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Es muss eine Lösung für Jerusalem ausgehandelt werden - darin sind sich Munib Younan und Elan Ezrachi einig. Doch sie setzen unterschiedliche Akzente. Es muss eine Lösung für Jerusalem ausgehandelt werden - darin sind sich Bischof Munib Younan (li.) und Elan Ezrachi einig. Doch sie setzen unterschiedliche Akzente.

Kamingespräch

Die Zeit ist reif für eine Lösung

Der palästinensische Bischof Munib Younan und der israelische Autor Elan Ezrachi sind beide in Jerusalem aufgewachsen. Bei einem Kamingespräch in Bonn berichteten sie von ihrem Leben der geteilten Stadt, von der Vereinigung 1967 und ihren Hoffnungen für die Zukunft.

Die Zeit für eine Lösung in Jerusalem ist reif – darin war sich der palästinensische Bischof Munib Younan mit dem israelischen Autor Elan Ezrachi einig. Doch sie setzten unterschiedliche Akzente, wie eine Zukunft für die Stadt kommen kann, die vor dem Sechstagekrieg von 1967 zwischen Israel und Jordanien geteilt war und seither ganz unter israelischer Verwaltung steht.

„Wir sind bereit, die anderen zu akzeptieren, Juden wie auch Palästinsener. Jetzt ist die Zeit, eine Lösung auszuhandeln“, sagte Younan bei einem Kamingespräch der Evangelischen Kirche im Rheinland in Bonn. „Wir sollten die Stadt miteinander teilen statt sie aufzuteilen“. Der Bischof, der bis Mai 2017 auch Präsident des Lutherischen Weltbundes war, ist überzeugt, dass sich bei einer Lösung für Jerusalem „ein Fenster für die gesamte Region öffnet.“

"Wir haben keine Zeit auf die Politik zu warten"

Ezrachi, der früher Hubschrauberpilot in der israelischen Armee war und jetzt jüdische Organisationen und Unternehmen berät, zeigte sich ungeduldig: „Wir sollten nicht auf die Politik warten“, sagte er und berichtete: „Schon jetzt bilden sich Netzwerke von Nachbarschaften, Schulen, Museen und Sportvereine, die ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen und in denen Juden und Araber zusammenarbeiten. Wir haben keine Zeit, auf die Politik zu warten.“ Gerade hat er ein Buch über seine Heimatstadt veröffentlicht: „Wie ein Traum in die Wirklichkeit gelangte: 50 Jahre komplizierte Vereinigung Jerusalems“.

Younan und Ezrachi sind beide in Jerusalem aufgewachsen, das 1949 nach dem Palästinakrieg zwischen Israel und seinen Nachbarn zwischen Israel und Jordanien aufgeteilt worden war. Gebannt verfolgten die Teilnehmer, wie die beiden vor einem an die Wand projizierten Kaminfeuer von ihrem Leben in zwei hermetisch voneinander abgeriegelten Teilen der Stadt berichteten – und wie sie die Vereinigung im Sechstagekrieg von 1967 erlebten.

"Wir können nicht leben, wie wie wollen"

Der junge Munib Younan konnte mit seiner Familie wieder Verwandte im Westteil der Stadt besuchen. Doch hat er die Vereinigung zwiespältig erlebt: Auf der einen Seite stand ein wirtschaftlicher Aufschwung, auf der anderen Seite eine Behandlung der Palästinenser als Menschen zweiter Klasse. Noch heute liege die Jugendarbeitslosigkeit unter ihnen erschreckend hoch. Palästinenser bekämen keine Baugenehmigungen für ihre Häuser. „Wir können nicht leben, wie wir wollen“, sagte Younan. „Es ist eine Frage der Menschlichkeit.“

Ezrachi erzählte, wie er nach der Vereinigung der Stadt arabisches Alltagsleben sah: „Meine Erinnerung als Teenager ist die an eine offene Stadt. Ich konnte mich in ganz Jerusalem bewegen und erlebte zum ersten Mal orientalische Märkte, Kirchen und Klöster – das wird Sie an Bilder aus dem vereinigten Berlin erinnern.“

Ezrachi würdigte die Besonnenheit Israels, die heiligen Stätten dreier Religionen im früher abgeschlossenen jordanischen Ostteil für die Gläubigen zu öffnen: „Seit der Vereinigung sei Ostjerusalem ein Ort, an dem jede Religion ihren Glauben praktizieren kann.“ Doch auch er sieht die Geschichte im Nachhinein zwiespältig: „Jerusalem war vereint unter der Herrschaft Israels, das seine Interessen durchsetzte.“ Jetzt seien alle, Besetzer und Besetzte, in der gleichen Stadt eingeschlossen. Auch herrschten immer noch Feindschaft und Rassismus. Doch wachse die Zahl der Menschen, die sich selbst um eine Lösung ihrer Fragen kümmerten.

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ekir.de / Wolfgang Thielmann, Foto: Martin Magunia / 02.07.2017



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