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Schreibender Apostel Paulus: Aus einer Handschrift der Paulusbriefe, frühes 9. Jahrhundert. Württembergische Landesbibliothek Stuttgart, Foto: commons.wikimedia.org Schreibender Apostel Paulus: Aus einer Handschrift der Paulusbriefe, frühes 9. Jahrhundert. Württembergische Landesbibliothek Stuttgart, Foto (Ausschnitt; Original via Icon Druckversion): commons.wikimedia.org Bild-DownloadBild-Download

Israelsonntag

Übersetzungen überprüfen - Paulus verstehen

Der „Israelsonntag“ bietet einen besonderen Anlass im Kirchenjahr, sich der engen Verbundenheit mit dem jüdischen Volk bewusst zu werden. Über diese Bindung an Israel spricht auch der Apostel Paulus in dem für den 24. August vorgeschlagenen Predigttext.

Der für den 10. Sonntag nach Trinitatis, den Israelsonntag, in diesem Jahr vorgesehene Predigttext steht in Röm 11,25-32. Zur Vorbereitung auf den Gottesdienst ist jetzt die Arbeitshilfe „So wird ganz Israel gerettet werden“ erschienen, wieder herausgegeben von der Evangelischen Kirche im Rheinland in Kooperation mit einigen anderen Landeskirchen,

Einer der Beiträge stammt von dem renommierten jüdischen Paulus-Forschers Prof. Marc Nanos. Er lenkt den Blick darauf, wie immer wieder in gängigen Übersetzungen sprachliche Entscheidungen getroffen werden, die die Aussage des Paulus verunklaren bzw. verdrehen.

Warnung vor Überheblichkeit

So wird Paulus ausdrückliche Warnung vor Überheblichkeit gegenüber den nicht-Christus-gläubigen Israeliten („Rühme dich nicht gegenüber den natürlichen Zweigen!“; V. 18) teils durch falsche Übersetzungen anderer Verse in ihr Gegenteil verkehrt.

Nanos weist demgegenüber darauf hin, dass Paulus in V. 25 zum Beispiel nicht das griechische Wort verwendet, das die „Verstockung“ von Pharaos Herzen zum Ausdruck bringt - vgl. Luther: „Verstockung ist einem Teil Israels widerfahren...“. Vielmehr spricht Paulus von einem „Kallus“, das heißt von einer Schwiele bzw. einem Starkwuchs bei einem Bruch.

Beitrag zum Heilungsprozess

Im Gegensatz zu der negativen Konnotation, die sich mit der „Verstockung des Herzens“ verbindet, ist die Bildung von einem „Kallus“ nun aber ein positiver Vorgang. Ein (vorübergehender) Kallus trägt zum Heilungsprozess bei, indem er die betroffene Körperpartie schützt, damit das Leben weitergehen kann. Und mehrere Gründe, so legt Nanos im Einzelnen dar, sprechen ausdrücklich dafür, Paulus Terminologie in V. 25 im Kontext von einem „Kallus“ und nicht im Kontext von „Verstockung“ zu interpretieren.

Die Arbeitshilfe, die neben dem Beitrag von Nanos noch eine weitere Exegese zu Röm 11,25-32 sowie Anregungen zur gemeinsamen Bibelarbeit in Gemeindegruppen, einen Predigtentwurf und liturgische Bausteine für die Gottesdienstgestaltung bietet, steht hier zum Download bereit.

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ekir.de / haar / 13.06.2014



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