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 Plakat: Klüngelbeutel

Reformationsjubiläum

Martin Luther revisited

Die Kirchenkabarettgruppe „Klüngelbeutel“ hat parallel zu ihrem Bühnenprogramm zum Reformationsjubiläum „Djihad in Wittenberg – Martin Luther sein Kampf“ einen Blog gestartet, der bereits rege Kommentierungen bekommen hat. 

Als Frau Fatime die Bühne betritt, wird es still im Publikum. „Mach mal Djihad“, fordert die kopftuchtragende Dame mit dem einladenden Lächeln lautstark – denn eigentlich, so sagt sie, sei der Djihad absolut nicht das, was die „Durchgeknallten vom IS“ darunter verstünden. „Es heißt, sich so sehr anzustrengen, wie es einem möglich ist“, erklärt sie rappend auf der Bühne.

Der Djihad als spiritueller Kampf auf dem Weg zu Gott, und noch dazu durchaus vereinbar mit dem Luther-Lied? Das Stück „Djihad in Wittenberg – Martin Luther sein Kampf“, mit dem das Kölner Ensemble um Pfarrer Wolfram Behmenburg bereits im September 2015 Premiere feierte, hat Sprengkraft: Es erzählt von der fiktiven Rückkehr Martin Luthers in die Gegenwart – und von seiner Begegnung mit Frau Fatime, einer gläubigen Muslima der sogenannten zweiten Generation.

Im Spannungsfeld von Religion und Gesellschaft

„Gerade mit Blick auf das Reformationsjubiläum war uns die Auseinandersetzung mit Luther wichtig, aber auch seine Verortung im Hier und Jetzt“, erzählt Wolfram Behmenburg. Seit 26 Jahren schreibt er gemeinsam mit Regisseur Joschi Vogel die Texte für „Klüngelbeutel“ und tritt als Schauspieler auf der Bühne auf. Rund 800 Vorstellungen liegen heute bereits hinter dem Ensemble: Mal frech, mal fromm, mal lustig oder ernst kommentieren die „Jecken vor dem Herrn“ Widersprüchlichkeiten im Spannungsfeld von Religion und Gesellschaft. Mit ihrem aktuellen Stück „Djihad in Wittenberg“ sind sie noch einen Schritt weiter gegangen – in das Neuland des interreligiösen Kabaretts. Geplant sind weitere Aufführungen bis Ende Juni 2017.

„Das Stück hat bei unserem Publikum von Anfang an eine Kontroverse losgetreten“, sagt Wolfram Behmenburg. Er erzählt von Gästen, die am Ende begeistert klatschten, und von jenen, die sich darüber empörten, dass eine so positive Figur wie Martin Luther mit dem Djihad in Verbindung gebracht wird. Von Veranstaltern, die sie zwar engagieren, sich aber nicht trauen, ihre Plakate aufzuhängen. Und von dem schmerzlichen Schweigen derer, die immer kamen und jetzt wegbleiben.

Das Kabarett als Gegenöffentlichkeit

Dabei ist gerade „Djihad in Wittenberg“ auf Rückmeldung angelegt – und darauf, dass die Debatten auch nach dem Ende der Vorstellung weitergehen. Aus diesem Grund hat Behmenburg kluengelbeutel-blog.de gestartet. Wöchentlich veröffentlicht er dort neue Kolumnen: kabarettistische Bekundungen von Figuren, wie sie auch im Stück auftauchen. Da ist Luther 2.0, der von einer Chanukka-Feier berichtet, da ist der Kardinal, der die Heiligsprechung Luthers voranzutreiben versucht, und da sind die beiden Kölschen Protestantismus-Experten Schwader und Lapp mit ihren kölschen Dialogen über die Reformationsgeschichte.

„Das Kabarett gibt Anstöße und Provokationen in der Bühnensprache der Unterhaltung“, erklärt Wolfram Behmenburg – für weiterführende Diskussionen soll der Blog eine zusätzliche Plattform bieten. Seit seiner ersten Veröffentlichung hat sich dort einiges getan. Gerade in der Weihnachtszeit füllten sich die Kommentarspalten mit Beiträgen: über den Umgang der evangelischen Kirche mit rechtspopulistischen Stimmungen, über mediale Berichterstattungen und Buchempfehlungen.

Diskutiert hat man dabei mitunter über eben jene Frage, die „Klüngelbeutel“ mit ihrem Stück auf die Bühne gebracht haben: Wie wollen wir in Zukunft miteinander leben? Frau Fatime und Martin Luther haben im Stück eine mögliche Antwort darauf bereits gefunden: „Dann und wann wäre ich gerne wie du.“ 

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ekir.de / Philippa Schindler / 05.01.2017



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