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Stimmungsvolle Zusammenkunft in Berlin: Rheinische Superintendentinnen und Superintendenten beim Parlamentarischen Abend. Stimmungsvolle Zusammenkunft in Berlin: Rheinische Superintendentinnen und Superintendenten beim Parlamentarischen Abend.

Parlamentarischer Abend in Berlin

Grundsätzlich werden

„Wir leben in einer Zeit, in der man als Kirche und Politik nur bestehen kann, wenn man grundsätzlich wird“, stellte der Grünen-Bundestagsabgeordnete Volker Beck fest, und dann wurde der kirchenpolitische Sprecher seiner Fraktion grundsätzlich – grundsätzlich biblisch. 

Grünen-Politiker Volker Beck Grünen-Politiker Volker Beck

Beck und die Abgeordneten Kerstin Griese (SPD) und Thomas Rachel (CDU) waren als Impulsgeber beim Parlamentarischen Abend der Evangelischen Kirche im Rheinland am Dienstag in Berlin gefragt auf die Frage zu antworten, was Kirche (und Politik) derzeit herausfordert. Volker Beck von den Grünen bezog sich in seinem Statement auf die Bibel: „Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst? Du hast ihn wenig niedriger gemacht als Gott, mit Ehre und Herrlichkeit hast du ihn gekrönt“, zitierte er Verse des 8. Psalms und setzte nach: „Das gilt auch für Flüchtlinge.“

SPD-Politikerin Kerstin Griese SPD-Politikerin Kerstin Griese

Dass die Flüchtlingsfrage zu den derzeit größten Herausforderungen zählt, unterstrichen auch Griese und Rachel. Die SPD-Politikerin Griese tat das, nicht ohne zunächst allen zu danken, die für Flüchtlinge „Herzen, Küchen und Kleiderschränke“ geöffnet hätten, ausdrücklich auch die vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer aus Kirchengemeinden und kirchlichen Einrichtungen.

Nach der „Kurzstrecke“ der Aufnahme komme jetzt allerdings die „Langstrecke“. Jetzt gehe es um die nachhaltige Integration. „Es kommt darauf an, dass unser Land Heimat wird für die, die zu uns kommen. Und es kommt darauf an, dass es Heimat derer bleibt, die hier leben“, sagte Griese vor den Superintendentinnen und Superintendenten der rheinischen Kirche, die in Berlin zu einer mehrtägigen Tagung und Fortbildung zusammengekommen waren.

CDU-Politiker Thomas Rachel CDU-Politiker Thomas Rachel

Auch Thomas Rachel, Vorsitzender des Evangelischen Arbeitskreises von CDU/CSU (EAK), ordnete das Thema Flüchtlinge unter „Historische Herausforderungen“ ein: „Die Globalisierung kommt in Gestalt von Menschen zu uns und bekommt so ein Gesicht. Manchem hier hat das Angst gemacht und bereitet das Sorgen. Die Gesellschaft wird heterogener. Das verunsichert die Menschen.“ Es sei Ziel von Christinnen und Christen in der Politik, Menschen zusammenzuführen und nicht die Gesellschaft zu spalten. Umso weniger sei eine neue Partei, „die polarisiert und polemisiert“, eine Alternative für Christinnen und Christen.

So sehr die drei Bundespolitiker in der Einordnung der Herausforderungen einig waren, so deutlich wurde der Dissens im Detail. So warf der Grünen-Politiker Beck der Großen Koalition aus CDU/CSU und SPD vor, die Würde von Flüchtlingen zu missachten: „Eine Kaskade von Gesetzen der Großen Koalition kratzt an dem Schutz des Flüchtlings und an seiner Würde.“ So stehe die beschlossene Wohnsitzauflage für anerkannte Flüchtlinge im offenen Widerspruch zur Genfer Flüchtlingskonvention, die anerkannten Flüchtlingen Freizügigkeit zusage.

Präses Manfred Rekowski beim Parlamentarischen Abend in Berlin Präses Manfred Rekowski beim Parlamentarischen Abend in Berlin

Einig waren sich die drei, die mit weiteren Abgeordneten des Deutschen Bundestages trotz des EM-Spiels der deutschen Mannschaft gegen Nordirland ins Dietrich-Bonhoeffer-Haus gekommen waren, dass es in der Flüchtlingsfrage einer europäischen Lösung bedürfe. Allerdings beklagte Präses Manfred Rekowski eine große Lücke durch die mangelnde Bereitschaft vieler EU-Mitgliedsstaaten, eine angemessene Zahl von Flüchtlingen aufzunehmen.

„Das Friedensprojekt Europa muss reanimiert werden“, forderte Rekowski. Der 75. Jahrestag des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion sei ein gutes Datum, sich noch einmal bewusst zu werden, welcher Gewinn ein gemeinsames Europa als Wertegemeinschaft für alle Europäer sei.

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ekir.de / Jens Peter Iven, Fotos Carmen Lenk / 22.06.2016



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