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Interview

Gemeinsam Verantwortung für das Zusammenleben übernehmen

Die Evangelische Kirche im Rheinland hat aktuell die Arbeitshilfe "Wegweisung und Zeugnis im Dialog mit Muslimen" herausgegeben. Im Interview erläutert Dr. Beate Sträter, Vorsitzende des Arbeitskreises Christen und Muslime, Ziele und Inhalte.

Schulreferentin Dr. Beate Sträter ist in der rheinischen Kirche Vorsitzende des Arbeitskreises Christen und Muslime. Schulreferentin Dr. Beate Sträter ist in der rheinischen Kirche Vorsitzende des Arbeitskreises Christen und Muslime.

Frau Dr. Sträter, „Wegweisung und Zeugnis im Dialog mit Muslimen“ heißt eine neue Arbeitshilfe der rheinischen Kirche. Welche Perspektiven eröffnet sie?

Eigentlich sollte es eine Überarbeitung der Arbeitshilfe „Dialog und Mission“ aus dem Jahr 2001 werden, aber wir haben schnell gemerkt, dass wir etwas Neues machen müssen, denn seitdem hat sich in unserer Gesellschaft und im Zusammenleben mit Muslimen viel geändert. In der Arbeitshilfe „Abraham und der Glaube an den einen Gott“ haben wir uns in erster Linie mit theologischen Fragen beschäftigt.

„Weggemeinschaft und Zeugnis“ setzt bei der aktuellen Situation an: Wir leben in einer Gesellschaft, die religiös und kulturell immer vielfältiger wird. In der Schule, am Arbeitsplatz und im Stadtteil leben wir mit Muslimen größtenteils selbstverständlich zusammen. Auch die Kirche als Arbeitgeberin will sich Menschen „interkulturell öffnen“. So können seit geraumer Zeit auch Menschen muslimischen Glaubens eingestellt werden, wenn es dafür gute Gründe gibt, zum Beispiel in einem Kindergarten mit vielen muslimischen Kindern.

Wir möchten dazu ermutigen, dass Christen und Muslime in dieser Gesellschaft und für diese Gesellschaft gemeinsame Wege beschreiten, kooperieren, wo es sinnvoll ist und gemeinsam Verantwortung für unser Zusammenleben übernehmen. Sich für Gerechtigkeit und Frieden einzusetzen, dazu ruft uns ja unser Glaube auf, ob als Christen oder als Muslime
.

Die Arbeitshilfe spricht von einem „wechselseitigen Zeugnis“ von Christen und Muslimen. Was bedeutet das in der Praxis?

In der Arbeitshilfe fragen wir danach, was wir aus der Bibel über den Umgang mit Menschen anderen Glaubens erfahren. Und wir machen die Entdeckung: Es gibt Menschen, die nicht dem jüdischen Volk angehören, aber eine wichtige Rolle in der Geschichte Gottes mit seinem Volk haben. Auch im Neuen Testament wird uns berichtet, dass Jesus sich Nichtjuden zuwendet, die aber deshalb nicht ihren Glauben wechseln. Dies kann uns zu einer neuen Sichtweise auf unsere Situation in einer multireligiösen Gesellschaft führen.

Doch gerade in der Vielfalt bedeutet dies, dass ich über das was mich trägt und was ich glaube Auskunft gebe. Nur wenn wir erkennbar sind, als Christen, als Muslime, können wir auch von dem anderen etwas lernen, in seinem Glaubensleben vielleicht einen Aspekt entdecken, der uns verlorengegangen ist oder den wir nicht mehr so ernst nehmen. Das ist etwas anderes, als eine Laissez-faire-Haltung, der Kölner würde sagen „Jeder Jeck is anders“.

Wenn wir von wechselseitigem Zeugnis reden, dann meinen wir damit das Reden und Handeln von Menschen aus ihrem christlichen und muslimischen Glauben heraus und die Auskunftsfähigkeit darüber. Darüber in ein Gespräch einzutreten bietet große Lernchancen, auch was den eigenen Glauben betrifft.

Die Arbeitshilfe regt einen Diskussionsprozess in der rheinischen Kirche an. Wie kann der aussehen?

Wir nehmen wahr, dass es in den einzelnen Regionen der Landeskirche sehr unterschiedliche Situationen gibt. Es gibt in den städtischen Ballungszentren Gemeinden, die seit Jahrzehnten im Dialog stehen. In manchen ländlichen Regionen mag der Kontakt und die Auseinandersetzung mit dem Islam noch begrenzt sein – obwohl auch auf dem Land Muslime leben! Die Landessynode 2018 wird sich mit dem Islam beschäftigen. Wir wünschen uns, dass dann alle mitreden und etwas beitragen können.

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ekir.de / wb / Foto: Schulreferat Bonn / 08.10.2015



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