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Foto: Eric Lichtenscheid Auf einer Glasplatte mit Quarzsand entstanden beim Kindergottesdiensttag Sandbilder.

Kindergottesdiensttag

Biblische Motive in Bildern

Wie man mit Kindern in Bildern über Gott und biblische Inhalte redet, darum ging es beim 28. Rheinischen Kindergottesdiensttag. Eine Spurensuche in Solingen mit Krempeltaschen, Bodenbildern und einem guten Pfund Quarzsand.

Der Schwung müsse aus der Hüfte kommen, wie bei Elvis Presley, meint Ewald Schulz, Pädagoge des Rheinischen Verbands für Kindergottesdienst. Er steht auf keiner Bühne, sondern in einem Klassenzimmer vor Teilnehmern eines Workshops.

In den Händen hält er eine Glasplatte, auf der Quarzsand aufgeschüttet ist, uneben, etwas hügelig. Mit einem Schwung aus der Hüfte bewegt Ewald Schulz seinen Körper und mit ihm die Glasplatte, die er sanft rüttelt und schüttelt. Der Sand darauf ist danach glatt wie mit einer Schnur gezogen.

Ewald Schulz legt die Platte auf einen Overheadprojektor. Mit dem rechten Zeigefinger malt er Striche in den Quarzsand, die Umrisse von Mann und Frau sind darin zu erkennen. Der Projektor wirft das in Sand gemalte Bild an die Wand. Wie eine Höhlenmalerei aus Urzeiten sieht es aus, ebenso simpel wie faszinierend.

„Erst sehen die Zuschauer nur eine schwarze Fläche“, sagt Ewald Schulz. „Durch die Zeichnungen entstehen Lichtbilder aus der Finsternis.“ Eine bewährte Methode, um biblische Geschichten im Kindergottesdienst zu erzählen.

„Wenn man das vor Kindern macht, werden sie ganz ruhig und schauen mit großen Augen auf das, was vorne passiert.“ Wobei es immer auch darum gehe, was im Bild zwar angedeutet, aber nicht zu sehen ist. „Das regt die Fantasie der Kinder an“, sagt Ewald Schulz und macht noch einen weiteren Hüftschwung, um den Sand aufs Neue zu glätten.

„Schau hin – echt scharf“

Präsentiert hat der Pädagoge die Sandmalereien während des 28. Rheinischen Kindergottesdiensttags, der am vergangenen Samstag in Solingen stattfand. Unter dem Motto „Schau hin – echt scharf“ haben Referenten in mehr als 20 Arbeitsgruppen vorgestellt, wie biblische Inhalte mithilfe von Bildern im Kindergottesdienst aufbereitet werden können.

„Essen Tote auch Nutella?“, dieser Frage ist beispielsweise Ute Kaufmann nachgegangen, Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde in Düsseldorf-Kaiserswerth. Erklärt hat sie, wie Hoffnungsbilder angesichts von Sterben, Tod und Auferstehung bei Kindern entstehen können.

Pädagogin und Heilpraktikerin Gerda Maschwitz hat im Workshop „Kino im Kopf“ erläutert, wie Kinder innere Bilder bei einer Phantasiereise entwickeln. Und Pfarrer David Ruddat, Schulreferent des Evangelischen Kirchenkreises an der Ruhr, hat gezeigt, wie man Geschichten mit sogenannten „Krempeltaschen“ erzählt.

Und das geht so: David Ruddat sitzt im Stuhlkreis. In der Mitte liegen rund 20 Krempeltaschen aus, die in etwa so groß sind wie herkömmliche Topflappen. Mit dem Unterschied, dass die Krempeltaschen mit feinen Stoffen genäht sind, sich mehrfach umkrempeln lassen und dabei immer andere Motive zum Vorschein kommen.

Jede Tasche passt zu einer biblischen Geschichte – etwa zu der vom brennenden Dornbusch. Die Idee dazu stammt aus England, deswegen werden die Krempeltaschen auch „Story-Bags“ genannt.

Die Kunst des Krempelns

David Ruddat erzählt heute die Geschichte von Noah und seiner Arche mit einer Krempeltasche nach – nicht wortwörtlich, sondern so, dass die Erzählung auf die Motive der Tasche abgestimmt ist. Man merkt gleich, dass der Pfarrer ein geübter Krempeltaschenerzähler ist. „Normalerweise hat man erst die Geschichte und sucht dann die Bilder – hier ist es aber anders: Man hat die Bilder und muss die Geschichte dazu erzählen“, sagt er. „Die Kunst besteht darin, dass man die Storybags so nimmt, wie sie einem gegeben werden.“

Als er von der Arche Noah erzählt, ändert die Krempeltasche, die David Ruddat in der rechten Hand hält, ständig ihre Erscheinung: mal ist eine abstraktbraune Fläche zu sehen, dann ein Zebra, eine Taube, ein Rabe – Fragmente einer Geschichte, deren Sinn und Bedeutung Ruddat mit Worten und geschicktem Krempeln inszeniert.

Der Erfolg vor Kindern im Gottesdienst hänge letztlich davon ab, wie Erzählung und simultanes Krempeln arrangiert seien. „Man muss die Geschichte auch mal verfremden, um sie flüssig erzählen zu können“, sagt der Pfarrer. Da sei bisweilen auch Interpretation gefragt und immer auch eine Auseinandersetzung des Erzählers mit der biblischen Geschichte. „Wichtig ist, dass die Bilder Offenheit zulassen.“

„Das nimmt einem niemand“

Darauf kommt es auch Heidrun Viehweg an, Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde-Bergerhausen. „Hören, fühlen, schauen, verstehen – Biblische Geschichten mit Bodenbildern erzählen“, so lautete der Titel ihres Workshops, den sie während des Kindergottesdiensttags angeboten hat.

Wieder sitzen die Teilnehmenden in einem Kreis. Dieses Mal liegt ein weißes Stofftuch ausgebreitet auf dem Boden. Auf einem Tisch am Rand stehen Behälter mit Steinen, Holzschnitzereien, Figuren und Filzbuttons. Mit diesen Materialien soll zu einer fiktiven Geschichte ein Bild auf dem Fußboden entstehen. „Beim Erzählen mit Bodenbildern geht es darum, Kinder zu Ruhe und innerer Konzentration zu führen, sodass sie eigene innere Bilder entwickeln“, sagt Heidrun Viehweg.

Die Geschichte, die sie mitgebracht hat, erzählt von einer gebeugten Frau, die abseits in einer Synagoge sitzt. „Jesus sieht den Schmerz“, heißt es in der Geschichte. Er legt ihr die Hände auf, sie bekommt neuen Mut, neue Kraft. Szenen der Geschichte werden nach und nach mithilfe der ausliegenden Materialien auf dem Bodenbild dargestellt. Wichtig sei, dass am Ende die Botschaft rüberkomme, sagt Pfarrerin Viehweg. „Ich bin Gottes geliebtes Kind, ich bin wunderbar.“ Dieses Gefühl sollten Kinder mit nach Hause nehmen. „Und nicht so sehr, wie das Bodenbild um Detail aussah.“

Das Bodenbild könne am Ende deswegen getrost eingerollt werden. Ja, es sei sogar Teil des Konzepts, dass alle Teilnehmenden eines Gottesdienstes das Bild gemeinsam wegräumten, sagt die Pfarrerin. „Es ist ja nur ein Bild, was das in der Mitte liegt.“ Die Gedanken und Gefühle, die bei der Beschäftigung mit dem Bodenbild gekommen seien, sollten Kinder dagegen im Herzen bewahren. „Die nimmt einem niemand.“

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ekir.de / Thomas Becker / Foto: Eric Lichtenscheidt / 22.09.2015



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