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Christine Busch Europa muss ein Friedensprojekt bleiben: Landeskirchenrätin Christine Busch.Bild-Download

1. Weltkrieg

„Die Namen und Schicksale vor Gott bringen“

Über das Gedenken und die Lehren aus dem Ersten Weltkrieg ein ekir.de-Interview mit der stellvertretenden Ökumene-Chefin der Evangelischen Kirche im Rheinland, Landeskirchenrätin Christine Busch.

Der Kriegsbeginn ist 100 Jahre her. Welche Spuren sind bis heute sichtbar?

Wir können die Spuren bis heute sehen. In den Vogesen zum Beispiel findet man am Col du Wettstein einen Friedhof mit mehr als 1.200 französischen Gefallenen. Es sind die Toten vom Col du Linge, der nur ein paar Kilometer entfernt ist, heute ein Mahnmal. Sie können dort durch die Schützengräben laufen. So kann man nachvollziehen, wie Franzosen und Deutsche nur wenige Meter voneinander entfernt lagen, Monat um Monat, ohne irgendeinen Landgewinn, im Sommer, im Winter, ohne Hoffnung auf Frieden. Das war sinnloser Krieg.

Soldatenfriedhöfe, Gedenkstätten sind die bleibenden sichtbaren Orte der Erinnerung. Welche unsichtbaren Spuren sind geblieben?

Selbst für die Jüngeren sind es nur drei oder vier Generationen Unterschied, für die Älteren vielleicht nur eine Generation: Wir wissen um unsere Vorfahren, die den Ersten Weltkrieg erlebt haben. Ich halte es für wichtig, ihre Namen und Schicksale zu vergegenwärtigen und vor Gott zu bringen. Und natürlich haben wir unsere Lehren zu ziehen.

Wie formulieren Sie die Lehren?

Nie wieder darf Kriegsdienst zu Gottesdienst werden, Kirchen dürfen Krieg nicht theologisch rechtfertigen, und Europa muss ein Friedensprojekt bleiben. Unser theologischer und politischer Auftrag heißt Versöhnung. Die Soldatenfriedhöfe und Gedenkstätten senden eine doppelte Botschaft aus: Niemals vergessen! Und: Niemals wieder ein solcher Krieg! Sie lehren uns auch, die Leiden der Menschen hinter der Front und in der Heimat zu begreifen – auf allen Seiten.

Die unheilige Verbindung von Thron und Altar wird heute deutlich gesehen. Inwiefern hat die evangelische Kirche Kriegsdienst geleistet?

Wenn zur Mobilmachung  vor dem Berliner Schloss „Nun danket alle Gott“ gesungen wurde und der Kaiser als oberster protestantischer Kirchenherr zur Segnung der Waffen aufrief, war das eine Grenzüberschreitung. Die Kirchen waren eingebunden in den Nationalismus, Christentum und Nationalismus verschmolzen. Das gehört zum Versagen der Kirche.

Und es gab keine relevante kirchliche Friedensbewegung?

In Berlin wandte sich eine Handvoll Pfarrer mit einer friedenspolitischen Erklärung gegen den kirchlichen Mainstream. In Konstanz tagten Anfang August 1914 protestantische europäische Theologen aus Protest gegen den bevorstehenden Krieg, aus dieser Konferenz ging der Internationale Versöhnungsbund hervor.  Erst nach den Schulderfahrungen der beiden Weltkriege begann ein neues Nachdenken über Krieg und Frieden. Als der Ökumenische Rat der Kirchen 1948 gegründet wurde, lautete die wichtige Botschaft: „Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein“. Die Konferenz Europäischer Kirchen wurde 1957 gegründet als Brücke der Verständigung und Versöhnung zwischen Ost und West im politisch geteilten Europa.  Unsere rheinische Kirche hat sich 1996 auf den Konziliaren Prozess für Gerechtigkeit, Friede und Bewahrung der Schöpfung verpflichtet. Sie bekennt sich zur Gewaltfreiheit als „prima ratio“ und folgt dem Leitbild des „Gerechten Friedens“.


 

 

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ekir.de / neu / 25.07.2014



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