Wir sind so frei

Charlotte Knobloch: So frei sein, einander zu begegnen

Charlotte Knobloch hielt die letzte Kanzelrede in der Salvatorkirche in Duisburg anlässlich des Jubiläums 400 Jahre 1. Reformierte Generalsynode.

Charlotte Knobloch mit Pfarrer Peter Krogull in der Duisburger Salvatorkirche. Charlotte Knobloch mit Pfarrer Peter Krogull in der Duisburger Salvatorkirche.

Knoblochs Thema war das jüdische Leben in Deutschland heute: „Wie frei sind wir wirklich?“ Die ehemalige Präsidentin des Zentralrates der Juden in Deutschland leitete damit ein, dass die diesjährige Verleihung des Friedensnobelpreises viel über den Mut und die Freiheit in der Welt aussage. Nach Carl von Ossietzky, der 1935 von den Nazis an der Entgegennahme des Preises gehindert wurde, sei die Preisverleihung für Liu Xiaobo wieder eine Zeremonie der leeren Stühle gewesen. Fast ein Drittel der geladenen Botschaftsvertreter habe auf Druck Chinas die Teilnahme an der Verleihung abgesagt. Dieses Verhalten sei von der Bundesregierung zu Recht als Schande gerügt worden, so Knobloch.

Das jüdische Leben in Deutschland nach 1945 begann für die Überlebenden mit der schweren Entscheidung, zu bleiben und dem Land der Mörder eine zweite Chance zu geben. Knobloch selbst tat sich lange schwer mit dem Wunsch ihres Vaters, dauerhaft in Deutschland zu leben. Erst seit der Grundsteinlegung für das jüdische Zentrum in ihrer Heimatstadt München im Jahr 2003 könne sie die Überzeugung vertreten: „Deutschland ist wieder eine Heimat für uns Juden. Es war richtig, in dieses Land, seine Politik und seine Menschen zu vertrauen.“

Sie widersprach der Ansicht von Ignatz Bubis aus seinem letzten Interview, dass Juden und Nichtjuden einander fremd geblieben seien, räumte aber ein, dass es im Verhältnis zueinander keine Normalität gebe. „Ich wünsche mir gar keine Normalität“, so Knobloch, „denn die wäre eben nicht normal, aber wir sollten so frei sein, uns als Menschen zu begegnen.“

Bei einem jüdischen Bevölkerungsanteil von 0,2 Prozent würde auch heute noch manch einer irritiert reagieren, der zum ersten Mal einem lebendigen Juden gegenüber stehe. „Wir brauchen Verständnis für die Friedhöfe, auf denen wir zur Welt gekommen sind“, sagte Knobloch.

 

 

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Freitag, 17. Dezember 2010. Die letzte Aktualierung erfolgte am Freitag, 17. Dezember 2010. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

ekir.de / 17.12.2010



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