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Inklusion Beim Essener Projekt Menschenstadt wirken Ehrenamtliche mit und ohne Behinderung gemeinsam. Ein Beispiel gelungener Inklusion

Inklusion

Fürsorge ist nicht inklusiv

Kirche und Diakonie kümmern sich lieber um Menschen mit Behinderung, statt sie in ihre Mitte zu nehmen. Das analysieren Fachleute aus Theologie, Recht, Pädagogik und Sozialer Arbeit im Buch „Menschenrecht Inklusion“. Sie beschreiben auch, wie es anders geht. 

Fast zehn Prozent der Deutschen haben laut der Förderorganisation „Aktion Mensch“ offiziell eine Behinderung. Demnach sind es mehr als acht Millionen Bürgerinnen und Bürger, denen selbstredend die Grund- und Menschenrechte zustehen, die am gesellschaftlichen Leben teilhaben und es mitgestalten und die auf jeden Fall ihren eigenen Alltag selbstbestimmt leben. Das legt auch das vor zehn Jahren am 13. Dezember 2006 von der UNO-Generalversammlung in New York verabschiedete und 2008 in Kraft getretene Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderung fest. Die Bundesrepublik hatte es 2009 unterzeichnet.

Soweit die eigentlich selbstverständliche Grundlage des Miteinanders in unserer Gesellschaft. Doch ihren Alltag in Deutschland erleben Menschen mit Behinderung meist anders: Wenn es um ihr Wohnen, den Arbeitsplatz oder eine Partnerschaft geht, dann entscheiden darüber Ämter und Behörden sowie weltliche und kirchliche Institutionen.

Weg von der Wohltätigkeit

Diese Situation beschreiben und analysieren Expertinnen und Experten in dem Buch „Menschenrecht Inklusion – 10 Jahre UN-Behindertenrechtskonvention“. Das Ziel der Konvention fasst das Buch wie folgt zusammen: „Die UN-Behindertenrechts-Konvention fordert einen Paradigmenwechsel in der Arbeit mit Menschen mit Behinderung von wohltätiger Fürsorge zu Selbstbestimmung und Inklusion.“ Und das, da sind sich die Autorinnen und Autoren aus Sozialer Arbeit, Theologie, Recht, Heilpädagogik, Ethik, Ökonomie oder Psychologie einig, stelle eine große Herausforderung für alle Arbeitsfelder der diakonischen Behindertenhilfe dar.

„Eine selbstkritische Betrachtung legt nahe, dass in Kirche und Diakonie eher Milieus dominieren, die ihre Stärke in der Fürsorge, im Engagement ,für andere‘ haben, nur selten gehören arme und behinderte Menschen selbst zum gemeindlichen Kernbereich“, schreibt Oberkirchenrat Klaus Eberl. Der Leiter der Abteilung Erziehung und Bildung im Landeskirchenamt in Düsseldorf betont in seinem Beitrag die von Gott vorgegebene Vielfalt: „Mit ihr braucht niemand Normen und Erwartungen zu entsprechen.“ Menschen dürften daher nicht auf ihre Hilfebedürftigkeit reduziert, sondern sollten selbstverständlich in der Mitte aufgenommen werden.

Nach der Kita ist es vorbei mit der Inklusion

Wie diese Inklusion an manchen Stellen funktioniert, zeigt das Buch am Beispiel des ehrenamtlichen Miteinanders bei der „Menschenstadt“ des Evangelischen Kirchenkreises Essen, beim Kunstprojekt „Strichstärke“ der Stiftung Hephata in Mönchengladbach oder anhand des mittlerweile selbstverständlichen Miteinanders von Kindern mit und ohne Behinderung in den Kitas.

Nach dem Kindergarten ist es aber meist vorbei mit der Inklusion. Warum das so ist, beschreibt der Theologe und Sozialexperte Uwe Becker in seinem Beitrag. Demnach gestalte sich unter anderem „der Arbeitsmarkt im flexiblen Kapitalismus brutal, konkurrenz- und leistungszentriert“, so der Professor für Diakoniewissenschaft an der Evangelischen Hochschule Rheinland-Westfalen-Lippe (RWL) in Bochum. Becker zieht wie alle Autorinnen und Autoren des Buches ein Fazit: Für eine Gesellschaft, in der Menschen selbstbewusst und mit Freude verschieden sein können, müsse sich das System komplett ändern.

Theresia Degener, Klaus Eberl, Sigrid Graumann, Olaf Maas, Gerhard K. Schäfer (Hg.): Menschenrecht Inklusion, 10 Jahre UN-Behindertenrechtskonvention - Bestandsaufnahme und Perspektiven zur Umsetzung in Sozialen Diensten und diakonischen Handlungsfeldern, 379 Seiten, neukirchener theologie, Vandenhoeck & Ruprecht, 25,00 Euro, PDF eBook: 19,99 Euro, ISBN 978-3-7887-3080-2 

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ekir.de / eis / Foto: Ev. Kirchenkreis Essen / 01.12.2016



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