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Mit Teilnehmenden aus mehreren Kontinenten: die VEM-Konferenz zum Thema Inklusion in Südafrika. Mit Teilnehmenden aus drei Kontinenten: die VEM-Konferenz zum Thema Inklusion in Südafrika.

Internationale VEM-Konferenz zum Thema Inklusion

Auf der Suche nach Gemeinschaft und Willkommenskultur

Es war ein historischer Moment und Ashley Fransman, Pastor der Rhenish Church in South Africa, zeigte sich stolz darauf: Zum ersten Mal in ihrer Geschichte besuchten Gäste aus Kirchen gleichen Namens den Sonntagsgottesdienst der Gemeinde Ravensmead bei Kapstadt. 

Pfarrer Milton Chang von der Rhenish Church in Honkong (China) hielt die Predigt und Marion Unger, nebenamtliches Mitglied der Kirchenleitung der Evangelischen Kirche im Rheinland, überbrachte Grüße der „Mutterkirche“. Denn die Rhenish Church in South Africa wurde einst von rheinischen Missionaren gegründet. Heute besteht sie aus neun Gemeinden, sieben davon liegen im Flachland östlich von Kapstadt, zwei in den Sederbergen im Westen Südafrikas.

Der Gottesdienstbesuch in Ravensmead war der Abschluss der internationalen Konferenz der Vereinten Evangelischen Mission (VEM) zum Thema Inklusion in der Universitätsstadt Stellenbosch. Auf Einladung der VEM, der Rheinischen Kirche in Südafrika, der Vereinigten Reformierten Kirche und der New World Foundation diskutiertem Theologen sowie Kirchenführer und –führerinnen über inklusives Handeln im Alltag ihrer Gemeinden, über Herausforderungen und Visionen. Motto der Konferenz war der Satz Jesu aus dem Matthäus-Evangelium „Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich eingeladen“ – inklusive Gemeinschaft und Kirche.

Verschiedene Erfahrungen von Ausgrenzungen

Vor dem Hintergrund der Apartheidszeit in der Geschichte Südafrikas erörterten Experten mit den 26 Teilnehmenden aus Afrika, Asien und Deutschland verschiedenste Erfahrungen von Ausgrenzung. Auch wenn in Südafrika Schwarze, Farbige und Weiße heute auf dem Papier die gleichen Rechte haben, bestimmen Benachteiligung wegen Hautfarbe, Krankheit oder sozialer Herkunft immer noch das tägliche Leben. In der Diskussion kritisierten die Teilnehmenden, dass die Kirchen selbst oft nicht das Bild von inklusiven Gemeinschaften bieten.

Zu einem stärkeren Engagement bei der Integration von Flüchtlingen in die Gesellschaft hat der Vizepräsident der Evangelischen Kirche im Rheinland, Dr. Johann Weusmann, die deutschen Kirchen auf der Konfernez aufgerufen. Der Jurist schilderte die rechtliche Situation von Flüchtlingen in Deutschland und Europa und die Rolle, die die Kirchen bei ihrer Integration in die Gesellschaft spielen können. „Wer in Deutschland Zuflucht sucht, muss möglichst schnell in der Gesellschaft ankommen“, betonte Weusmann. „Kirchen können viel dafür leisten, dass sich eine Kultur des Willkommens entwickelt.“

Beispielhafte Projekte besucht

Anlass zur Hoffnung in Fragen der Inklusion bieten verschiedene Initiativen von Kirchengemeinden und Institutionen, die sich für inklusives Handeln im Sinn des Evangeliums engagieren. Einblicke in diese praktische Arbeit boten Besuche verschiedener Projekte. „Wir haben gesehen, mit welcher Leidenschaft sich die Gemeinden der ausgegrenzten Menschen annehmen“, fasste Albert Wilfred Jebanesan, Präsident der Methodistischen Kirche Sri Lankas, seine Eindrücke von einem Besuch in Elsirivier zusammen. Die Gemeinde der Rhenish Church in South Africa am Rande von Kapstadt versucht mit Unterstützung wie einer Suppenküche für Kinder, einem umfassenden Jugendhilfeprogramm und einer Vereinigung zur Unterstützung alter Menschen den enormen sozialen Herausforderungen in einem Umfeld von 150.000 Menschen zu begegnen.

Arbeitslosigkeit, Drogenprobleme und alle Formen von Gewalt bestimmen hier den Alltag, ebenso wie in Lavender Hill. Die New World Foundation kümmert sich in diesem Township, entstanden durch die Zwangsumsiedlung von schwarzen Bevölkerungsgruppen während der 1970er Jahre, um Kinder und Jugendliche. Die Stiftung kämpft mit den Betroffenen um das Recht auf Rückkehr in ihren ursprünglichen Besitz und auf Entschädigung.

Frauen für Leitungsämtern befähigen

Hoffnung für die Zukunft macht auch das Projekt „Women in Leadership“ in Elsierivier. Die ehemalige Anti-Apartheid-Kämpferin und langjährige Parlamentsabgeordnete Mathilda Ventura hat hier zusammen mit der Kirchengemeinde eine Initiative gegründet, die Frauen ermutigt, Leitungspositionen anzustreben. „Wir bringen ihnen bei, was Leitung bedeutet, wie man im Team arbeitet, Mitarbeiterinnen gewinnt, einen Computer einsetzt oder einen Businessplan erstellt“, berichtete sie. Die Voraussetzung dafür liefert eine solide Ausbildung in einem Handwerk. Darum betreibt das Projekt eine Schneiderei, eine Backstube und eine Gärtnerei. Der Verkauf der Erzeugnisse hilft wiederum bei der Finanzierung des Projekts.

Die Konferenz beleuchtete diese und weitere Initiativen, durch die Kirchen Orte für inklusive Gemeinschaft sein wollen. In den Beiträgen wurde deutlich, dass die Kirchen dabei vor großen Herausforderungen stehen: Flüchtlingsschutz in Europa, Südafrika und in anderen Teilen der Welt, traditionelle Formen der Diskriminierung wie beispielsweise gegenüber Witwen in Kamerun, Schutz von Arbeitsmigrantinnen in Hong Kong und Farmarbeiterinnen in Südafrika, Schutz indigener Gruppen und Menschen in ländlichen Räumen vor land grabbing, Schutz von Frauen und Kindern vor sexueller und anderen Formen von Gewalt wie unter anderem in Südafrika, der Demokratischen Republik Kongo und Tansania.

Eigene Strukturen kritisch hinterfragen

„Dabei müssen Kirchen auch ihre eigenen Strukturen kritisch hinterfragen“, erklärte VEM-Vorstandsmitglied Dr. Jochen Motte. „Die VEM wird ihre Mitgliedskirchen auch in Zukunft dabei unterstützen, Modelle für inklusive Gemeinschaften zu entwickeln“, betonte Motte, Leiter der Abteilung für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung. Dies gelte insbesondere dann, wenn diese Projekte dem direkten Schutz und der Beteiligung benachteiligter, diskriminierter oder gar verfolgter Menschen dienten.

Die Teilnehmenden an der Konferenz forderten schließlich die Mitgliedskirchen der VEM zu einem selbstkritischen Blick auf den Stand von Inklusion in ihren Einrichtungen auf. In einer Abschlusserklärung regten die Delegierten an, dass die Kirchen und deren diakonische Einrichtungen ihre Stimmen erheben, wenn Menschen diskriminiert, an den Rand der Gesellschaft gedrängt oder ausgegrenzt werden.

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Mittwoch, 19. November 2014. Die letzte Aktualierung erfolgte am Mittwoch, 19. November 2014. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

ekir.de / Marion Unger / 19.11.2014



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