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Welt-Internet-Tag

Das Netz spaltet die Deutschen

Rund 16 Millionen Deutsche sind nicht im Internet und damit von vielen Informationen und politischen Einflussmöglichkeiten abgeschnitten. Doch nicht nur der Zugang zur digitalen Welt entscheidet. Man muss auch wissen, wie man das Netz nutzt.

Rund 16 Millionen Bundesbürgerinnen und -bürger sind nicht im Internet. Experten sprechen von einer digitalen Spaltung der Gesellschaft. Nach Angaben der Initiative "D21" ist der Anteil der Onliner im vergangenen Jahr nur leicht gestiegen. Der Verein untersucht seit 2001, wie Deutsche über 14 Jahren das Netz nutzen. Nach den neuesten Zahlen nahm der Anteil der Internetnutzer 2013 nur um 0,9 Prozent zu.

Heute, am Welt-Internet-Tag, 45 Jahre, nachdem am 29. Oktober 1969 von einem kalifornischen Universitätscomputer aus die erste Botschaft über das Internet versendet wurde, sind demnach mehr als 20 Prozent der Deutschen offline. Das liegt am Alter, aber nicht nur. Es surfen 30 Prozent der über 70-Jährigen, aber 97 Prozent der 14- bis 19-Jährigen. Entscheidend sind auch Schulabschluss und Einkommen: Ehemalige Hauptschüler nutzen zu knapp 61 Prozent das Netz, Abiturienten zu 92 Prozent.

Eine erhebliche Rolle spielt das Einkommen: 93 Prozent der Menschen mit einem monatlichen Haushaltsnettoeinkommen von über 3.000 Euro sind online. Liegt das Einkommen unter 1.000 Euro, ist es nur gut jeder zweite. Und: Nicht einmal jede zweite Frau über 50 Jahren ist im Internet (46,5 Prozent), bei den Männern der Altersgruppe sind es rund 53 Prozent.

Schuld sind oft Ängste

Dahinter stehen oft Ängste: Viele Menschen haben der Initiative zufolge Bedenken, weil sie Datenschutz und Sicherheit für mangelhaft halten. Rund 40 Prozent der Internet-Verweigerer sehen keinen Nutzen für sich. Ein Teufelskreis: "Vor allem ältere Menschen sind nicht mit dem Internet vertraut. Deshalb wissen sie nicht, was es dort gibt, um im Alltag einen Mehrwert zu erlangen", sagt Katrin Schuberth, Projektkoordination bei der Stiftung Digitale Chancen.

Das Offline-Dasein bringt vielfältige Benachteiligungen mit sich, wie die Trierer Soziologin Nicole Zillien aufschlüsselt. Und dabei geht es nicht nur ums billige Einkaufen. Man könne sich beispielsweise ohne Internetzugang weniger komfortabel erkundigen, wie die politischen Parteien zu aktuellen Themen stünden, und man sei für lokale oder andere Gruppen etwa über Facebook nicht erreichbar. "Die politisch-gesellschaftliche Teilnahme ist eingeschränkt", urteilt Zillien. Dazu kommen berufliche Hürden, beispielsweise weil man keine Online-Bewerbungen verschicken kann.

Spaltung auch innerhalb der Online-User

Aber auch innerhalb der Onliner gibt es eine Spaltung, wie die Mediensoziologin sagt: "Alte Ungleichheitsmuster werden durch das Netz fortgeführt." Das funktioniere nach dem Prinzip: "Wer hat, dem wird gegeben". Gutverdiener und Gebildete profitieren Studien zufolge mehr, indem sie beispielsweise ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessern könnten.

"Die von vornherein schlechter Gestellten hingegen profitieren in geringerem Ausmaß von den Möglichkeiten des Internets", sagt Zillien. "Insgesamt vergrößert sich dadurch die gesellschaftliche Kluft." Öffentliche Internetzugänge, etwa in Bibliotheken, reichten nicht aus, um diesen Trend umzudrehen: "Wenn Zugangshürden überwunden werden, ist das Problem der digitalen Kluft nicht gelöst. Denn die zentrale Schwierigkeit liegt bei der Nutzungskompetenz", erklärt die Soziologin. In bildungsfernen Haushalten werde beispielsweise eher unterhaltungsorientiert gesurft, bei höheren Bildungsniveaus überwiege die Suche nach Informationen.

Beispiele für die Vermittlung digitaler Kompetenzen

Die Stiftung Digitale Chancen bemüht sich deshalb um die Vermittlung digitaler Kompetenzen. Bei der Initiative "Tablet PCs für Seniorinnen und Senioren" etwa werden Altenheimen und Senioren-Computer-Clubs Geräte zur Verfügung gestellt. Besondere Angebote richten sich an Frauen über 50, dabei wird auch mit Landfrauen kooperiert.

Und "Lesen macht stark" will in Zusammenarbeit mit Bibliotheken den Kindern und Jugendlichen zeigen, welche Möglichkeiten das Internet bietet: Den Kindern wird eine Geschichte vorgelesen, anschließend besuchen sie gemeinsam mit Ehrenamtlichen Webseiten zu dem Thema und den Helden. Ältere können mit Tablet-Computern eine Fotostory zu einer Geschichte entwickeln - oder in Blogs und sozialen Netzwerken das Gelesene sogar weiterschreiben.

Mit Fragen der Online-Kommunikation befasst sich unter der Überschrift „Kommunikation des Evangeliums in der digitalen Gesellschaft“ auch die EKD-Synode vom 9. bis 12. November in Dresden. Den gleichen Titel trägt auch das Lesebuch zum Schwerpunktthema.

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Dienstag, 28. Oktober 2014. Die letzte Aktualierung erfolgte am Mittwoch, 29. Oktober 2014. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

epd-West / Birgit Vey; ekir.de/neu / 29.10.2014



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