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Diakonie Saar mahnt Reform der Integrationskurse für Migranten an

Fachkräfte und Jugendliche besser fördern

„Das Erlernen der deutschen Sprache ist einer der wichtigsten Schlüssel zu einer erfolgreichen Integration“, sagt Wolfgang Biehl, Geschäftsführer des Diakonischen Werkes an der Saar (DW Saar). Nötig seien viele weitere Faktoren, damit die Menschen gut ankommen. 

Deshalb sei es wichtig, die Integrationskurse zehn Jahre nach ihrer Einführung den veränderten gesellschaftlichen Erfordernissen anzupassen und das Konzept weiterzuentwickeln. „Das aktuelle Kurssystem ist weder auf die Asylsuchenden noch auf die Förderung von Fachkräften ausgerichtet“, sagt Biehl. „Gut ausgebildete Migrantinnen und Migranten brauchen ein auf sie zugeschnittenes Kursangebot.“ Ein Beispiel: 35 Prozent der Zugewanderten seien Jugendliche bis 25 Jahre, aber nur 3,5 Prozent der Integrationskurse seien für Jugendliche vorgesehen.

Das DW Saar ist im Saarland der größte Träger der vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) finanzierten Integrationskurse. Derzeit laufen parallel 42 Kurse an Standorten in Saarbrücken, Neunkirchen, Völklingen und St. Wendel. Seit dem 1. Januar 2005 wurden in 230 Kursen rund 3.500 Migrantinnen und Migranten geschult.

Der gesetzliche Integrationskurs besteht in der Regel aus 600 Stunden Spracherwerb und 60 Stunden Unterricht zur Orientierung in der neuen Heimat. Da geht es dann u.a. um das politische System in Detschland. Zur Differenzierung hat das DW Saar auch besondere Kurse mit höherer Stundenzahl im Angebot, etwa mit gleichzeitiger Berufsorientierung oder für Migrantinnen und Migranten mit Alphabetisierungsbedarf.

Lernbegierig und fleißig

Dazu kommen die Jugendkurse für jungen Menschen bis 27 Jahre. „Sie sind sehr lernbegierig und fleißig“, betont Martin Horzella, Referent für Migrationsarbeit beim DW Saar. „Bei den obligatorischen Prüfungen erreichen viele mit dem Niveau B1 das vom Gesetzgeber definierte Ziel und damit auch die sprachliche Voraussetzung für eine Einbürgerung und einen guten Start in Schule, Beruf und Ausbildung.“

Allerdings bräuchten die jungen Menschen mehr als nur Sprachvermittlung. Das DW Saar fordert deshalb eine Aufstockung der sozialpädagogischen Begleitung der Kursteilnehmenden. Horzella: „Der Stellenumfang hat der Entwicklung der Kurszahlen nicht Schritt gehalten und muss derzeit aus Eigenmitteln des DW Saar finanziert und damit aufgestockt werden.“ Die Kursbegleitprogramme des Bundes wie der Jugendmigrationsdienst (JMD) und die Migrationsberatung für Erwachsene (MBE) müssten deshalb weiter ausgebaut werden.

Lehrkräfte zu gering bezahlt

Ein weiteres zentrales Problem ist der Mangel an vom BAMF für die gesetzlichen Integrationskurse zugelassenen Lehrkräften. Sie müssen ein abgeschlossenes Studium oder „Deutsch als Zweitsprache“ oder „Deutsch als Fremdsprache“ vorweisen oder sich die Qualifikation durch eine spezielle Fortbildung erworben haben. „Viele Lehrkräfte wandern in den Schuldienst ab, da dort die Bezahlung besser ist“, sagt Biehl. Deshalb fordert das DW Saar eine bessere Förderung der Kurse durch das BAMF, insbesondere der Jugendkurse und der Alphabetisierungskurse, die den Trägern der Kurse eine leistungsgerechte Bezahlung ermöglichen.

Biehl begrüßt die Bemühungen der Saarländischen Landesregierung, Integrationskurse auch für Asylsuchende und Geduldete zu öffnen. „Es vergeht wertvolle Zeit, wenn Flüchtlinge bis zur Anerkennung warten müssen“, sagt Biehl. Der Zugang zu Sprachkursen sei auch ein Stück der politisch viel beschworenen Willkommenskultur.

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ekir.de / dwsaar, hp / 30.07.2015



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