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Himmel Der Himmel ist ein Bild für Gottes unermessliche Wirksphäre.

Feiertag Christi Himmelfahrt

Jesus findet seine Vollendung in Gott

Warum folgt auf die Auferstehung die Auffahrt? Über die Bedeutung des Feiertags Christi Himmelfahrt - zwischen Oster- und Pfingstfest - schreibt Prof. Dr. Cornelia Richter, Jahrgang 1970, Professorin für Systematische Theologie und Hermeneutik in Bonn.

Prof. Dr. Cornelia Richter Prof. Dr. Cornelia Richter

Die Evangelien und sonstigen Texte des Neuen Testaments geben von der Himmelfahrt Christi kein einhelliges Zeugnis. Ausführlich erzählt wird sie vor allem im Evangelium nach Markus und in der Apostelgeschichte, wobei der Markus-Schluss später hinzugefügt wurde. Wenn wir heute Himmelfahrt 40 Tage nach Ostern feiern, dann schiebt sich ein langer Zeitraum zwischen Auferstehung und Himmelfahrt. Doch diese zeitliche Distanz ist erst im 5. Jahrhundert in den kirchlichen Festkalender eingegangen. In den meisten neutestamentlichen Texten hingegen (besonders wichtig Phil 2,9) wird die Auferstehung mit der Himmelfahrt sehr viel enger zusammengerückt. Das hat theologische Gründe.

Mit der Auferstehung bzw. mit der Auferweckung ist theologisch ausgesagt, dass der Tod nicht das letzte Wort hat, sondern überwunden ist. Jesus kehrt zwar nicht in derselben Weise leiblich ins Leben zurück, wie es von Lazarus erzählt wird. Aber die Zeugnisse berichten, dass er den Frauen am Grab erschienen ist, ebenso den Jüngern, die sich angstvoll und verzweifelt in ihren Häusern verborgen haben, und schließlich auch jenen Jüngern, die sich auf den Weg nach Emmaus gemacht haben. Jesus wird in diesen Erscheinungen meist nicht sofort erkannt, das heißt er erscheint zwar in irgendwie leiblicher Gestalt, aber nicht in derselben Weise wie vor seinem Tod.

Obwohl er also in leiblicher Gestalt auftritt, ist er nicht mehr „nur“ von dieser Welt – er ist vielmehr schon ein Stück über diese Welt hinaus. Deshalb kann er auch durch verschlossene Türen gehen (zum Beispiel 1 Tim 2), deshalb kann er plötzlich „mitten unter ihnen sein“ und sich (besonders eindrücklich in der Emmaus-Geschichte bei Lukas 24, 13-35) im Moment des Erkennens entziehen. Mit dem Motiv der Himmelfahrt wird dieses „über die Welt hinaus“ noch verstärkt: Er wird ganz in die Nähe Gottes gerückt, er wird entrückt, ein Motiv, das sich auch für Elia und andere biblische Figuren findet. Jesus findet seine Vollendung in Gott.

Gott ist gegenwärtig, weil er im Himmel ist

Doch es ist nicht nur der Gedanke der Vollendung seines Lebens und seiner Bestimmung, der damit wichtig wird. Ebenso wichtig ist ein zweiter Gedanke, der noch mehr mit uns Menschen zu tun hat: Die Erzählungen sprechen Christus damit nämlich ein Prädikat zu, das ansonsten nur Gott selbst zukommt, das der Ubiquität – Allpräsenz oder Allgegenwart. Gott ist gegenwärtig, weil er „im Himmel“ ist, mit dem keine zeitlich oder räumlich messbare Größe gemeint ist.

Der Himmel ist vielmehr die metaphorische Bezeichnung für die Wirksphäre Gottes, die per definitionem unermesslich, unbegrenzt, allgegenwärtig und allumfassend zu denken ist. Mit dem Bild von Christi Himmelfahrt geht er in diese Wirksphäre Gottes ein und kann deshalb im Glauben als „gegenwärtig“ empfunden werden.

Die Festfolge lädt zu Nachdenken, Lobpreis und Gebet ein

Mit dem Pfingstfest, das wiederum einige Zeit später gefeiert wird, wird diese besondere Art der Gegenwart und Nähe Gottes noch einmal gesteigert und im Begriff des Heiligen Geistes pointiert. Weil er uns von Gott gegeben ist, sind auch wir in die Nähe Gottes mit hinein genommen. Das ist ein hoch anspruchsvoller wie tröstender Gedanke.

Es ist daher theologisch sehr klug, dass der kirchliche Festkalender die theologische Gleichzeitigkeit von Auferstehung und Himmelfahrt, dann auch Pfingsten, in eine für uns Menschen langsame Festfolge auseinanderdividiert. So haben wir zwischen den theologischen Höhepunkten Zeit und Raum, um über das Gehörte in Ruhe nachdenken und es in Lobpreis wie Gebet vergegenwärtigen zu können.

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ekir.de / Prof. Dr. Cornelia Richter / 14.05.2015



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