EKiR von A-Z
EKiR von A-Z Themen, Arbeitsfelder, kirchliche Einrichtungen von A-Z mehr

Beginn am Trauerort unmittelbar neben der Berger Kirche. Beginn am Trauerort unmittelbar neben der Berger Kirche.

NRW-Eröffnung der Interkulturellen Woche

Wer Gemeinsamkeiten sucht, wird auch fündig

"Die Gemeinsamkeiten sind viel größer, als man zunächst vermuten will, es lohnt sich, auf die Suche zu gehen, wir werden fündig. Gemeinsamkeiten finden heißt sie suchen", so Oberkirchenrätin Barbara Rudolph bei der NRW-Eröffnung der Interkulturellen Woche.

Oberkirchenrätin Barbara Rudolph Oberkirchenrätin Barbara Rudolph

In ihrer Predigt in der Berger Kirche in Düsseldorf erklärte sie weiter, der Satz "Alle Menschen sind Ausländer, fast überall" lasse sich auch umkehren: "Alle Menschen sind hier zuhause. Jedenfalls die meisten, denen ich begegne." Eine ihrer Freundinnen habe schwarze Hautfarbe, oft werde sie gefragt, woher sie kommt, antwortet sie Rheinbach, folgt die nächste Frage: Wo sind sie geboren? Antwortet sie wieder Rheinbach, kommt die nächste Frage: Woher kommt ihre Familie? Ihre Antwort: "Ach so, die kommt aus Meckenheim."

Offene Gesellschaft, das Thema der Interkulturellen Woche 2014, ist also "noch nicht einmal einfach, wenn man hier geboren ist", erklärt die Leiterin der Ökumene-Abteilung des Landeskirchenamts. Und so weist sie auch auf den Untertitel der Interkulturellen Woche hin: Gemeinsamkeiten finden, Unterschiede feiern.

Rudolphs Predigt liegt die biblische Geschichte von Ruth zugrunde. Dort sind Unterschiede offensichtlich: Ruth ist Ausländerin aus Moab, arm, eine Frau, sie kennt ihre Rechte nicht. Boas, ihr späterer Mann, ist Einheimischer, Grundbesitzer, ein Mann, und er kennt Tradition und Regeln.

Doch es gibt auch Gemeinsamkeiten: Sie arbeiten auf demselben Feld, sie unterstehen demselben Rechtssystem und sie sind verwandt. Demnach hat Ruth, die Bittende, sogar Anspruch auf Versorgung durch Heirat. Das wirft ein neues Licht auf Boas, der zwar großzügig ist, aber doch erst gebeten werden muss, der Fremden ihr Recht einzuräumen.

Nicht nur Großzügigkeit erfahren, sondern auch Recht bekommen

Die Geschichte von Ruth, die sich zunächst wie ein orientalisches Märchen, wie eine Geschichte aus Tausend und einer Nacht anhöre, sei also eine Geschichte über das Finden von Gemeinsamkeiten und das Feiern von Unterschieden - und eine Vision von einer offenen Gesellschaft, in der jede und jeder nicht nur Großzügigkeit erfährt, sondern auch Recht bekommt.

Eine Feier wie die Hochzeit am Ende der Geschichte von Ruth ist im Neuen Testament ein Bild für das Himmelreich. Wir seien noch nicht im Hochzeitssaal angekommen, sagt Oberkirchenrätin Rudolph, doch könne man die offene Gesellschaft ahnen, die Lichter des Festes sehen und die Musik hören.

Das Mittelmeer ist Massengrab: Symbole der Beschwernis, zum Trauerort weisend. Das Mittelmeer ist Massengrab: Symbole der Beschwernis, zum Trauerort weisend.

Mit Symbolen der Beschwernis, aber auch der Hoffnung auf gelingendes Leben, mit aus Papier gefalteten fragilen Bötchen, Blumen und Kerzen hatte der Gottesdienst am "Trauerort" direkt neben der Berger Kirche begonnen. Holz- und Baumrindetafeln gaben mehrsprachige Stichworte für den Gottesdienst und für die Interkulturelle Woche: Hilfe. Schutz. Zuflucht. Friede.

Vom Trauerort kommend, "bringen wir unser Entsetzen und unsere Klage über die Toten an den Grenzen mit", sagte dann in der Berger Kirche Kirchenrat Rafael Nikodemus. Die Interkulturelle Woche setze Zeichen für die offene Gesellschaft und gelingende Integration. "Gott hat uns bereits auf die Spur zum gerechten Miteinander gesetzt."

Die Interkulturelle Woche ist eine Initiative der Deutschen Bischofskonferenz, der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der Griechisch-Orthodoxen Metropolie, mitgetragen von Gewerkschaften, Wohlfahrtsverbänden, Kommunen, Ausländerbeiräten, Intergrationsbeauftragten, Migrantenorganisationen und Gruppen Bundesweit gibt es rund 4.500 Veranstaltungen.

Facebook, Twitter und Google+ einschalten
Seite drucken Seite versenden

 

ekir.de / neu / 21.09.2014



© 2016, Evangelische Kirche im Rheinland – EKiR.de
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung