EKiR von A-Z
EKiR von A-Z Themen, Arbeitsfelder, kirchliche Einrichtungen von A-Z mehr

Gottesdienst zum Beginn der Vollversammlung des Internationalen Kirchenkonvents. Gottesdienst zum Beginn der Vollversammlung des Internationalen Kirchenkonvents.

IKK-Vollversammlung

Den großen Kreis hinkriegen

„Kriegen wir einen großen Kreis hin?“, fragt Pfarrerin Monika Gebhardt in der alten Stadtkirche der Gemeinde Duisburg-Meiderich. Im Eröffnungsgottesdienst zur Vollversammlung des Internationalen Kirchenkonvents für das Rheinland und Westfalen (IKK) wird es Zeit für das gemeinsame Abendmahl. 

Rund 130 Mitglieder anderssprachiger Gemeinden in Nordrhein-Westfalen stehen auf und bilden ein großes Rund hinter den Stuhlreihen, um den Abendmahlstisch. Auch Monika Gebhardt, George Melel und Yao Moto, die den Gottesdienst gemeinsam leiten, treten in den Kreis, nachdem sie Brot und Rebensaft ausgeteilt haben.

Die Stimmung ist locker, alle lächeln und schieben einander weiter, bis jeder Platz hat. Sie sind aus Krefeld, Wuppertal, Köln und Bochum angereist, um den Tag unter dem Motto: „Jesus Christus spricht: ‚Ich bin der Weinstock; Ihr seid die Reben! ‘ Unsere gemeinsamen Wurzeln in der Reformation“, miteinander zu verbringen.

Blickt man auf ihre unterschiedlichen Wurzeln, dann reichen hier indische, afrikanische, niederländische, koreanische, deutsche und indonesische Christinnen und Christen einander die Hände. Für einen kurzen, sehr ergreifenden Moment wird der Erdenkreis spürbar und sichtbar.

Früchte der Zusammenarbeit genießen

„Einmal im Jahr muss man einfach miteinander die Früchte der Zusammenarbeit genießen“, sagt Markus Schaefer, der Landespfarrer für die Gemeinden anderer Sprache und Herkunft, noch ganz im Bild des Weinstocks, nach dem Gottesdienst. „Die Art, wie bei uns die Zusammenarbeit mit den ökumenischen Partnergemeinden in Konvent und Komitee organisiert ist, verbreitet sich inzwischen in den anderen deutschen Landeskirchen“, sagt er.

Und denkt zurück an die Zeit, als noch „Listengemeinden“ der allgemeine, bürokratisch-kühle Sprachgebrauch war. „Wir können voneinander noch viel lernen“, fügt er hinzu.

Gesucht, gefunden

Zum Beispiel von Odeon Beteyo, der sich mit großer Wärme für die Aufnahme seiner Gemeinde in den IKK bedankt. „Wir haben uns einsam gefühlt und waren deshalb traurig, Wir haben doch eine Familie gesucht, und im IKK haben wir diese Familie jetzt gefunden, dafür danken wir“, sagt der Mann mit Wurzeln in Wesseling und im Kongo.

Wie in Familien üblich, muss man auf kontroverse Diskussionen nicht lange warten. Eben noch haben alle einträchtig vor der großen Leinwand gesessen und einen kurzen Film über Martin Luther und sein reformatorisches Erbe angeschaut, dann gehen sie in die Arbeitsgruppen.

Verschiedene Ausprägungen von Frömmigkeit

„Bei uns war ‚Allein die Schrift (sola scriptura)‘ das Thema und da gab es von den glühenden Verfechtern der Verbalinspiration bis zu Leuten, die intensiv nach neuen Interpretationen von biblischen Texten suchen, wirklich sehr verschiedene Ausprägungen von Frömmigkeit“, sagte Pfarrerin Beate Heßler vom Amt für Mission, Ökumene und kirchliche Weltverantwortung der Evangelischen Kirche von Westfalen zwei Stunden später.

Ähnliches ist auch aus den anderen Arbeitsgruppen zu hören. Wenn man von einander ernsthaft wissen will, was dem anderen im Glauben bewegt, dann werden schnell fundamentale Unterschiede greifbar. Die man dann hinterher gemeinsam aushalten muss.

"Wie man mit uns zurecht kommen kann"

Wie das auf lange Sicht gehen kann, dafür ist das Zusammenleben der deutschen und der afrikanischen Gemeinde in Meiderich ein Beispiel. Yao Moto, der Pastor der Apostels‘ Revelation Society ist dort gerade zum zweiten Mal ins Presbyterium gewählt worden. „Das Zusammenleben klappt schon seit 18 Jahren mit viel Verständnis für fremde Sitten“, sagt Pfarrerin Gebhardt mit einem Schmunzeln.

„Diese kulturelle Sensibilität besitzt Herr Moto nämlich in reichem Maße." Und seiner Gemeinde habe er "immer nahebringen können, wie wir Deutschen ticken und worauf man Rücksicht nehmen muss, um mit uns zurecht zu kommen“.

Facebook, Twitter und Google+ einschalten
Seite drucken Seite versenden

 

ekir.de / Sabine Merkelt-Rahm / 11.04.2016



© 2017, Evangelische Kirche im Rheinland - EKiR.de
Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung nur mit Genehmigung.