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Kirchentag in Stuttgart Klaus Eberl mit Gebärdendolmetscherin bei der Kirchentagsveranstaltung "Inklusion: So will ich leben"

Zentrum Kirchentag Barrierefrei

Das Recht auf Selbstbestimmung gilt für alle

„Gerade in unserer Verschiedenheit sind wir wunderbar“, sagte der Bildungsexperte der rheinischen Kirche Klaus Eberl bei der Veranstaltung des Kirchentags in Stuttgart „Inklusion: So will ich leben“. Eberl erläuterte das Thema aus biblischer und theologischer Sicht.

„Gott ist vielfältig, da ist es normal, dass auch die Menschen vielfältig sind“, sagte Oberkirchenrat Eberl am Donnerstag im vollbesetzten „Zentrum Kirchentag Barrierefrei“. Die Vielfalt zeige sich in der Bibel schon dadurch, dass der Mensch als Mann und Frau geschaffen worden sei. Das Bild des Apostel Paulus von der Gemeinde als Organismus zeige zudem, dass alle Menschen zu einer großen Gemeinschaft gehören.

„Vor Gott müssen wir nichts leisten“, so der Leiter der Abteilung Bildung im Landeskirchenamt der Evangelischen Kirche im Rheinland. „Manchmal sind wir auf Hilfe angewiesen. Manchmal brauchen wir Hilfe.“ Nur eine Gemeinde, in die jeder kommen könne, sei eine gute Gemeinde.

Vorreiterrolle für Gemeinden gefordert

Eberl nannte drei Bereiche, in denen mehr getan werden müsse, um Inklusion zu fördern. Wohnungen sollten grundsätzlich barrierefrei sein, Assistenzdienste für Menschen mit Behinderungen ausgebaut werden und im Freizeitbereich dürfe es keine Treffen geben, an denen Menschen aufgrund von persönlichen Einschränkungen nicht teilnehmen könnten.

Kirchen und Gemeinden sollen nach Ansicht des Inklusionsexperten eine Vorreiterrolle übernehmen. Sie sollten sich dafür einsetzen, dass in der Nachbarschaft kleine inklusive Wohneinheiten entstehen. Dass Kirchengemeinden auch selbst die Trägerschaft für solche übernehmen können, untermauerte er mit Beispielen aus dem Rheinland.

„Wie mache ich das eigentlich mit dem Wohnen, Leben und Arbeiten und wie finde ich meine Freunde?“, so fasste Cornelia Coenen-Marx, Oberkirchenrätin im Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), die Fragestellung der Inklusionsveranstaltung zusammen. Coenen-Marx hat wie auch Eberl an der Orientierungshilfe der EKD mit dem Titel „Es ist normal, verschieden zu sein. Inklusion leben in Kirche und Gesellschaft“ mitgewirkt.

Das Recht auf Selbstbestimmung für alle

Inklusion sei die Entscheidung, dass Selbstbestimmung für jede und  jeden gelte, so Coenen-Marx. Die Menschen wollten heute Wahlmöglichkeiten und Teilhabe. Seit rund 50 Jahren bemühten sich diakonische Einrichtungen die Leute zurück in die Orte zu holen und nicht in Heimen außerhalb der Gesellschaft unterzubringen.

Renate Kühn vom Beirat des Evangelischen Fachverbandes Behindertenhilfe erklärte, dass sie als Rollstuhlfahrerin immer auf Hilfe angewiesen sei. Das fange mit Kleinigkeiten wie dem Besuch von Freizeitveranstaltungen an. Sie wünschte sich unter anderem, die persönliche Assistenz selbst aussuchen zu können.

Achim Wegmer vom Bundesvorstand Lebenshilfe forderte, dass Teilhabe schon in Kindertagesstätten anfangen müsse: „Alle Kinder müssen in den gleichen Kindergarten und die gleiche Schule gehen.“ Inklusion sei eine Bereicherung für die ganze Gesellschaft.

 

 

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ekir.de / rtm / 04.06.2015



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