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Vielfalt leben: Fach- und Praxistag Interkulturelle Öffnung in Düsseldorf. Vielfalt leben: Fach- und Praxistag Interkulturelle Öffnung in Düsseldorf.

Fach- und Praxistag Interkulturelle Öffnung

Die Vielfalt ist längst da

Interkulturelle Öffnung ist ein hochaktuelles Thema, so Kirchenrat Rafael Nikodemus zu Beginn des Fach- und Praxistags „Interkulturelle Öffnung“, zu dem 75 Teilnehmende ins Düsseldorfer FFFZ gekommen waren. Diese Fragen lägen an: Wie wollen wir Kirche sein? Was bedeutet Vielfalt für das kirchliche Selbstverständnis?

Andreas Lipsch Andreas Lipsch

Nach dem Eröffnungstag 2015 in Wuppertal standen nun der Austausch praktischer Erfahrungen und Anregungen zur Weiterarbeit im Vordergrund. Im Einführungsvortrag erläuterte der Pro-Asyl-Bundesvorsitzende und Interkulturelle Beauftragte der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau sowie ihrer Diakonie, Pfarrer Andreas Lipsch, Überlegungen, wie sich angesichts der interkulturellen Öffnung das Bild von Kirche ändern muss: Statt eines geschlossenen Raumes, in dem einige drinnen sind und sich im Unterschied zu “denen“ draußen definieren, sollte die Kirche sich als Weggemeinschaft mit Anderen verstehen.

Ohne den Weg zu kennen sollte auf der Suche nach Gottes Spuren dem Ziel der himmlischen Zivilgesellschaft oder des himmlischen Gemeinwesens nachgespürt werden. Das wurde im Laufe des Tages vielfältig aufgenommen, so war auch die Rede von der Vision des himmlischen Gastmahls. 

Vielfältiges Programm für den Austausch über Vielfalt in der Kirche. Vielfältiges Programm für den Austausch über Vielfalt in der Kirche.

Lipsch verwies auf die zahlreichen Initiativen und Entdeckungen in den letzten zwanzig Jahren. Nicht erst durch den Zuzug Tausender Flüchtlinge sind viele Gemeinden und Werke im doppelten Sinne „aufgebrochen“.

Die Fachtage sind Teil des Konsultationsprozesses der rheinischen Kirche zur interkulturellen Öffnung, auch ein Werkbuch und beispielsweise die Diskussionsplattform im Internet interkulturell.ekir.de gehören zu dem Prozess. Sich mit der Frage der interkulturellen Öffnung zu beschäftigen, sei keine Mode-Sache, erklärte Kirchenrat Nikodemus. „Wie sind vom Glauben her interkulturell geöffnet, die Oster-Botschaft gilt aller Welt – aber warum bildet sich das in der verfassten Kirche so wenig ab?“ Klassisch: Kirchliche Mitarbeitende müssen in aller Regel Kirchenmitglieder sein.

Lipsch betonte: „Die Kirche ist von Anfang an auf Vielfalt angelegt. Kirche kann nur plural sein.“ Die Dienstgemeinschaft könne – statt formaler Definition - als Gemeinschaft derjenigen verstanden werden, die sich von Gott in Dienst nehmen lassen. Dann wäre der Dienst vor allem die besagte Dienstgemeinschaft. Und das Ziel wäre ein inklusives Gemeinwesen.

Positive Resonanz: In der anschließenden Aussprache erklärte ein Teilnehmer, das Bild der Dienst- oder Weggemeinschaft gefalle ihm, es impliziere Veränderung. Statt Besitzstandswahrung klinge es anregend und nach dem im Petrusbrief genannten Haus der lebendigen Steine. Eine Gemeindepfarrerin amüsierte die Teilnehmenden mit dem Bericht, dass ihre Zeltkirche unter Denkmalschutz gestellt wurde – Veränderungsstopp fürs aufbrechende Gottesvolk. 

Blick ins Plenum der zweiten Tagung zu Interkultureller Öffnung. Blick ins Plenum der zweiten Tagung zu Interkultureller Öffnung.

Einen Schwerpunkt in der Diskussion um interkulturelle Öffnung bilden Nachfragen, Beispiele und Beiträge zu Flüchtlingsfragen und zum christlich-muslimischen Dialog. Geht die Idee des himmlischen Gemeinwesens auch interreligiös, fragte eine Teilnehmerin. Sitzen beim Festmahl Gottes Muslime mit am Tisch, spitzte Lipsch die Frage zu. Für manchen unvorstellbar. Dagegen hält der Theologe: „Vielfalt ist keine Last, Vielfalt ist gottgeschenkt.“

„Kirche als Migrationsgemeinschaft“ – so hörte eine andere Teilnehmerin die Ideen. Am besten sollte über die dafür erforderlichen Ressourcen nachgedacht werden. Ein Gemeindepfarrer warb dafür, nicht länger „auf platten Reifen“ zu fahren und „Flüchtlingscafé und Kirmes zusammenzubringen“. Im Blick auf besonderes kirchliches Recht wie den Dritten Weg appellierte er, altpreußische Privilegien aufzugeben. 

Blick ins Werkbuch Interkulturelle Öffnung. Blick ins Werkbuch Interkulturelle Öffnung.

In neun Workshops von „Interkultureller Öffnung und Gemeindeaufbau“ bis „Interkulturalität in spezieller Seelsorge“ tauschten sich die Teilnehmenden am Nachmittag über ihre Praxis aus und formulierten Visionen und Ziele für die Zukunft. Den Abschluss bildete eine Podiumsdiskussion, die den Stand der interkulturellen Öffnung in verschiedenen Arbeitsfeldern und auf allen Ebenen der Evangelischen Kirche im Rheinland resümierte.

Kirchenrat Markus Schaefer unterstrich: „Die Kirche Jesu Christi ist längst interkulturell, die Vielfalt ist längst da.“ Mühe mache nur der Umgang damit. Beispiel Zuwanderung, Beispiel Migrantengemeinden: „Durch die Migration werden wir verändert. Nicht wir sind die Akteure, sondern die Migranten“, und sie seien geistlich begabte Menschen. Der Theologe warb dafür, die Identität „vom Evangelium her leben“ allen Rechts- und Organisationsfragen voranzustellen. Nötig seien andere Gemeindeformen und interkulturelle „Erprobungsräume“.

Über den Fach- und Praxistag wird eine Dokumentation erscheinen.

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ekir.de / neu / 08.09.2016



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