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Rainer Schmidt Rainer Schmidt beim 33. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dresden.

Interview

„Startverbot ist nicht berechtigt“

Weitspringer Markus Rehm darf nicht zu den Europameisterschaften, weil er eine Prothese aus Karbon trägt. Eine falsche Entscheidung, sagt Pfarrer Rainer Schmid, Goldmedaillen-Gewinner bei den Paralympics und Inklusionsbotschafter der rheinischen Kirche.

Herr Schmidt, der Weitspringer Markus Rehm ist nicht für die Europameisterschaften in 14 Tagen nominiert worden, obwohl er Deutscher Meister geworden ist und die EM-Norm geschafft hat. Als Grund wird seine Karbonprothese angeführt. Macht Inklusion vor den Toren des Spitzensports Halt?

Nein und Ja. Beim Leistungssport gibt es nur zwei Startklassen: Männer und Frauen. Auf die Körperstatur kommt es ansonsten genauso wenig an wie auf das Alter und die körperliche Verfassung. Bleibt also die Frage, ob Markus Rehm von seiner Karbonprothese einen Wettkampfvorteil hat.

Verschafft ihm die Karbonprothese einen Vorteil?

Ich kann keinen Grund erkennen, der ein Startverbot bei den Europameisterschaften rechtfertigt. Die Karbonprothese ist der künstliche Ersatz eines Körperteils und kein zusätzliches Sportgerät. Sonst wären doch sehr viel mehr Athleten mit Prothesen im den vorderen Plätzen der Ranglisten vertreten.

Wo stößt Inklusion im Spitzensport an berechtigte Grenzen?

Das geschieht immer dort, wo bestimmte Fähigkeiten einer Gruppe gefordert sind. Ein Verein der Fußball-Bundesliga wird keinen Rollstuhlfahrer als Linksaußen in seinen Kader aufnehmen. Es gibt also berechtigte Gründe, warum Menschen von einem Sportereignis ausgeschlossen werden. Ein Profichor würde ja auch niemanden mitsingen lassen, der den Ton nicht halten kann.

In Nordrhein-Westfalen ist seit heute ein Gesetz in Kraft, das Inklusion in der Schule garantiert. Was bedeutet Inklusion überhaupt?

Inklusion meint die Kunst des Zusammenlebens von sehr verschiedenen Menschen, meint Teilhabe und ein gelingendes Miteinander. Das betrifft den Sportverein genauso wie die Schule, die Kirche oder den Chor.

Viele denken bei Inklusion vor allem an die Beteiligung von Menschen mit einer Behinderung.

Das liegt daran, dass der Begriff in der Behindertenrechtskonvention von 2009 eine zentrale Rolle spielt und in diesem Zusammenhang einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurde. Die Konvention stellt klar, dass es bei den Menschenrechten keinen Unterschied zwischen Menschen mit und ohne Behinderung gibt. Sinnvoll ist diese Differenzierung nur in der Medizin. Vor Gott und dem Staat aber sind alle Menschen gleich.

Pfarrer Rainer Schmidt ist Dozent für Integrative Gemeindearbeit im Pädagogisch-Theologischen Institut der Evangelischen Kirche im Rheinland und Inklusionsbotschafter seiner Kirche. Er ist zweifacher Goldmedaillen-Gewinner bei den Paralympics im Tischtennis.

 

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Freitag, 1. August 2014. Die letzte Aktualierung erfolgte am Freitag, 1. August 2014. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

ekir.de / Wolfgang Beiderwieden / Foto: S. Lepke / 01.08.2014



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