Christlich-muslimischer Dialog

Ein Mut- und Mitmachbuch

"Integration fällt nicht vom Himmel", sagte Präses Nikolaus Schneider bei der Vorstellung des neuen Buchs über christlich-islamische Begegnungen. Titel: "Es geht doch!"

Buchvorstellung mit Präses Schneider, Doris Schulz und Dr. Dirk Siedler (r.). Buchvorstellung mit Präses Schneider, Doris Schulz und Dr. Dirk Siedler (r.).

Generalverdächtigungen gegen Muslime nach den Terrorschlägen vom 11. September 2001, Auseinandersetzungen um Moscheebauten, Sarrazin-Debatte - da lasse regelrecht "staunen, was alles an Miteinander gelebt wird", schreiben Doris Schulz und Dr. Dirk Chr. Siedler im Vorwort zu dem Buch, deren Herausgeber sie sind. Das Buch versammelt Berichte über verschiedene christlich-islamische Begegnungs-Projekte.

Berichte mitten aus dem Leben, ehrliche Berichte: Das "Müttercafé" in Mehlem, im Bonner Süden, begann mit einem "Fehlstart" und besteht heute auch nicht mehr, wie Dr. Beate Sträter in ihrem Buchbeitrag "Müttercafé - Ein Raum für mich" erzählt. Doch dazwischen liegt eine Erfahrung, die sich spannend liest. Weil in Zeiten des zweiten Irakkriegs ein gemeinsames Friedensgebet zwar Wunsch war, aber nicht möglich, entstand ein wöchentliches Treffen von Müttern: jeden Donnerstag von 8 bis 10 in der Grundschule ihrer Kinder. Türkische, marokkanische und afghanische Frauen, syrische, palästinensische, libanesische, kurdische, irakische, italienische und deutsche. Akademikerinnen und Analphabetinnen.

Nicht Folklore, sonderen tiefgehende Gespräche

Keine Themenvorgabe, kein Deutschzwang. Einfach reden. Sträter, heute Bonner Schulreferentin, bis Ende 2008 Pastorin im Sonderdienst für christlich-muslimischen Dialog im Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel, schreibt: "Erstaunlich war die Erfahrung, dass es nicht nötig war, ein bestimmtes Thema anzusetzen, um sehr tiefgehend ins Gespräch zu kommen" - über Feste und Glauben, Familien, Frauenrolle, Politik, Kindererziehung, Gesundheit, Filme, Bücher. Hinzu kam, etwa alle sechs Wochen, gemeinsames Kochen im benachbarten evangelischen Gemeindezentrum. Kulinarische Folklore? Sträter schreibt, für die deutschen Frauen war das Kochen reihum eine Herausforderung, "denn die wenigsten von uns kochten noch typisch deutsch".

Auch die Gespräche sind keineswegs romantisch. Familiäre Krisen, Krankheiten, Schicksalsschläge sind Thema. Eine Frau erleidet einen schweren Verkehrsunfall, eine andere Frau verliert ihren Bruder bei einem Bombenanschlag in Kabul. Der harte Kern umfasst 20 Frauen. Und Sträter ist überzeugt, nachahmenswert und erfolgversprechend ist das Projekt, weil und wenn es niederschwellig ist - die Mütter brachten ihre Kinder eh zur Schule, blieben donnerstagsmorgens eben einfach da. Wenn es regelmäßig ist. Weil eine grundsätzliche Akzeptanz und Wertschätzung gelebt wurde - Kopftuch und Gesichtsschleier wurden diskutiert, ihre Trägerinnen aber nicht als defizitär oder beratungsbedürftig angesehen.

Schlüsselthema für Zukunft

Integration ist ein "Schlüsselthema für eine gelingende Zukunft unserer Gesellschaft", sagte der Präses auch bei der Buchvorstellung. Die Kirche engagiere sich dafür, obwohl sie nicht vom Himmel falle. "Nichts ist mühsamer als Verhaltens- und Denkweisen zu ändern." Doch anders ließen sich Vorurteile nicht überwinden. Insofern erfüllten die Synodalbeauftragten in den rheinischen Kirchengemeinden eine wichtige Brückenfunktion. Die Beispiele im Buch, etwa von Runden Tischen sowie Projekten der Frauen- und Jugendarbeit, zeugten von respektvollen und achtsamen Begegnungen.

Sie sei überrascht von der Vielfalt der gelungenen Beispiele, sagte Doris Schulz, Mitherausgeberin des Buchs und Beauftragte für christlich-islamische Begegnung im Kirchenkreis Solingen. "Jedes ist originell und original und ermutigt, Ähnliches in Gang zu bringen." Dirk Siedler betonte, persönliche Begegnungen seien entscheidend, das Buch solle - nach einer gewissen Durststrecke im christlich-muslimischen Dialog - wieder motivieren. Siedler ist Pfarrer in Düren und Vorsitzender des Arbeitskreises Christen und Muslime der rheinischen Kirche.

Doris Schulz / Dirk Chr. Siedler (Hg.): Es geht doch! Erfahrungen - Projekte - Ideen aus christlich-islamischen Begegnungen in der Evangelischen Kirche im Rheinland, CMZ-Verlag, Rheinbach 2011, 10 Euro

Facebook, Twitter und Google+ einschalten
Seite drucken Seite versenden

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Donnerstag, 6. Oktober 2011. Die letzte Aktualierung erfolgte am Donnerstag, 6. Oktober 2011. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

ekir.de / neu / 06.10.2011



© 2016, Evangelische Kirche im Rheinland - EKiR.de
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung