Elke Müller Elke Müller

Heiligabend (2)

Zwischen freundlichem Erstaunen und leisem Mitleid

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„Ach – ein Christkind!“ Seit Kindertagen kommt Elke Müller, Jahrgang 1959, diese Mischung aus freundlichem Erstaunen und leisem Mitleid entgegen, wenn sie ihr Geburtsdatum nennt. Elke Müller ist am 24. Dezember geboren.

Elke Müllers drei Jahre älterer Bruder hätte sein an Heiligabend geborenes Schwesterchen allerdings am liebsten aus dem Fenster des kleinen Bauernhofes in Waldbröl-Escherhof geworfen, den die Eltern damals bewirtschafteten. So haben es ihr die Eltern später erzählt. Er empfand das „Christkind“ Elke durchaus nicht als Geschenk. Schließlich war das neue Baby dafür verantwortlich, dass Weihnachten ohne Mama gefeiert werden musste.

Für ihr Geburtsdatum bemitleidet zu werden, dafür sieht Elke Müller keinerlei Grund. Denn Elkes Mutter schaffte es, im Weihnachts-Vorbereitungstrubel sogar noch Elkes Kindergeburtstag auszurichten. „Bis 18 Uhr wurde mein Geburtstag gefeiert. Mit Schokoladenwettessen und allem, was dazu gehört“, erinnert sich Elke Müller gerne. „Ich bin auch mit Geschenken nie zu kurz gekommen.“

Ein einziges Mal den Termin verlegt

Ihren 13. Geburtstag verlegten sie allerdings probeweise in den Sommer. Einfach, weil sie so gerne einmal mit Freundinnen im Sonnenschein feiern wollte. Nicht nur, dass es regnete – auch das gewohnte Geburtstagsgefühl stellte sich einfach nicht ein. Seither feiert Elke Müller wieder gerne am Heiligabend Geburtstag.

Viele Jahre lang hat sie als Mitarbeiterin im Kindergottesdienst sogar noch das Krippenspiel im Festgottesdienst in ihrer Gummersbacher Kirchengemeinde mitgestaltet. Besonderen Stress hat ihr die Vorbereitung des Mehrfachfestes nie gemacht. Schließlich hat sie von ihrer Mutter gelernt, mit allen Vorbereitungen schon einen Tag vor Heiligabend fertig zu sein.

In diesem Jahr Dienst im Krankenhaus

In diesem Jahr macht Elke Müller sogar an Heiligabend Dienst im Krankenhaus, wo sie nach einer längeren Familienpause wieder als Krankenschwester arbeitet. Nicht erst, seit sie vor etlichen Jahren an Brustkrebs erkrankte, weiß sie, wie kostbar und zerbrechlich das Leben ist und wie willkommen alles ist, was Zuversicht geben kann.

„Am liebsten hätte ich genügend Zeit, um auf Station für die Patienten Weihnachtslieder zu singen“, wünscht sich Elke Müller. Und wer weiß, vielleicht schafft sie es, am Heiligabend ihre Blockflöte auf Station klingen zu lassen. Vom „Christkind“ selbst gespielt.

Fortsetzung folge: Im dritten Porträt stellen wir Kati Wagener vor - auch sie ist an Heiligabend geboren.

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Montag, 23. Dezember 2013. Die letzte Aktualierung erfolgte am Montag, 23. Dezember 2013. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

ekir.de / Karin Vorländer / 23.12.2013