Stöbern in Fotoalben: Elfriede Matten, Renate Kahmann und Mira Sneperger. Stöbern in Fotoalben: Elfriede Matten, Renate Kahmann und Mira Sneperger.

25 Jahre Kleiderkammer Duisburg-Hochheide

„Supersachen, das würden Sie nicht glauben“

„Wer das wohl ist?“ „Das ist doch Frau Müller.“ „Das muss damals beim 20-jährigen Jubiläum gewesen sein.“ "Weißt Du noch die Modenschau im Garten?" Tief über das Album gebeugt sitzen die drei Ehrenamtlerinnen und schauen sich die Fotos an.

Elfriede Matten, Renate Kahmann und Mira Sneperger stöbern in dem Fotoalbum, das 25 Jahre Kleiderkammer in Homberg-Hochheide spiegelt. „Der Raum war ein enger Schlauch, in dem immer nur eine Person Platz hatte“, erinnert sich Mira Sneperger an die Anfänge. Sie ist eine der Ehrenamtlichen, die von der ersten Stunde an dabei waren. Die Kleiderkammer war anfangs in einem Hochhaus untergebracht. Kundinnen waren vorwiegend Frauen aus den Hochhäusern, meist aus dem Kosovo und aus Polen.

Die Diakoniestation wusste darum, wie nötig die Kleiderkammer ist: Immer wieder fragten Menschen nach Mänteln, Anzügen und Unterwäsche. Schnell wurde die Einrichtung bekannt und gut besucht. Längst ist die Kleiderkammer umgezogen, bekam mehr Platz, überwand ein Zwischentief in der Nachfrage.

Geschichten aus dem Leben

25 bis 30 Menschen besuchen jeden Montag die Kammer, drei Besuchende können gleichzeitig in den Wäscheschränken und an den Kleiderständern stöbern. Um 12 Uhr sind die ersten da, um 14 Uhr öffnet die Kammer, um 16 Uhr wird sie geschlossen. "Dann sind wir kaputt", berichtet Renate Kahmann. Denn die Menschen, die kommen, werden willkommen geheißen. Sie bekommen einen Kaffee, bisweilen gibt auch Plätzchen dazu. "Manche erzählen ganze Geschichten aus dem Leben, da wollen wir auch zuhören".

Auch wenn der Anteil deutscher Besucherinnen und Besucher in den letzten Jahren gewachsen ist, haben die meisten Besuchenden einen Migrationshintergrund. Um den Kunden wertschätzend entgegentreten zu können, haben die ehrenamtlichen Rentnerinnen eine Fortbildung mitgemacht: "Multikulturelle Begegnung im Kleidertreff" hieß der Kurs. So konnte Vertrauen entstehen. Zum Beispiel durch die einfache Nachfrage: "Was macht Ihre Mutter?"

Minipreise - und das Geld bleibt im Stadtteil

Für die Kleidung müssen die Kundinnen und Kunden Minibeträge zahlen, 50 Cent für einen Pullover etwa. Schuhe gibt es oft umsonst. Nicht selten bieten die Ehrenamtlichen weitere Gratiszugaben an, wenn die Not groß ist. Das Bezahlen ist Prinzip. Das eingenommene Geld bleibt im Stadtteil. Es kommt beispielsweise einem Schüler zugute, dem etwas für die Schule fehlt. Oder einer Familie, die nach einem Umzug klamm ist. 

Die Kleidung selbst ist es wert. "Super Sachen, das würden Sie nicht glauben. Auch viele Sachen von beliebten Markenherstellern." Neben der Bekleidung gibt es auch andere Textilien: Handtücher, Unterwäsche, Bettwäsche. Eins aber scheint vorbei zu sein: Die Zeit, als Pelzmäntel an die Kleiderkammer verschenkt wurden. Menschen aus Russland haben sie, so die Beobachtung der Frauen, gern genommen und in die ehemalige Heimat für ihre Verwandtschaft geschickt, damit sie im Winter nicht frieren.

Weiter machen

Wie überhaupt immer wieder Menschen kommen, um für ihre Eltern, Kinder oder andere Verwandten etwas zu besorgen. "Von ihrer Fachkenntnis haben wir richtig gelernt", erklärt Mira Sneperger. Etwa, wie man die Konfektionsgröße eines Kleidungsstücks richtig misst."

So erfolgreich ist die Arbeit der Frauen, dass zwei von ihnen, beide von Anfang an dabei und über 80 Jahre alt, beim Besuch des Bundespräsidenten im vergangenen Jahr in Duisburg zum Empfang eingeladen wurden. Fazit nach 25 Jahren: "Wir kommen gern hierher, denn es ist eine wichtige Arbeit“, resümiert Elfriede Matten. „Alles ist teurer geworden und für Menschen mit schmalem Haushalt ist schon normale Kleidung nicht mehr bezahlbar. Solange wir fit bleiben, machen wir weiter.“

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Montag, 24. Juni 2013. Die letzte Aktualierung erfolgte am Dienstag, 25. Juni 2013. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

ekir.de / egs / 25.06.2013



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