Die Heinsberger mobile Kirche beim Gottesdienst an Pfingstmontag. Die Heinsberger mobile Kirche beim Gottesdienst an Pfingstmontag.

Mobile Christuskirche in Heinsberg

Wenn die Kirche durchs Dorf rollt

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Ein wenig staunt Pfarrer Sebastian Walde noch immer über den Erfolg seiner Kirche auf Rollen. "Am Pfingstmontag hatten wir über 300 Menschen in unserem Gottesdienst", erzählt der Pfarrer der Christuskirche in Heinsberg im Kirchenkreis Jülich. "So viele sind normalerweise nur am Heiligen Abend in der Kirche."

Seit mehr als einem Jahr ist der 49-Jährige mit einer mobilen Kirche in seiner Gemeinde unterwegs, die auf einem Fahrzeuganhänger montiert ist. Die Gemeinde der Christuskirche, die den größten Teil des Stadtgebiets von Heinsberg umfasst, hat 5.200 Mitglieder, die in der "Diaspora" leben, wie Pfarrer Walde sagt.

17 Prozent der Menschen in dem Gebiet seien evangelisch. Für seine Gemeindeglieder in den 18 zum Teil weit verstreuten Ortsteilen Heinsbergs gab es als Gottesdienststätte vor dem Start der mobilen Kirche nur die Christuskirche in der Erzbischof-Philipp-Straße.

Auch mal an einem Ausflugscafé

Wer im ländlichen Raum am Sonntagmorgen auf den Bus angewiesen sei, habe es schwer, sagt Walde. Die mobile Kirche biete die Chance, zu den Menschen vor Ort zu gehen. Am Pfingstmontag war sie beispielsweise an einem beliebten Ausflugscafé aufgebaut, ein anderes Mal auf einer Wiese im Ortsteil Unterbruch.

Gebaut hat die Kirche auf Rollen ein Messebauunternehmen aus der Region. Sie besteht aus einem schlichten, rechteckigen Aufbau, der auf einen Anhänger montiert wurde, und verfügt über einen Miniatur-Kirchturm, ein Rednerpult, ein beleuchtetes Kreuz und eine Lautsprecheranlage.

Sie wird auch eingeladen

Die Glocke stamme aus einer entwidmeten Kapelle im benachbarten Selfkant, berichtet Pfarrer Walde. Für die musikalische Gottesdienstbegleitung steht ein angeschlossenes Keyboard zur Verfügung, manchmal spielt auch ein Bläser-Duo oder eine Band.

Mittlerweile fährt die mobile Kirche nicht nur zu den Menschen, sie wird auch eingeladen. Für Walde etwas ganz Besonderes: "Kirche ist nicht mehr Gastgeber, sie ist zu Gast, und die vielen Besucherinnen und Besucher sind die Gastgeber." Dabei seien die Gottesdienstbesucher in der Regel keine treuen Kirchgänger, ist der Pfarrer überzeugt: "Die Schwelle ist hier offenbar niedriger für die Menschen."

Ehrenamtliches Engagement fördert Erfolg

Zwar werde die mobile Kirche von dem einen oder anderen zunächst kritisch beäugt. Aber grundsätzlich habe er die Erfahrung gemacht, dass dort, wo sie einen Gottesdienst feiere, die Leute stoppten und oft bis zum Schluss stehen blieben, berichtet Walde.

Der Pfarrer betont, dass in Heinsberg auch viel ehrenamtliches Engagement der Gemeinde zum Erfolg des Modells beigetragen habe. So engagieren sich Ehrenamtliche zum Beispiel bei der Instandhaltung der mobilen Kirche, aber auch bei der Gestaltung der Gottesdienste. Noch müsse geklärt werden, wie der Einsatz der Kirche künftig gestaltet wird, sagt Walde und betont zugleich: "Solange die Ehrenamtler weitermachen, mache ich auch weiter."

 

ekir.de / epd.de; Foto: Kirchengemeinde Heinsberg / 03.01.2018