Geboren am 24. Dezember 1938: Christian Rahn. Geboren am 24. Dezember 1938: Christian Rahn.

Heiligabend (1)

Versöhnt und in Frieden leben

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Das ist ja wie Weihnachten und Geburtstag an einem Tag, heißt es oft, wenn jemand besonderen Grund zur Freude hat. Aber wie ist das, wenn man tatsächlich an Heiligabend Geburtstag hat? Wir erzählen von drei Menschen, die am 24. Dezember geboren sind.

„Ich bin zur letzten Friedensweihnacht, am 24. Dezember 1938 geboren“, erzählt Christian Rahn. Damit gab es in der alteingesessenen Bauernfamilie Rahn im pommerschen Ritzow (heute Ryczewo) gleich zwei „Christkinder“. Denn Christian Rahns Mutter hatte an Jesu Geburtstag, am 25. Dezember Geburtstag. Schon ein Jahr später war das Fest des Friedens vom Krieg überschattet. Vater Albert wurde schon zu Kriegsbeginn eingezogen, und die Mutter musste dafür sorgen, dass es auf dem Hof irgendwie weiter ging.

An seine frühen Geburtstage hat Christian Rahn kaum eine Erinnerung. Er ist schon froh, dass er sich vage an die alte Eiche auf dem väterlichen Hof erinnern kann, deren Rinde vom Blitz abgeschält worden war und die dennoch überlebte. Davon konnte er sich zu seiner Freude im letzten Jahr überzeugen, als er mit Sohn Nils und Enkel Kilian den ehemals Rahnschen Hof besuchte.

Neuanfang im Oberbergischen

Christian Rahns Erinnerung an Geburtstag und Weihnachten setzt erst 1948 wieder ein. Da lag die schlimme Erfahrung von Flucht und Vertreibung hinter ihm und seiner Familie. Und ein mühsamer Neuanfang im kargen Oberbergischen Land, wo die Eltern und er auf fremden Höfen anfangs für ein bisschen Milch und Butter arbeiteten.

Das erste Festmahl, das es zu seinem Weihnachtsgeburtstag wenige Jahre nach Kriegsende dann doch wieder gab, flimmert ihm noch heute auf der Zunge: Pommerscher Rotkohl mit Ente. „Das koche ich heute noch, wenn ich meiner Familie was Gutes tun will“, erzählt er.

Nicht selten an Weihnachten gearbeitet

Und später? Da fielen Geburtstag und Weihnachten in die arbeitsreichen Jahre, in denen er in der neuen Heimat ankam, Freunde, Kollegen und seine Frau fand, sich als Heizungsinstallateur eine Existenz aufbauen konnte. Hinzu kam die intensive Mitarbeit im Partnerschaftsprojekt seiner Kirchengemeinde Denklingen. Mehrmals half er beim Aufbau einer Trinkwasserversorgung im tansanischen Matiazo mit. „Es kann ja nicht sein, dass es immer nur um unseren Wohlstand geht.“

Gar nicht selten fiel in diesen arbeitsreichen Jahren Christian Rahns Geburtstag „flach“, weil irgendwo eine Heizung ausfiel. „Schließlich wollen die Leute es zu Weihnachten warm haben, da spielte es keine Rolle, ob ich Geburtstag hatte oder nicht.“ Aber zum Glück gab es Freunde, die es sich nicht nehmen ließen, ihm am Vormittag ein Ständchen zu bringen und auf sein Wohl anzustoßen. Was Christian Rahns Kinder zu der ungeduldigen Frage veranlasste: „Wann gehen die denn endlich? Der Baum soll doch wohl vor dem Gottesdienst noch aufgestellt werden, oder?!“

Wunderbar geborgen

Richtig genießen kann Christian Rahn seinen „Weihnachtsgeburtstag“ eigentlich erst, seit er im Ruhestand ist. In diesem Jahr freut er sich auf seinen 75. Geburtstag in großer Runde. Dankbar ist er für die Erfahrung, dass er sich auch in schweren Tagen „von guten Mächten wunderbar geborgen“ gefühlt hat. Dass er Geburtstag und Weihnachten zwar nicht bei allerbester Gesundheit, aber im Frieden mit Frau, Kindern und Enkeln feiern kann, das erlebt er als besonderes Geschenk.

Was ihm an Weihnachten wichtig ist? „Auch wenn wir vom historischen Jesus vielleicht gar nicht so viel wissen, reicht es mir zu wissen, dass wir bei ihm lernen könnten, versöhnt und in Frieden zu leben.“

Fortsetzung folgt - wir porträtieren zwei weitere Menschen, die an Heiligabend Geburtstag haben.

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Sonntag, 22. Dezember 2013. Die letzte Aktualierung erfolgte am Sonntag, 22. Dezember 2013. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

ekir.de / Karin Vorländer / 22.12.2013