EKiR von A-Z
EKiR von A-Z Themen, Arbeitsfelder, kirchliche Einrichtungen von A-Z mehr

Wie verhält sich menschliches Recht zu Gottes Geboten? Prof. Klaus Müller (v.l.), Michael Rubinstein, Dr. Volker Haarmann und Jehoshua Ahrens. Wie verhält sich menschliches Recht zu Gottes Geboten? Prof. Klaus Müller (v.l.), Michael Rubinstein (Jüdische Gemeinden Nordrhein), Dr. Volker Haarmann (EKiR) und Rabbiner Jehoshua Ahrens.

Neues jüdisch-christliches Veranstaltungsformat gestartet

Aus dem Herzen: Orientierung in ethischen Fragen

„Impulsives. Jüdisch-christliches Lehrhaus“ – unter dieser Überschrift fand die Auftaktveranstaltung eines neuen Veranstaltungsformates statt. Dazu hatten die Evangelischen Kirchen von Westfalen und im Rheinland sowie der Landesverband der jüdischen Gemeinden Nordrhein in die Evangelische Akademie in Villigst eingeladen.

Das Ziel: eine gemeinsam jüdisch-christlich veranstaltete Akademie-Tagung, die sich sowohl an christliche als auch an jüdische Teilnehmerinnen und Teilnehmer richtet. Michael Rubinstein, Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinden Nordrhein, zeigte sich zusammen mit den anderen Veranstaltern durchaus zufrieden mit dem Erfolg der Auftaktveranstaltung, auch wenn die christlichen Teilnehmerinnen und Teilnehmer noch in der weitaus größeren Zahl das Bild prägten.

Um Orientierung in gesellschaftlichen Fragen aus dem „Herzen des Judentums“ bzw. „aus dem Herzen des Christentums“ – darum ging es bei dieser ersten Tagung des jüdisch-christlichen Lehrhauses. Thema war die Suche nach Antworten auf ethische Fragen in der gegenwärtigen gesellschaftlichen Debatte: „Menschen Recht. - Gottes Gebot. Wie ethisch soll Religion heute sein?“

Differenziertes Bild jüdischer Ethik

Ausgangspunkt war dabei das vom Zentralrat der Juden in Deutschland herausgegebene erste deutschsprachige Standardwerk zu Fragen jüdischer Ethik unter dem Titel „’Lehre mich, Ewiger, Deinen Weg’ – Ethik im Judentum“, das sich u.a. dadurch auszeichnet, dass es die vorherrschenden Meinungen des orthodoxen, konservativen und progressiven Judentums widerspiegelt und somit ein differenziertes Bild der jüdischen Ethik zeigt.

„Welche Rolle spielt eine jüdische Ethik in den gesellschaftlichen Debatten der Gegenwart?“, wenn die Religionen insgesamt immer mehr an Einfluss verlieren, wurde in der Diskussion gefragt. Shila Erlbaum, Kultus- und Bildungsreferentin beim Zentralrat der Juden in Berlin, lud in ihrer Einführung dazu ein, das Lehrbuch als eine Hilfestellung zur moralischen Urteilsbildung aus unterschiedlichen jüdischen Quellen zu verstehen und dadurch auch für einen Dialog der Religionen über gesellschaftliche Fragen in der Gegenwart einzutreten.

Gemeinsam handeln, Gewichte neu justieren

Die Diskussion drehte sich um die Frage, wie es religiös geprägten Menschen – Juden und Christen gemeinsam – gelingen kann, durch ihr Handeln das, was in der Welt aus dem Schöpfungsgleichgewicht gekommen ist, wieder neu zu justieren. Zugleich kam wiederholt zum Ausdruck, dass die Teilnehmenden an einem intensiveren und umfangreicheren Dialog zwischen jüdischen und christlichen Gemeinden interessiert sind.

Die Freundschaft zwischen dem Rabbiner Abraham Jehoshua Heschel und dem Pfarrer Martin Luther King, in die Kirchenrat Dr. Volker Haarmann aus Düsseldorf einführte, zeigt beispielhaft, wie stark durch einen intensiven Dialog zwischen Judentum und Christentum die Welt verändert werden kann.

Prof. Dr. Klaus Müller, Praktischer Theologe aus Heidelberg, verwies darauf, dass für den jüdisch-christlichen Dialog eine neue Weise des Habitus auf christlicher Seite gefordert ist, der als Voraussetzung für ein Zugehen aufeinander geprägt sein muss von der bedingungslosen Akzeptanz des jeweiligen Gegenübers.

Religion als Quelle des Friedens

Mit dem Hinweis auf das Papier der orthodoxen Rabbiner „Den Willen unseres Vaters im Himmel tun: Hin zu einer Partnerschaft zwischen Juden und Christen“ scheint nach Auffassung von Rabbiner Jehoshua Ahrens (Nürnberg) auch auf jüdischer Seite eine neue Dialogphase zu beginnen. Auch Ahrens machte klar, dass beide Religionen vor der Frage stehen, „was wir sie gemeinsam tun können“, um deutlich zu machen, dass die Religion eine Quelle des Friedens ist.

Für das kommende Jahr ist schon die Fortsetzung geplant, wenn wieder zum Reformationstag und zu Allerheiligen eingeladen werden wird unter der Überschrift: „Impulsives. Jüdisch-christliches Lehrhaus, Teil II“

Facebook, Twitter und Google+ einschalten
Seite drucken Seite versenden

 

ekir.de / eb / 08.11.2016



© 2017, Evangelische Kirche im Rheinland - EKiR.de
Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung nur mit Genehmigung.