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Sprachen über die Zukunft der christlich-jüdischen Beziehungen: der rheinische Präses Nikolaus Schneider, der Präsident der Union liberaler Juden in Frankreich, Jean François Bensahel, und der Vorsitzende des Rates, der katholische Theologe Phil Cunningha Sprachen über die Zukunft der christlich-jüdischen Beziehungen: der ehemalige rheinische Präses Nikolaus Schneider, der Präsident der Union liberaler Juden in Frankreich, Jean François Bensahel, und der Vorsitzende des Rates, Phil Cunningham.

ICCJ-Tagung

Gemeinsame Hoffnung beleben

Aufrufe zum gemeinsamen Handeln standen am Ende der Konferenz des Internationalen Rates der Christen und Juden in Bonn. Im Blick auf Kooperation stehe der in der Nachkriegszeit begonnene Dialog noch ganz am Anfang, betonten die Redner auf dem Treffen des Dachverbandes.

Nikolaus Schneider Nikolaus Schneider

Der frühere rheinische Präses Nikolaus Schneider sprach sich für mehr gemeinsamen Einsatz von Christen und Juden aus. Beide müssten miteinander für eine gerechtere Welt eintreten, sagte Schneider. Er wünsche sich von der einen wie der anderen Religion „eine stärkere Ungeduld auf das Reich Gottes hin“.

Juden wie Christen sollten ihre gemeinsame Hoffnung auf das Kommen des Messias beleben und sich davon zum Einsatz für Gerechtigkeit und Frieden über die Grenzen der Religionen hinaus motivieren lassen. Das Verhältnis zwischen beiden Religionen werde „in der Praxis entschieden“ und nicht nur in theologischen Dialogen.

Eindringlich warnte Schneider die Religionen vor einer Korrumpierung durch politische Macht. Solange das Christentum auf der Seite des Einflusses stand, habe es das Judentum diskriminiert und den Dialog verweigert. Die Frage nach einer Verquickung mit der Macht stelle sich heute auch im Blick auf den Islam, „und ich denke auch an das Judentum im Staat Israel“, sagte Schneider.

Absage an Mission gegenüber Juden

Für den gemeinsamen Einsatz müssten die Christen jede Mission gegenüber Juden unterlassen, forderte der frühere Präses. Er begrüßte es, dass die Evangelische Kirche in Deutschland sowohl der Mission gegenüber Juden eine Absage erteilt als auch die judenfeindlichen Äußerungen Martin Luthers verurteilt hat.

Dem Einwand, dass die Befürworter der Mission unter Juden mit dem Neuen Testament argumentierten, hielt Schneider entgegen: „Dann müssen wir sie mit der Heiligen Schrift vom Gegenteil überzeugen. Ich glaube, dass das geht.“ Die Evangelische Kirche im Rheinland sprach 1980 als erste Kirche einen Missionsverzicht gegenüber Juden aus.

Jean François Bensahel Jean François Bensahel

Der Präsident der Union liberaler Juden in Frankreich, Jean François Bensahel, forderte seine Religion auf, „die christlichen Schwestern und Brüder anzuerkennen und zu sagen: Ihr gehört zum Haus Israel“. Das Christentum habe sich grundlegend reformiert und zu seinen jüdischen Wurzeln bekannt. Diese Transformation des Christentums werde auch das Judentum verändern.

„Das Haus des Judentums ist groß genug für alle“, sagte Bensahel. Beide Religionen sollten einander als Schöpfung Gottes anerkennen. Auf Nikolaus Schneiders Frage, ob Christen auch mit der Vorstellung von Christus als dem Sohn Gottes ins jüdische Haus kommen könnten, antwortete er lächelnd: „Das ist eine Frage an Dich, nicht an mich.“

Phil Cunningham Phil Cunningham

Der Vorsitzende des Rates, der katholische Theologe Phil Cunningham, zog ein positives Resümee nach sieben Jahrzehnten des theologischen Dialogs zwischen Christen und Juden. „Wir sind in den letzten 70 Jahren weiter gekommen als in den 2000 davor“, sagte er. Doch das sei kein Grund zur Selbstzufriedenheit. Beide hätten noch einen weiten Weg vor sich „beim Verlernen der reflexhaften Abwehr“. Nun gelte es zu fragen, ob die Unterschiede zwischen Christen- und Judentum unverrückbare Gegensätze seien oder ein Ergebnis unterschiedlicher Interpretationen.

Der katholische Theologe Gregor Maria Hoff hatte auf dem Treffen eine „neue Grammatik“ für den theologischen Dialog zwischen den Religionen vorgeschlagen. Grundsätzlich, so Cunningham, sollten beide Religionen auf ihrem gemeinsamen Weg die Mahnung des Propheten Micha beherzigen: „Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.“

Der Internationale Rat der Christen und Juden befasste sich auf seiner Bonner Tagung mit dem Thema „Reformieren, interpretieren, revidieren: Martin Luther und 500 Jahre Tradition und Reform in Judentum und Christentum“. Der Rat ist der Dachverband der Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit in 40 Ländern. Zu den Mitveranstaltern der Bonner Konferenz gehört die Evangelische Kirche im Rheinland.

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ekir.de / Wolfgang Thielmann, Fotos: Martin Magunia / 06.07.2017



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