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Inklusion Barrierefreie Sprache: Peter Schmallenbach und Silke Seyler von der Diakonie Altenkirchen wollen, dass alle Menschen die Flyer, Broschüren und Leitbilder lesen können.

Inklusion

Nimm’s leicht

Wie die Treppenstufe für Menschen im Rollstuhl, kann Sprache für Menschen mit Lernbehinderung oder Demenz zu einer Barriere werden. Für die Leichte Sprache wirbt daher die Diakonie Altenkirchen mit höchst komplizierten Sätzen und ihrer Übersetzung auf bunten Postkarten.

Vorderansicht: Sätze, die kaum einer versteht. Vorderansicht: Sätze, die kaum einer versteht.

Die Diakonie in Altenkirchen sagt: Leichte Sprache ist wichtig.
Viele Menschen brauchen Leichte Sprache, damit sie alles gut verstehen.
Denn nur wer alles versteht, kann überall mitmachen.
Die Diakonie will, dass alle Menschen die Leichte Sprache kennen.
Darum verteilt die Diakonie viele Post-Karten in der ganzen Gegend.
Auf den Post-Karten steht vorne ein schwerer Satz.
Keiner versteht ihn.
Auf den Post-Karten steht hinten der Satz in Leichter Sprache.
Jetzt verstehen ihn alle.

Geschrieben in Leichter Sprache ist das der Inhalt des folgenden Artikels. Lektoriert hat ihn Diakonie-Mitarbeiter Peter Schmallenbach, der für die „Agentur für Leichte Sprache“ regelmäßig Korrektur liest, wenn Gesetze, Arbeitsverträge oder Flyer übersetzt werden.

„Die Leichte Sprache ist barrierefrei, sie erleichtert es Migrantinnen und Migranten sowie Menschen mit Demenz oder Behinderung, die Texte zu verstehen“, sagt Peter Schmallenbach. Der Mitarbeiter der Inklusiven Freiwilligen-Agentur des Diakonischen Werks im Evangelischen Kirchenkreis Altenkirchen hat auch am Flyer der Agentur mitgewirkt. „Sie bekommen kein Geld für Ihre Arbeit. Sie verschenken Zeit für eine gute Sache“, heißt es in dieser Broschüre in Leichter Sprache.

Die Freiwilligen-Agentur in Altenkirchen im Westerwald vermittelt ehrenamtliche Tätigkeiten an Engagierte jeden Alters, an Interessierte mit und ohne Behinderung und an geflüchtete Menschen. Sie alle sollen durch das Ehrenamt aktiv am gesellschaftlichen Leben teilhaben können.

Warum kompliziert, wenn es auch einfach geht

Auf ihre vor eineinhalb Jahren gegründeten Freiwilligen-Agentur und auf die Chance von Leichter Sprache macht das Diakonische Werk Altenkirchen jetzt öffentlich aufmerksam: Gedruckt und verteilt wurden Postkarten, auf deren Vorderseite jeweils ein komplizierter Text mit vielen Fachwörtern zu lesen ist. „Es existiert ein Interesse an der generellen Rezession der Applikation relativ primitiver Methoden komplementär zur Favorisierung adäquater komplexer Algorithmen“, ist da beispielsweise zu lesen. Auf der Rückseite gibt es die Übersetzung in Leichte Sprache, und die lautet in diesem Fall: „Warum einfach, wenn’s auch kompliziert geht“.

Rückseite: Jetzt wird es verständlich. Rückseite: Jetzt wird es verständlich.

Ausgelegt werden die Karten in Geschäften, in Einrichtungen oder bei Banken. „Vor allem die Behördensprache ist für viele Menschen nur schwer zu verstehen, besonders schwer jedoch für Migrantinnen und Migranten oder für Menschen mit Behinderung“, sagt Silke Seyler, Koordinatorin der Freiwilligen-Agentur und des Mehrgenerationen-Hauses der Diakonie in Altenkirchen.

Kein Fachchinesisch, kein Genitiv, keine Verneinung

Seit zehn Jahren kämen daher Leichte Sprache und Einfache Sprache zum Einsatz, um die Hürden von Beamtendeutsch und Fachchinesisch zu überwinden. Die Leichte Sprache geht dabei in der Vereinfachung ein gutes Stück weiter als die Einfache Sprache, die auf Bürgernähe abzielt, aber nicht konkret definiert ist.

„Für das Verschriftlichen von Leichter Sprache wurden dagegen 2009 verbindliche Regeln festgelegt“, sagt Peter Schmallenbach von der Inklusiven Freiwilligenagentur. Prinzipiell gelte: „Kurze Sätze werden genutzt, Fremdwörter, Passiv, Genitiv, Verneinungen oder Konjunktiv vermieden.“ Alles, was vom Sinn her zusammengehört, wird bei der Leichten Sprache in eine Zeile geschrieben, mehrsilbige Wörter sind mit Bindestrich getrennt.

Romeo und Julia wecken die Lust am Lesen

„Bei den Behörden gibt es manchmal Hemmungen, die Leichte Sprache zu benutzen“, ist die Erfahrung von Silke Seyler. Als sie mal ein Anschreiben in Leichter Sprache für die Kommunalverwaltung einreichte, wurde dessen Inhalt abgeändert: „Der Umgangston erschien dem Mitarbeitenden zu locker.“

Wahrscheinlich erschrecke die Leichte Sprache manchen Germanisten, meint die Diakonie-Mitarbeiterin. Doch andererseits bringe sie Menschen die Literatur näher – etwa durch die Übersetzung von Shakespeares „Romeo und Julia“. Wie die Rampe für den Menschen im Rollstuhl, sei die Leichte Sprache eben ein Hilfsmittel für Menschen mit Lernbehinderung oder Demenz. „Sie räumt Hürden beiseite: Wer zuvor aus Frust einen Bogen um Bücher geschlagen hat, bekommt nun Lust am Lesen.“

Auch die Kurse der Inklusiven Freiwilligen-Agentur in Altenkirchen finden in Leichter Sprache statt. Menschen, die an einem Ehrenamt interessiert sind, können bei diesem Seminar ihre Stärken und Interessen herausfinden und eigene Ideen entwickeln. Zurzeit gibt es 30 Ehrenamtliche, die vermittelt werden. Sie halfen bereits bei Festen und öffentlichen Veranstaltungen in der Stadt mit.

Vereine und Initiativen können ihren Bedarf an Ehrenamtlichen gerne bei Koordinatorin Silke Seyler von der Inklusiven Freiwilligenagentur melden unter Tel. 02681 8008-19.

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ekir.de / Text und Fotos: Sabine Eisenhauer / 15.09.2017



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