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Frauke Augstein Frauke Augstein ist in der Evangelischen Studierendengemeinde in Aachen aktiv.

Nominierungsarbeit und Gremienkultur (2)

Umschauen, ausprobieren und anfangen

Die Evangelische Studierendengemeinde (ESG) in Aachen hat ihre Gremien für alle Aktiven geöffnet. Frauke Augstein beschreibt im ekir.de-Interview die Vorteile und zeigt Möglichkeiten auch für andere Gemeinden auf. Das Interview setzt die Reihe zu Nominierungsarbeit und Gremienkultur in der Evangelischen Kirche im Rheinland fort.  

Was ist das Besondere am Leitungskreis in der ESG-Aachen?

Es gibt drei Sprecher, aber nicht nur die sind verantwortlich – im Prinzip sind es alle, die aktiv sind. Die Sprecher repräsentieren die ESG nach außen und sind Ansprechpartner für die Pfarrerin. Außerdem organisieren sie gemeinsam mit der Pfarrerin den offenen Mitarbeiter Treff (OMAT) und pflegen den Kontakt zu anderen religiösen Gruppen wie der Katholischen Hochschulgemeinde, der Studentenmission in Deutschland oder der IMSU, einem muslimischen Studentenverein. Zudem vertreten sie die Studierenden der ESG im Kuratorium und im Beirat der ESG. Einmal im Monat oder auch öfter, wenn etwas anliegt, findet ein offener Mitarbeitenden-Treff statt. Es wird vorher eine Tagesordnung herumgeschickt, die bei Bedarf ergänzt werden kann. Alle dürfen etwas sagen und können mitbestimmen.

Wie hat es sich zu dieser offenen Form entwickelt?

Eine Zeit lang gab es gar kein Gremium – auch keine Mitarbeitenden-Treffen. Sonst kamen einmal im Semester die Studierenden zusammen, um zu planen. Zwischendurch wurden Leute angesprochen, oder Leute, die eine Idee hatten sprachen die Pfarrerin an. Es gab ein Programm, aber ich habe das Gefühl, dass es weniger umfangreich als jetzt war.

Wie wirkt sich die neue Struktur auf die generelle Bereitschaft aus mitzuwirken?

Bei den Treffen schwankt die Zahl zwischen fünf und 15 Teilnehmenden. Die Programme sind jetzt vielfältiger und es können leichter mehr Leute in die Organisation eingebunden werden. Neue können sich beim Mitarbeitenden-Treff erst einmal umschauen, etwas ausprobieren und mit einfacheren Aufgaben, wie zum Beispiel dem Kochen für eine Veranstaltung, anfangen. Sie wachsen langsam in die Aufgaben hinein und übernehmen oft mit der Zeit immer größere Verantwortung. Wenn jemand eine Idee für einen Arbeitskreis hat, dann weiß er, wen er ansprechen kann, um seine Idee zu realisieren. Wenn jemand noch engagierte Leute für eine Aktion braucht, dann weiß er, wo er sie findet. Das geht oft auch spontan über den OMAT E-Mailverteiler.
Ich habe außerdem das Gefühl, dass auch durch den offenen Mitarbeiter-Treff eine starke Identifizierung der Aktiven mit der ESG entsteht, weil alle die Möglichkeit haben, nicht nur Gast von Veranstaltungen und Arbeitskreisen zu sein, sondern ein wirklicher Teil der Gemeinde.

Wer kommt in die ESG-Aachen?

Es kommen Studierende der Aachener Hochschulen, von denen viele evangelisch sind, aber nicht alle. Auch Katholiken und Konfessionslose kommen in die ESG. Auch viele internationale Studierende unterschiedlicher Religionen und Konfessionen nehmen das Programm der ESG war. Wir hatten auch schon einmal eine muslimische Sprecherin und es hat gut funktioniert.

Wie wird man Sprecherin oder Sprecher der ESG-Aachen?

Die Sprecherinnen und Sprecher werden für drei Semester von den Studierenden der ESG gewählt. Die Zeiten sind überlappend, um Übergänge sicherzustellen. Zwei Sprecher müssen Mitglied einer evangelischen Landeskirche sein. Wir versuchen außerdem darauf zu achten, dass es sowohl weibliche als auch männliche Sprecher gibt.

Kann man durch diese offenen Strukturen von Kompetenzzuwachs reden?

Es sind die Leute da, die wirklich Ahnung haben von den Dingen, von denen sprechen, weil oft Leute gezielt zu den Punkten kommen, an denen sie interessiert sind. Um für eine bessere Vernetzung innerhalb der ESG zu sorgen, werden auch die Arbeitskreis-Leiterinnen und -Leiter einmal im Semester explizit zum offenen Mitarbeiter Treff eingeladen. Jeder kann seine Ideen einbringen und Arbeitskreise oder Veranstaltungen planen, die zu seinen Kompetenzen passen.

Denken Sie, dass die Erfahrungen der Studierendengemeinde auch auf andere Gemeinden übertragbar sind?

Bestimmt nicht alles, weil wir nur über die Veranstaltung und das Programm entscheiden. Es geht nicht um finanzielle Fragen wie in anderen Gemeinde. Aber für die Organisation des Gemeindelebens halte ich unser System auch auf andere Gemeinden für übertragbar. Weil jeder die Chance hat mit seinem Engagement seine Gemeinde zu formen und hierbei in seiner Lebensplanung nicht auf Wahlperioden angewiesen ist, sondern er dann mitarbeiten kann, wenn es für ihn gerade passt. In einer Zeit, in der beruflich eine hohe Flexibilität verlangt wird, kann es vielleicht auch für andere Gemeinden eine Chance sein, so die Mitarbeit von Menschen zu gewinnen, die sich nicht in der Lage sehen, sich für eine Wahlperiode für ein Gremium zu verpflichten. Dass ich mit meinen Ideen und meinem Engagement ernst genommen werde, setzt in mir Verantwortungsgefühl und Aktivität frei, welche ich gerne für unser Gemeindeleben einsetzte. Bei mehr als 20 aktiv Mitarbeitenden müsste das Konzept wahrscheinlich angepasst werden, um arbeitsfähig zu bleiben. Für bestimmte Themen, wie zum Beispiel die Öffentlichkeitsarbeit haben auch wir in der ESG einen Ausschuss dafür gegründet, der dem offenen Mitarbeiter-Treff über seine Arbeit berichtet.

Frauke Augstein ist 23 Jahre alt und studiert Biologie an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen. Sie war 2012/2013 eine der drei Sprecherinnen der ESG-Aachen.

Weitere Interviews zum Thema Nominierungsarbeit und Gremienkultur folgen mit dem Superintendenten des Evangelischen Kirchenkreises Dinslaken, Friedhelm Waldhausen, und mit dem Superintendenten des Kirchenkreises Kleve, Hans-Joachim Wefers.

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ekir.de / rtm / 31.05.2016



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