Jugendkirchen

Jede und jeder ist hier willkommen

„Licht aus, Licht aus!“, ruft eine Stimme. Es wird dunkel. Dann geht es los. Sechs Jugendliche stehen auf der Bühne. Sie kämpfen. Einer wird verletzt, liegt im Sterben.

Szene aus dem Jugendkirchen-Projekt LupeSzene aus dem Jugendkirchen-Projekt "Knastkinder".

Ein Aufseher kommt herein, den Schlagstock in der Hand. Und es wird klar: Die Jugendlichen sitzen im Knast. Generalprobe des Musicals "Knastkinder" in der Wuppertaler City-Kiche in der Stadtmitte. Zwölf Jugendliche machen hier mit, bringen das Stück mit Hilfe des Pastors Axel Neudorf auf die Bühne. Paulin, Tabea, Judith, Timo, Tom, Sarah-Louis und die anderen sind hier, weil sie Spaß am Singen, Tanzen und Schauspielern haben.

Und weil es um noch ein bisschen mehr geht: um die Frage, warum Kinder in dieser Welt im Gefängnis sitzen, ohne dass es von der Gesellschaft bemerkt wird. Die Jugendlichen glauben, dass dies nicht den christlichen Vorstellungen einer gerechten Welt entspricht. Also bringen sie es auf die Bühne – mit der Musical-Gruppe der Jugendkirche Wuppertal.

Jugendkirchen sind noch eine junge Bewegung

Jugendkirchen sind für die Evangelische Kirche im Rheinland (EKiR), überhaupt für die Evangelische Kirche in Deutschland noch relativ neu. Die Wuppertaler Jugendkirche gibt es beispielsweise seit rund vier Jahren. Die Rheydter Jugendkirche seit etwa eineinhalb Jahren. Um zu schauen, wie sich die Jugendkirchen entwickelt haben und wo es in Zukunft hingehen soll, gibt es am 5. Februar in Essen ein Hearing.

Die Spiritualität ist der Unterschied zwischen Jugendkirche und Jungendgruppen. Aber die beiden Bereiche stehen nicht in Konkurrenz zu einander. Das Besondere: Alle Jugendkirchen sind einzigartig. „Zwar steht der Glaube im Mittelpunkt“, sagt Erika Georg-Monney vom Amt für Jugendarbeit der EKiR. Weil aber die Jugendkirchen von Jugendlichen für Jugendliche gestaltet werden, sind die Projekte und Ausrichtungen immer ein bisschen anders.

Schwerpunkt Kulturarbeit

Erst recht die Gestaltung der Gottesdienste und der Räume, die ebenfalls in der Regel selbst gestaltet werden. Mit Graffitis oder einer Kletterwand, mit einem Café oder Sitzecken. In Wuppertal liegt der Schwerpunkt auf der Kulturarbeit, auf der „geistigen und kulturellen gemeinsamen Dimension“, sagt Pastor Neudorf.

Paulin, die beim Musical mitmacht, geht regelmäßig in die Kirche. Auch für die anderen ist das normal, weil auch die Freundinnen und Freunde hingehen. Aber neben dem Glauben hält sie eben ihr Interesse für Musik zusammen. Bevor es an die Erarbeitung des Musicals ging, bevor die Jugendlichen das erste Mal auf die Bühne konnten, fand ein Casting statt. Der Unterschied zu Casting-Shows im Fernsehen: Es gibt kein Gefälle zwischen Verlierern und Gewinnern. Etwas, was die Jugendlichen lernen sollen, etwas, auf das Pastor Neudorf wert legt.

Es geht auch um die Auseinandersetzung

Und dann waren da noch die Gespräche zu Beginn: Die Diskussionen mit dem Autoren Rüdiger Bertram, das Lesen des Buches, der Schock, als die Jugendlichen die Fotos von inhaftierten Kindern gemeinsam angeschaut haben. Es geht also nicht nur ums Singen und Tanzen, sondern auch um die Auseinandersetzung mit einem Thema.

Die Zielgruppe sind Jugendliche jeder Konfession zwischen 12 und 27 Jahren. Natürlich sind es viele evangelische Jugendliche, die sich in der Jugendkirche engagieren, beispielsweise direkt nach dem Konfirmandenunterricht. Das gilt für Wuppertal genauso wie für Rheydt. „Bei vielen Jugendlichen weiß ich gar nicht, welcher Religion sie angehören“, sagt Pastor Neudorf von der Jugendkirche Wuppertal.

Gottesdienste, Veranstaltungen etc.

Und es ist auch nicht so wichtig. Rund 40 bis 120 Jugendliche kommen in die Gottesdienste, engagieren sich oder machen bei einer der Veranstaltungen mit. So genau weiß Neudorf das nicht. Auch das gehört dazu. Ein offenes Haus, in dem jede und jeder willkommen ist.

Wenn er sich alles wünschen dürfte, dann hätte er gerne ein bisschen mehr Geld, um Projekte zu verwirklichen, um andere Räume für die Jugendlichen zu ermöglichen, um mehr Entfaltungsmöglichkeiten zu schaffen, denn er glaubt, dass das Konzept Jugendkirche gut funktioniert und auf dem Vormarsch ist. Aber Pastor Neudorf ist trotzdem zufrieden, denn er sieht, wie sehr die Jugendlichen in dem, was sie tun, aufgehen.

Proben ist nötig

„Was war das denn? Ein Engelchen? Du wirst doch zusammengeschlagen! Noch mal die Szene!“ kommt es aus der Regie. Aber auch beim zweiten Mal klappt es noch nicht so ganz. Nach der Generalprobe sind die Jugendlichen aus Wuppertal nicht zufrieden.

Aber sie sind schon alte Hasen im Showbusiness. Sie wissen: Geht die Generalprobe daneben, klappt die Aufführung. Und ein bisschen sind die Gedanken auch schon beim nächsten Projekt. Natürlich wieder unter der Leitung von Pastor Neudorf.

 

 

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Mittwoch, 2. Februar 2011. Die letzte Aktualierung erfolgte am Donnerstag, 10. Februar 2011. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

ekir.de / Maike Freund / 02.02.2011



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