jean-Rene Simon, Jean Romain Avril und Marie Milca Dieujuste arbeiten in ihrer Heimat beim Wiederaufbau des Landes nach dem verheerenden Erdbeben im Jahr 2010 mit, regelmäßig packen dabei vor Ort der Berufsschulpfarrer Roland Kühne und seine Schülerinnen und Schüler vom Rhein-Maas-Berufskolleg in Kempen tatkräftig mit an. Nachdem die Niederrheiner sechs Mal in Haiti waren, sind die drei Gäste aus dem karibischen Inselstaat derzeit für insgesamt zwei Wochen in Kempen. Die beiden Männer leisten in dieser Zeit ein Praktikum in einem Installationsbetrieb, die 25-jährige Marie Milca Dieujuste arbeitet in einer Kindertagesstätte.

Angst vor geschlossenen Räumen

„Wenn ich wieder zu Hause bin, will ich mich unbedingt mit den Verantwortlichen in der pädagogischen Arbeit zusammensetzen und ihnen erzählen, wie die Kinder in Deutschland aufwachsen“, sagt Marie Milca Dieujuste. Denn der Alltag der deutschen Kinder unterscheide sich sehr von dem ihrer Altersgenossen in Haiti. „Bei meinem Praktikum erlebe ich glückliche Kinder, die spielen können, sich frei entwickeln und dabei bereits viel lernen.“ Diese Möglichkeit hätten in ihrem Land nicht alle Kinder, von denen viele sogar schon arbeiten gingen.

Laut dem Kinderhilfswerk UNICEF der Vereinten Nationen muss in Haiti jedes zweite Kind im Alter zwischen fünf und vierzehn Jahren arbeiten, um überleben zu können. Nur drei von vier Kindern besuchten eine Grundschule. „Viele Kinder hat außerdem das Erdbeben traumatisiert, sie haben Angst, sich in geschlossenen Gebäuden aufzuhalten“, berichtet Marie Milca Dieujuste.

Gemeinschaft im Glauben und bei der Arbeit

„Mir gefällt hier vor allem die kooperative Art der Zusammenarbeit“, sagt der 38-jährige Jean-Rene Simon. Diese Mentalität des gemeinschaftlichen Wirkens wolle er auf jeden Fall mit nach Haiti nehmen. Wie der 42-jährige Betriebswirt Jean Romain Avril will der 38-jährige Techniker ebenso die in Kempen gelernten Handgriffe und Arbeitsabläufe beim Aufbau in der Region rund um die haitianische Hauptstadt Port-au-Prince einsetzen. Das Hilfsprojekt des Berufsschulkollegs und der Evangelischen Kirchengemeinde Kempen wird vor Ort durch die Ordensgemeinschaft „Congregation des Petits Frères et des Petites Soeurs de L’Incarnation“ mitbetreut.

„Auch wenn sich die Situation der Menschen in Haiti von unserer unterscheidet, so eint uns doch der christliche Glaube und die Fragen, die sich aus ihm ergeben“, sagt Pfarrer Roland Kühne. „Warum lässt Gott überhaupt Elend zu?“ Beim Besuch der Hauskreise der Kirchengemeinde habe Gäste und Gemeindemitglieder jetzt diese Frage gleichermaßen beschäftigt.

Bitte an Außenminister Frank-Walter Steinmeier

Nach ihren Besuchen in Haiti haben die Kempener Berufsschülerinnen und Berufsschüler den Kontakt zu ihren haitianischen Freundinnen und Freunden über das Internet aufrechterhalten. Vor dem jetzigen Zusammensein am Niederrhein waren dann jedoch einige bürokratische Hürden zu überwinden. „Der Umstand, dass die Visa nicht in Haiti beantragt werden konnten, sondern eine Reise samt Übernachtung in das Nachbarland Dominikanische Republik mit den damit einhergehenden Kosten erforderlich war, ist untragbar“, hat daher Pfarrer Kühne an Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier geschrieben. Und ihn gebeten, wieder einen konsularischen Dienst bei der Deutschen Botschaft in Port-au-Prince einzurichten.

Honorarkonsul Ingo Kramer vom Konsulat der Republik Haiti in Bremerhaven teilt sein Anliegen bereits und sagte Pfarrer Kühne schriftlich zu, sich für ein vereinfachtes Visaverfahren einzusetzen.

Zu einem gemeinsamen Gottesdienst mit den Gästen aus Haiti lädt die Evangelische Kirchengemeinde Kempen am Sonntag, 28. August 2016, ab 10 Uhr in die Kempener Thomaskirche ein. Spenderinnen und Spender sowie an dem Hilfsprojekt Interessierte können sich außerdem gerne bei Pfarrer Roland Kühne unter Telefon 02152 557094 melden. 

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ekir.de / Sabine Eisenhauer / Foto: Haiti-Projekt / 25.08.2016



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