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Manfred Rekowski Im Kinderbildungszentrum KIBIZ in Saarbrücken-Malstatt unterhielt sich Präses Manfred Rekowski mit Kindern, die dort eine eigene Kinderfirma gegründet haben.

Präses Manfred Rekowski besuchte Bildungs- und Unterstützungsprojekte für Kinder im Saarland

Kinderarmut nachhaltig bekämpfen

Obwohl die Wirtschaft wächst, steigt die Kinderarmut in Deutschland weiter an. „Das ist ein Skandal“, sagt Präses Manfred Rekowski. Am Donnerstag besuchte er Hilfsprojekte des Diakonischen Werks an der Saar, die Kinder aus armen Familien unterstützen. „Jedes Kind, das eine Perspektive bekommt, ist ein Erfolg", betonte er.

Rundgang durch Saarbrücken-Malstatt mit Mitarbeitern der Diakonie. Rundgang durch Saarbrücken-Malstatt mit Mitarbeitern der Diakonie.

Bei einem Rundgang in Saarbrücken-Malstatt  besuchte Rekowski das Kinderbildungszentrum KIBIZ, die Kinderwerkstatt und das Kinderhaus des Diakonischen Werks an der Saar. In dem Stadtteil  leben rund 60 Prozent der Kinder von staatlichen Transferleistungen. Es fehlen Kitaplätze, so dass viele Kinder mit Migrationshintergrund keine frühe Förderung erhalten.  

Rekowski mahnte nachhaltige Maßnahmen zur Bekämpfung der Kinderarmut an. Der Lastenausgleich für Familien und die Grundsicherung von Kindern müsse komplett neu geordnet werden. „Das beginnt bei der Berechnung der Regelsätze in Hartz IV und reicht über die Höhe des Kinderzuschlags bis hin zu der völlig paradoxen Situation, dass die Förderung für Kinder steigt, je mehr Einkommen in einer Familie vorhanden ist, weil Familienentlastung wesentlich über die Steuersystematik erfolgt“, sagte Rekowski.

Die Synode der Evangelischen Kirche im Rheinland habe sich bereits 2012 für eine Neuordnung des Leistungsbezugs für Kinder und Jugendliche ausgesprochen. „Es hat sich zwar manches getan in den letzten vier Jahren, insgesamt aber zu wenig“, so der leitende Geistliche der rheinischen Kirche.

Einen "Molschder Hocker" für den Präses. Das Holzmöbel wird von Kindern im KIBIZ gebaut und verkauft. Einen "Molschder Hocker" für den Präses. Das Holzmöbel wird von Kindern im KIBIZ gebaut und verkauft.

Vier Maßnahmen gegen Kinderarmut

Aus Sicht der Evangelischen Kirche im Rheinland, so der Präses, gebe es vier Faktoren, die Kinder aus dem Teufelskreis von Armut befreien könnten: ein gerechterer Familienlastenausgleich, die Stärkung der Betreuungs-, Erziehungs- und Bildungssysteme, Vorrang für präventive Maßnahmen und die wirksame Bekämpfung der Langzeitarbeitslosigkeit. „Arme Kinder leben in armen Familien“, unterstrich Rekowski. „Abbau von Arbeitslosigkeit ist deshalb ein wesentlicher Faktor für einen nachhaltigen Abbau von Kinderarmut.“

„Eine Stärkung der Bildungseinrichtungen für Kinder ist unerlässlich, damit Kinder die Chance haben Armut zu überwinden“, erklärte Diakoniepfarrer Udo Blank. Hierzu gehöre ein massiver qualitativer Ausbau der Kindertageseinrichtungen. „Gerade in sozialen Brennpunkten arbeiten die Erzieherinnen deutlich jenseits der Grenzen der Belastbarkeit, ohne dass die Kinder dabei die notwendige Förderung erhalten. Hier ist dringender Handlungsbedarf“, sagte Blank.

Das Gleiche gelte für die Schulen. Der weitere Ausbau der Gebundenen Ganztagsschulen sowie die qualitative Stärkung der Freiwilligen Ganztagsschulen im Saarland seien wichtige Voraussetzungen, um Kindern aus benachteiligten Familien gute Bildungschancen zu geben. „Hier sind zusätzliche Anstrengungen von Seiten der Bundes- wie der Landespolitik nötig. Betreuung und Bildung von Kindern darf nicht durch Kompetenzstreitigkeiten und ideologische Konkurrenzkämpfe der Politik gefährdet werden“, so Blank.

Präventive Bildungsarbeit ist erfolgreich

"Unsere Bildungsarbeit in den Kinderhäusern in Malstatt, Brebach und Völklingen zeigt, wie es gelingen kann, mit einem präventiven Ansatz die Lage von Kindern in schwierigen Lebenssituationen nachhaltig zu verbessern“, unterstrich Wolfgang Biehl aus der Geschäftsführung des Diakonischen Werks an der Saar. Trotz vieler Benachteiligungen hätten Kinder so größere Chancen auf Bildung, soziale und kulturelle Teilhabe und schließlich ein besseres Leben.

Ein wichtiger Nebeneffekt sei dabei: „Die Kinder benötigen seltener stärker eingreifende und damit teurere Hilfen des Jugendamts“, sagte Biehl. Um Kinderarmut nachhaltig zu bekämpfen, sei es deshalb wichtig, präventive Einrichtungen zu fördern und die Rahmenbedingungen in Kitas und Schulen zu verbessern.

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Fotos: Helmut Paulus / DW Saar / 09.03.2017



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