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Vier leere Stühle, weil vier Visa nicht erteilt wurden: Die Kirchenleitenden aus Afrika, Asien und Deutschland in Nes Ammim in Israel. Vier leere Stühle, weil vier Visa nicht erteilt wurden: Die Kirchenleitenden aus Afrika, Asien und Deutschland in Nes Ammim in Israel.

Kirchenleitende besuchen Israel und Palästina

Bereichernder Austausch

Kirchenleitende von Mitgliedskirchen der Vereinten Evangelischen Mission (VEM) aus Afrika, Asien und Deutschland sind nach Israel/Palästina gereist, um gemeinsam das Heilige Land zu erleben. 

Auseinandersetzungen mit der politischen Situation sowie Begegnungen mit jüdischen und christlich-palästinensischen Gesprächspartnern stehen gleichermaßen im Mittelpunkt. „Wir bereichern uns durch die verschiedenen Fragestellungen, die wir aus unseren so unterschiedlichen Kontexten mitbringen“, sagt Präses Manfred Rekowski, der für die Evangelische Kirche im Rheinland an der Reise teilnimmt. „Als Gemeinschaft der VEM-Kirchen sind wir hier in der Fremde unterwegs und setzen uns den Fragen aus. Wir hören und lernen von unseren jüdischen und christlich-palästinensischen Gesprächspartnern. Wir finden nicht immer Antworten, aber wir wollen und müssen uns doch den Fragen aussetzen. Theologisch und politisch bereichert uns unser Austausch auch untereinander dabei ungemein.“

Die Reise im Rahmen des „Leadership Trainings“ der VEM dauert noch bis zum 14. Mai. Die Teilnehmenden kommen aus Hongkong (CRC), Tansania (ELCT/NWD und ELCT/KAD), Ruanda (EAR/Shyogwe und Cyangugu), der Demokratischen Republik Kongo (CBCA), Namibia (ELCRN), Botswana (ELCB) und Deutschland (EKiR, EKvW, EKHN, EKKW, v. Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel). Bischöfe aus Indonesien und Sri Lanka hatten bis zuletzt um ihre Einreisevisa nach Israel gekämpft - leider vergeblich.

Chancen des Dialogs

Zusammen mit der Moderatorin der VEM, Regine Buschmann, besucht die Gruppe nun unter anderem das Jerusalem-Center für jüdisch-christliche Beziehungen (JCJCR). Die Direktorin Dr. Sarah Bernstein führt den VEM-Kirchenleitenden vor Augen, wie die Geschichte der Kirche über fast 2.000 Jahre lang immer wieder die Angst von Jüdinnen und Juden vor dem Christentum ausgelöst hat.

Dr. Deborah Weissman, bis vor kurzem Präsidentin des International Council of Christians and Jews (ICCJ), betont die Chancen des Dialogs für ein friedliches Zusammenleben. Sie, ebenso wie zahlreiche andere jüdische und palästinensische Gesprächspartner, betont, dass eine gerechte Zukunft dieser Region nur gemeinsam erreicht werden kann.

Die Jüdin Lydia Aisenberg genauso wie der Palästinenser Yohanna Katanacho betonen Ähnliches, zusammengefasst: Wir gehören zusammen. Nur wer die Friedenskräfte auf beiden Seiten unterstützt, wird einen hilfreichen Impuls setzen können. 

Ein politischer Konflikt

Dr. Munib Younan, Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und dem Heiligen Land (ELCJHL) und Präsident des Lutherischen Weltbundes, betont im Gespräch, dass man den aktuellen Konflikt in Israel/Palästina nicht als religiösen, sondern als politischen Konflikt verstehen sollte, in dem religiöse Symbole missbraucht werden. Er appelliert an die Kirchenleitenden, die Kirchen im Heiligen Land in ihren Anstrengungen für eine friedliche und gerechte Gesellschaft zu unterstützen, in der Palästinenser und Israelis gleichberechtigt und ohne Hass zusammenleben können.

Bischof Younan lädt darüber hinaus aber auch dazu ein, die Kontakte und Erfahrungen seiner Kirche zu muslimischen Gesprächspartnern auch in anderen Kirchen in anderen Kontexten für das christlich-muslimische Gespräch zu nutzen. Die Kirchenleitenden besuchen auch das Dialogprojekt „Tent of Nations“, das der christliche Palästinenser Daoud Nassar in Bethlehem ins Leben gerufen hat.

Ebenso ist der Besuch in der Holocaust-Gedenkstätte Yad VaShem in Jerusalem ein besonders aufwühlender Moment für die Kirchenleitenden. „Wer die Schrecken des Genozids in Ruanda erlebt hat, wird von diesem Gedenkort der Shoa-Verbrechen in besonderer Weise auch an eigene Erlebnisse erinnert. Das hat unsere Gespräche in der Gruppe sehr geprägt“, sagt Oberkirchenrätin Barbara Rudolph, die Leiterin der Ökumene-Abteilung des Landeskirchenamtes.

Wechsel der Begegnungen

Jerusalem, die christliche Schule Talitha Kumi in der Westbank und die christliche Siedlung Nes Ammim im Norden Israels sind die drei Stationen der Reise, die immer wieder zwischen Israel und Palästina, zwischen Begegnungen mit jüdischen und christlich-palästinensischen Gesprächspartnern hin- und herführt.

Die VEM bietet den Leitenden ihrer Mitgliedskirchen jährlich „Leadership Trainings“ an, die sie in ihrer theologischen und organisatorischen Kompetenz unterstützen sollen. Erstmalig sind bei dieser Reise Kirchenleitende aus allen drei Erdteilen der VEM vertreten. 

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ekir.de / vis / 13.05.2015



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