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Helga Siemens-Weibring, Expertin für Sozialpolitik der Diakonie RWL. Helga Siemens-Weibring, Expertin für Sozialpolitik der Diakonie RWL.

Evangelische Kindertagesstätten

Weckruf gegen chronische Unterfinanzierung

Seit Jahren bemühen sich Kirche und Diakonie in NRW um eine bessere Finanzierung der evangelischen Kindertagesstätten. Zwar hat die NRW-Landesregierung mehr Geld für den Ausbau der Kitas gegeben, doch es reicht nicht. Ein Gutachten der AWO fordert jetzt einen Systemwechsel in der Finanzierung. 

Dabei sollte die finanzielle Schieflage in den Kitas längst behoben sein. Ende vergangenen Jahres hat die Landesregierung den Kindertagesstätten zusätzlich rund 430 Millionen Euro gegeben. Dennoch beläuft sich das jährliche Defizit aller rund 9.500 Kindertagesstätten in NRW noch auf 1,5 Milliarden Euro, wie die Freie Wohlfahrtspflege errechnet hat. „Wir brauchen dringend eine neue Finanzierungsgrundlage“, betont Helga Siemens-Weibring, Beauftragte für Sozialpolitik der Diakonie RWL und Kita-Expertin. Eine Forderung, die die Sozialverbände schon lange an die Politik herantagen.

Im Gutachten der Arbeiterwohlfahrt NRW, die wie die Diakonie RWL Mitglied der Freien Wohlfahrtspflege NRW ist, wird ein radikaler Systemwechsel in der Finanzierung vorgeschlagen, da im Kinderbildungsgesetz (KiBiz), so die Wissenschaftler der Fachhochschule Niederrhein, „die notwendige Qualität der Bildung, Erziehung und Betreuung der Kinder nicht erreicht werden kann“.

Das im Jahr 2007 eingeführte kiBiz rechnet nach Kindpauschalen und Betreuungsstunden ab. Und ist damit, wie Helga Siemens-Weibring sagt, „ein für die Träger kaum kalkulierbares Verwaltungsmonster“. Schließlich sei die Kindpauschale, die das Land den Trägern überweist, davon abhängig, wie viele Wochenstunden die Eltern für ihr Kind gebucht haben und um welchen Gruppentyp es sich handele.

Vielerorts im Krisenmodus

"Sobald zum Beispiel zwei Kinder die Einrichtung verlassen und sich die Betreuungszeiten ändern, muss die ganze Finanzierung neu berechnet werden“, kritisiert die Beauftragte für Sozialpolitik. Personal- und Betriebskosten, Ausfallzeiten der Erzieherinnen sowie Aus- und Fortbildungen – alles wird über dieses System finanziert.

Unter dem Dach von Kirche und Diakonie gibt es rund 1.600 Kitas in NRW, die gut 15.000 Fachkräfte beschäftigen. Die evangelischen Kindertagesstätten machen knapp 40 Prozent der Kitas in kirchlicher Trägerschaft in NRW aus. Anders als andere freie Träger müssen sie zwölf Prozent der Kosten selbst decken. „Viele unserer Träger befinden sich im Krisenmodus“, so Helga Siemens-Weibring.

Grund- statt Kindpauschale

Das neue Gutachten der Fachhochschule Niederrhein schlägt nun vor, dass den Trägern sämtliche anfallende Kosten erstattet werden, unabhängig von einer Kindpauschale. Stattdessen soll es eine Grundpauschale geben, mit der etwa der laufende Betrieb eines Gebäudes sichergestellt werden kann. Land, Kommunen und Eltern sollen die Kosten künftig tragen, der Trägeranteil entfällt.

Derzeit hängt es von der jeweiligen Stadt ab, ob die Eltern zur Kasse gebeten werden. Manche Kommunen erheben keine Elternbeiträge, andere wiederum sehr hohe Gebühren. „Dieses System ist nicht gerecht“, meint auch Helga Siemens-Weibring. „Es wäre besser, wieder zu landeseinheitlichen Elternbeiträgen zurückzukehren wie wir sie vor Einführung des KiBiz hatten.“

Weckruf gehört

Hinter den Kulissen wird schon seit einigen Monaten intensiv über die Kita-Finanzierung verhandelt. Das NRW-Familienministerium bereite eine grundlegende Reform des KiBiz vor, hieß es. Bund und Länder kündigten am Dienstag eine gemeinsame Qualitätsoffensive für die Kinderbetreuung an.

„Die Politik hat unseren Weckruf gehört“, sagt Helga Siemens-Weibring. „Wir hoffen nun auf eine echte Reform, schließlich wächst in den Kitas die nächste Generation heran. Es ist unsere gesellschaftliche Aufgabe, hier in gute Bildung und Erziehung zu investieren.“

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ekir.de / diakonie-rwl.de, sd / 17.11.2016



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