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Das Dach fehlt und das Hab und Gut ist zum Trocknen aufgehängt: Jean Romain Avril schickte ein Foto seines zerstörten Zuhauses. Das Dach fehlt und das Hab und Gut ist zum Trocknen aufgehängt: Jean Romain Avril schickte ein Foto seines zerstörten Zuhauses.

Hilfe für Haiti

„Es trifft wieder die Ärmsten“

Nach dem Hurrikan: Erleichterung am Niederrhein nach den Lebenszeichen der Freundinnen und Freunde in Haiti. Menschen aus Kempen leisten akute Nothilfe. Auch die Kindernothilfe und die Diakonie Katastrophenhilfe sind aktiv. 

„Uns geht es allen soweit gut. Wir leben.“ Pfarrer Roland Kühne aus dem niederrheinischen Kempen war erleichtert, als ihm Jean-Rene Simon aus Haiti dies nach dem Hurrikan bei einem kurzen Telefongespräch mitgeteilt hat. Zuvor hatte der Pfarrer tagelang vergeblich versucht, seine Freundinnen und Freunde vom Partnerschaftsprojekt in Haiti zu erreichen. Hurrikan „Matthew“ hat dort am Mittwoch eine Schneise der Verwüstung hinterlassen. Heute ist von mindestens 800 Toten und zahlreichen Verletzten auszugehen, Zehntausende sind ohne Obdach.

Der Inselstaat mit seinen zehn Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern gilt als ärmstes Land Lateinamerikas. Haiti leidet noch immer unter den Folgen des Erdbebens im Jahr 2010. Damals kamen rund 300.000 Menschen ums Leben, fast zwei Millionen Menschen wurden obdachlos.

Noch im Frühjahr beim Wiederaufbau geholfen

„Es trifft wieder die Ärmsten und genau die Menschen, die doch schon so viel erleiden mussten“, sagt Roland Kühne. Der Pfarrer am Rhein-Maas-Berufskolleg in Kempen hilft mit seinen Berufsschülerinnen und -schülern seit fünf Jahren tatkräftig beim Wiederaufbau nach dem Erdbeben im Südwesten von Haiti mit. Noch in diesem Frühjahr hatten die Niederrheiner beim Errichten eines Hauses für obdachlose Jugendliche mitgewirkt.

Jetzt erfuhr Pfarrer Kühne beim Anruf von Jean-Rene Simon, dass das Dach dieses Hauses durch eine umgefallene Palme teilweise zerstört worden ist. „Glücklicherweise waren noch keine Jugendlichen in das Gebäude eingezogen“, sagt Roland Kühne.

Foto über WhatsApp geschickt

„Es ist grauenvoll. In den Städten Les Cayes und Torbeck mussten die Menschen aus ihren Hütten fliehen, es gibt kaum ein Haus mit einem intakten Dach“, schilderte Jean-Rene Simon telefonisch die Lage. Der Haitianer ist im vergangenen Sommer das erste Mal mit Milca Dieujuste und Jean Romain Avril zu Gast in Kempen gewesen.

Ein Foto seines zerstörten Hauses, in dem er mit Eltern, Frau und drei Kindern lebt, hat nun Jean Romain Avril per WhatsApp an Pfarrer Kühne geschickt. Zu sehen ist ein Zuhause, bei dem das Dach fehlt und in dem das nasse Hab und Gut zum Trocknen aufgehängt worden ist.

Spenden für "Dächer für Haiti"

„Es werden dringend und schnellstens Geldmittel für Trapezbleche benötigt, um die Hütten vor weiterem Regen zu schützen“, sagt Pfarrer Kühne. Die Evangelische Kirchengemeinde Kempen hat daher die Spendensammlung „Dächer für Haiti“ ins Leben gerufen.

Für Soforthilfemaßnahmen in Haiti stellt die Kindernothilfe 50.000 Euro zur Verfügung. Das Hilfswerk mit Sitz in Duisburg berichtet, dass der Westen von Haiti besonders schlimm betroffen sei: Dort habe der Hurrikan mit Geschwindigkeiten bis zu 220 Kilometern pro Stunde die Ernten vernichtet. „Die Lebensgrundlage vieler Menschen ist bedroht“, sagt Christoph Dehn, stellvertretender Vorsitzender der Kindernothilfe. Vor allem Nahrungsmittel und sauberes Wasser fehlten.

Zuallererst Trinkwasser bringen

Sylvie Savard, Leiterin des gemeinsamen Projektbüros von Diakonie Katastrophenhilfe und Lutherischem Weltbund, erklärt: „Da Straßen und Brücken zerstört sind, werden wir nun über die bergigen Nebenstraßen versuchen, die betroffenen Gebiete zu erreichen.“ Es werde vor allem darum gehen, die Menschen mit sauberem Trinkwasser, notdürftigen Unterkünften und Hygieneartikeln zu versorgen, um eine Ausbreitung von Krankheiten zu vermeiden.

In Jacmel im Süden Haitis stellt das Projektbüro Hygiene-Kits für 1.500 Familien sowie Planen und Decken für 500 Familien bereit. Die Diakonie Katastrophenhilfe stellt zunächst 180.000 Euro für die Opfer des Hurrikans zur Verfügung.

Wahlen verschoben

Wegen der Verwüstungen nach dem Hurrikan hat Haiti die Präsidentschafts- und Parlamentswahlen verschoben. Das teilte die Nationale Wahlkommission mit. Einen neuen Termin der eigentlich für Sonntag, den 9. Oktober, angesetzten Abstimmung gibt es bislang noch nicht. Der Wahlprozess in Haiti zieht sich seit knapp zwei Jahren hin. Das Ergebnis der letzten Präsidentenwahl wurde wegen schwerer Betrugsvorwürfe annulliert, eine Übergangsregierung regiert seit Monaten das Land.

„Mich beeindrucken immer wieder der Mut und die Tatkraft unserer haitianischen Freundinnen und Freunde“, sagt Pfarrer Roland Kühne. „Bei allen verheerenden Katastrophen, die sie treffen, geben sie nicht auf.“ Beim Aufbau nach dem Hurrikan wollen ihnen auch wieder angehende Maurerinnen und Maurer aus Kempen helfen. Drei von ihnen haben sich schon bei Pfarrer Kühne gemeldet.

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ekir.de / Sabine Eisenhauer / 08.10.2016



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