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Vertreterinnen und Vertreter der fremdsprachigen Gemeinden: Sie bilden den Internationalen Kirchenkonvent. Foto: Dirk Johnen Vertreterinnen und Vertreter der fremdsprachigen Gemeinden: Sie bilden den Internationalen Kirchenkonvent. Foto: Dirk Johnen

Gemeinden anderer Sprache und Herkunft

Bereicherung und große Chance

Bunt, bereichernd und belebend: So stellt sich das Zusammenleben von Gemeinden anderer Sprache und Herkunft mit einheimischen landeskirchlichen Gemeinden im Alltag oft dar. Dies wurde deutlich bei der Vollversammlung des Internationalen Kirchenkonvents Rheinland und Westfalen (IKK) in Düsseldorf.

„Best practice - Gelungene Beispiele für ,Gemeinsam Kirche sein'“ lautete das Thema des Treffens, an dem rund siebzig Vertreterinnen und Vertreter internationaler Gemeinden teilnahmen. In Workshops stellten einige von ihnen gelungene Beispiele für ökumenische Zusammenarbeit vor.

Bereits der Ort der Versammlung ist ein solches Beispiel: Das Klarenbachhaus in Düsseldorf-Holthausen war früher Gemeindezentrum der evangelischen Klarenbachgemeinde, wurde vor zwei Jahren an die koreanische Gemeinde ZuKeRo verkauft. „Ich erinnere mich gut daran, wie schwer es uns im Presbyterium gefallen ist, uns davon zu trennen“, berichtete Presbyter Andreas Schürmann im Plenum.

Veränderung ist nicht schlecht

Doch dabei blieb es nicht: „Es hat sich vieles geändert in unserer Gemeinde, aber anders, als wir Deutschen es immer denken, ist es nicht schlechter geworden, weil es sich geändert hat. Denn jetzt haben wir mitten im Stadtteil eine Kirchengemeinde, die in guter Nachbarschaft mit uns lebt und mit zunehmender Intensität Glaube in den Alltag bringt.“

Sowohl er als auch Jae-Woan Kim, Pfarrer der ZuKeRo-Gemeinde, betonten ihre Freude über die gute, vertrauensvolle Zusammenarbeit und die vielen Feste, die sie gemeinsam feiern. Das seie Schätze für beide Seiten, sagt Kim. Schürmann erklärt: „Wir haben gemeinsame Konzerte, wir haben Weihnachtsfeiern, wir haben ein gemeinsames Gemeindefest: Das sind feste Bestandteile unseres Lebens. Ich möchte sagen, wie dankbar wir dafür sind.“

Jahrzehntelang nur Gast

Schon 43 Jahre existiert die ZuKeRo-Gemeinde. Gegründet wurde sie in den siebziger Jahren von koreanischen Einwanderern ins Ruhrgebiet und den Großraum Düsseldorf. Jahrzehntelang feierten die Mitglieder ihre Gottesdienste zu Gast in anderen Kirchen. Seit zwei Jahren haben die aktuell rund 280 Mitglieder nun das Klarenbachhaus als eigenes Zentrum, das Kirche und Gemeindehaus in einem ist.

„Das ändert vieles“, erzählt Pfarrer Kim. Nun gebe es ein festes Haus, das immer ein Treffpunkt für Jung und Alt sei. Das sei eine starke inhaltliche Bereicherung. Doch im Workshop verschweigt er auch nicht die Nachteile des Erwerbs: „Es kostet sehr viel Geld, ein Gebäude zu unterhalten.“

"Spectrum" ist international ausgerichtet

Wesentlich jünger ist die „Spectrum International Church“, eine international ausgerichtete freikirchliche Gemeinde im Norden Düsseldorfs. Vor vier Jahren wurde sie von einem deutschen, einem amerikanischen und einem koreanischen Pfarrer gegründet und von Beginn an international ausgerichtet. „Ich bin Kind der koreanischen Migrantengemeinde in Deutschland gewesen“, erzählt Pfarrer Mike Lee.

„Aber ich habe die Notwendigkeit gesehen, dass die Gemeinden sich mehr öffnen müssen. Wir waren nur unter uns. Wir mussten etwas machen für andere Menschen mit Migrationshintergrund.“ Auf acht verschiedene Nationalitäten kommt er ohne langes Nachdenken, wenn er im Kopf die 50 bis 60 regelmäßigen Gottesdienstbesucherinnen und -besucher durchgeht, die sich sonntags in der Kulturkirche in Kaiserswerth treffen. Manchmal sind es auch mehr, denn Spectrum arbeitet eng mit der ökumenischen Flüchtlingshilfe im Stadtteil zusammen.

Neues bringt Dynamik

Lee hofft auch weiterhin auf Offenheit gegenüber Fremden und Neuem. Der 43-jährige Pfarrer mit koreanischen Wurzeln, der in Duisburg groß geworden ist und in den USA studiert hat, ist der Meinung, dass die Gemeindegründungen Impulse für die deutsche christliche Landschaft bringen. „Denn der Start von etwas Neuem bringt Dynamik mit sich.“

Wichtig sei, nicht in Konkurrenz zu den bestehenden Ortsgemeinden zu treten, sondern ökumenisch zu arbeiten. „Dann kann man sich gegenseitig ergänzen, sich interkulturell öffnen und internationaler werden“, so Lee. Sein Credo: „Man sollte versuchen, die verschiedenen Kulturen und die verschiedenen Perspektiven, die in den Kulturen angelegt sind, wahrzunehmen. Das hilft uns zu beleuchten, was das Evangelium ist.“

Russich-sprachige Gemeinde gesammelt

Regelrecht überrascht von dem Wunsch, eine eigene Gemeinde zu gründen, wurde der Russe Alex Kabulov, der 2011 mit seiner russlanddeutschen Frau nach Koblenz kam. Schon in Moskau hatte er sich als Jugendpastor engagiert, und nach einer Weil begann er in Koblenz, interessierte Menschen zu sammeln und eine Gemeinde zu gründen. Dabei kooperierte seine russisch-sprachige Gemeinde von Anfang an eng mit der Landeskirche.

In Koblenz war bis Februar auch Wolfgang Hüllstrung als Pfarrer tätig, der seitdem im Landeskirchenamt für den Kontakt zu Gemeinden anderer Sprache und Herkunft im Rheinland und Westfalen zuständig und Mitglied des IKK-Komitees ist. Als ehemaliger Pfarrer in einer Gemeinde, in der mehr als die Hälfte der Menschen Migrationshintergrund hatte, weiß auch er von befruchtender Zusammenarbeit zu erzählen. „Wir haben einfach darauf reagiert, was da war“, erzählt Hüllstrung. So fanden in der Kirche an einem Wochenende manchmal russisch-orthodoxe, kongolesische und vietnamesische Gottesdienste statt.

Gottes guter Geist verbindet

Düsseldorfs Superintendentin Henrike Tetz sagt es so: „Das gemeindliche Leben wird vielfältiger und bunter. Das ist jetzt schon eine große Bereicherung und auch eine große Chance für die Zukunft unserer Gemeinden.“

Und Presbyter Andreas Schürmann, beseelt vom IKK-Gottesdienst, betont: „Das ist ein gutes Beispiel dafür, wie Gottes guter Geist über Nationen, Sprachen und Grenzen hinweg Menschen verbindet. Und ich glaube, dass ich für uns alle spreche, wenn ich wünsche, dass dieser Geist all diejenigen erhellt und heilt, die Erhellung und Heilung brauchen.“

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ekir.de / Alexandra Stoffel / 09.05.2017



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